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Dreßen gewinnt Streif-Abfahrt : „Einfach nur geil“

  • Aktualisiert am

Auf dem Weg zum ersten deutschen Sieg seit 39 Jahren: Thomas Dreßen in Kitzbühel. Bild: EPA

Zum ersten Mal seit 39 Jahren fährt mit Thomas Dreßen wieder ein Deutscher auf den ersten Platz des Traditionsrennens in Kitzbühel. Sepp Ferstl gratuliert: „Jetzt geht’s erst richtig los für den.“

          Ganz oben auf dem Podest im Zielraum der Streif schloss Thomas Dreßen die Augen und genoss den Moment nach seiner famosen Fahrt in die Geschichtsbücher des alpinen Skisports. „Ich habe versucht alles aufzunehmen, damit ich mich lange daran erinnere“, sagte der Sensations-Gewinner der legendären Abfahrt in Kitzbühel. Mit seinen 24 Jahren zählt der Skirennfahrer vom SC Mittenwald seit Samstag zum exklusiven Kreis derjenigen, die auf der Streif gewonnen haben – und wie Hahnenkamm-Rekordsieger Didier Cuche aus der Schweiz gelang auch Dreßen in Tirol noch dazu sein erster Weltcup-Sieg. Auf der schwersten Strecke der Welt. „Es war immer von klein auf mein Traum, ins Ziel zu fahren und in Führung zu liegen hier in Kitzbühel“, sagte Dreßen. „Einfach nur geil.“

          Bei der Olympia-Abfahrt in drei Wochen ist der jüngste deutsche Abfahrer im Weltcup-Team nun viel mehr als nur ein Geheimfavorit. „Ich sehe mich trotzdem immer noch als Außenseiter“, betonte Dreßen, für den vor dem Abflug nach Pyeongchang in Südkorea noch das Heimrennen in Garmisch-Partenkirchen am kommenden Wochenende ansteht. „Ich bin noch jung und muss viel lernen.“

          Als erst dritter Deutscher nach Sepp Ferstl in den Jahren 1978 und 1979 und Ludwig Leitner in der Vor-Weltcup-Ära 1965 gewann Dreßen die Abfahrt in Kitzbühel und bekommt nun im Sommer seine eigene Gondel bei der Hahnenkammbahn. Auf der Pressekonferenz gab es Applaus von Weltmeister Beat Feuz aus der Schweiz, der sich Dreßen um 0,20 Sekunden geschlagen geben musste und von Hannes Reichelt aus Österreich, der Dritter wurde. „Auf so einer Strecke, in dem Alter, ist schon eine Topleistung“, lobte Reichelt.

          Ferstl Senior, dessen Sohn Josef am Samstag 20. wurde, war froh über den Sieg. „Gott sei Dank, dass ich jetzt mal abgelöst bin, weil das hältst du auf Dauer nicht aus“, sagte er. „Aber das ist ein armer Hund jetzt, weil er alles durchmachen muss. Jetzt geht's ja erst richtig los für den.“ Schon Minuten nach seiner Fahrt stiefelte der sympathische Bayer ungläubig und mit einem breiten Dauer-Grinsen von Interview zu Interview, nahm die Glückwünsche entgegen für seinen Sieg im wichtigsten Weltcup-Rennen des Jahres und schüttelte immer wieder den Kopf. „Ich kann es gar nicht glauben“, meinte Dreßen völlig überwältig von dem Coup, auf den der Deutsche Skiverband 39 Jahre warten musste. Im Weltcup war es erst der siebte DSV-Abfahrtssieg bei den Herren, der erste seit Max Rauffers Erfolg in Gröden vor 13 Jahren.

          Vor Zehntausenden Zuschauern hatte sich Dreßen nach der Zieldurchfahrt feiern lassen und seine Freude wild in den blauen Tiroler Himmel gebrüllt. Die Betreuer des DSV lagen sich in dem Moment in den Armen und auch der am Kreuzband verletzte Felix Neureuther kam als Gast an der Streif aus dem Staunen kaum noch heraus. „Das ist ein denkwürdiger Tag für den deutschen Skisport“, sagte Neureuther. „Ich habe selten so eine Gänsehaut gehabt bei einem Rennen.“

          Bei idealen Bedingungen war Dreßen mit Nummer 19 gestartet und hatte Feuz noch abgefangen. „Ich musste zweimal hinschauen, um das zu glauben“, sagte Dreßen. „Ich hab es gar nicht glauben können. Ich habe gemeint, die wollen mich verarschen.“ Als Dreßen dran war, drang die Sonne erstmals so richtig durch die Wolken. „Wer weiß, vielleicht hat von oben jemand zugeschaut und die Sonne ein bisschen mehr scheinen lassen bei mir“, sagte er und spielte damit auf seinen 2005 tödlich verunglückten Vater an. „Der Dank geht nicht nur nach oben, sondern auch zu meiner Mama.“

          Nach seiner erst zweiten Abfahrt auf der berüchtigten Streif steht Dreßen in der Siegerliste nun neben Namen wie Franz Klammer, Hermann Maier oder Cuche. Der große Norweger Aksel Lund Svindal dagegen gewann die Abfahrt nie, er wurde am Samstag Achter.

          Eine starke Leistung zeigt auch Teamkollege Andreas Sander mit Platz sechs. Dabei lag er bis wenige Sekunden vor dem Ziel auf Podiumskurs, ehe er einen Fehler machte und zurückfiel. „Jetzt überwiegt mehr die Enttäuschung, was sich in den nächsten Tagen sicher ändern wird“, kommentierte Sander nach dem besten Abfahrts-Rang seiner Karriere.

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