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Hintergrund Repoxygen - was ist das?

27.01.2006 ·  Der Arzneiname „Repoxygen“ kommt so konventionell daher, daß man die eigentliche Revolution, die dahintersteckt, kaum vermuten könnte. Tatsächlich aber dürfte es das erste waschechte Gendoping-Präparat auf dem Schwarzmarkt sein.

Von Joachim Müller-Jung
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Der Arzneiname "Repoxygen" kommt für ein pharmakologisches Produkt so konventionell daher, daß man die eigentliche Revolution, die dahintersteckt, kaum vermuten könnte. Tatsächlich aber dürfte es, wenn das Mittel tatsächlich schon für Dopingzwecke verwendet werden sollte, das erste waschechte Gendoping-Präparat auf dem Schwarzmarkt sein.

Ein Mittel freilich, das bisher ausschließlich für Forschungszwecke und nur in Tierexperimenten konsequent getestet worden war. Die Versuchsdaten an Mäusen, von denen die britische Herstellerfirma "Oxford Biomedica" einige schon vor annähernd vier Jahren veröffentlichte, zeigen die eigentliche medizinische Zielsetzung: Blutarme Patienten sollen damit irgendwann therapiert werden. Die meisten dieser Patienten bekommen dazu bisher das in gentechnisch veränderten Bakterien produzierte Hormon Erythropoietin (Epo).

Es enthält die genetische Bauanleitung für Epo

Repoxygen nun könnte die Grundlage für die Epo-Zufuhr durch Gentherapie bilden: Es enthält die genetische Bauanleitung für das Epo und wird von einem verstümmelten Virenerbgut eingerahmt. Dieser "Genvektor" schleust das Epo-Gen in die Zellen ein und regt es dort zur Epo-Produktion an. Seit Ende der neunziger Jahre wird mit unterschiedlichen solcher Genvektoren experimentiert, Oxford Biomedica hat eine Mischung sogenannter Lentiviren - genauer: des Aidsvirus HIV und des Pferdevirus EIAV - patentieren lassen. Sein Vorteil: Das Epo-Genkonstrukt wird direkt in den Muskel gespritzt, der Muskel ersetzt quasi die Niere - und das offenbar so effizient, daß eine einzelne Spritze die blutbildungsfördernde Hormonwirkung tage- oder wochenlang vorhält.

In Mäuseexperimenten angedeutet

Eine besonders bemerkenswerte Eigenschaft des Repoxygens betrifft die Selbstregulation: Offenbar wird das Epo-Gen in den Muskelzellen durch Zufügung eines weiteren Gens immer nur dann aktiviert, wenn - wie beim energiezehrenden Leistungssport - ein Sauerstoffdefizit im Blut auftritt. Die durch die roten Blutkörperchen aufrechterhaltene Sauerstofftransportkapazität läßt sich damit auf einem bestimmten Niveau halten. Die Frage, die sich jetzt für Dopingexperten wie Werner Franke stellt, ist etwa die, ob das System wirklich physiologisch so schnell zu reagieren vermag wie im Mäuseexperiment angedeutet. Und vor allem: "Ob es dann auch beim Menschen funktioniert, wissen wir bisher noch überhaupt nicht."

Gleiches gilt für die Schäden, die ein Mißbrauch des Genprodukts unter Umständen verursacht. Einige Hinweise hat man, daß die künstliche Epo-Produktion im Muskel sogar zu einer überschießenden Immunreaktion und als Folge davon zu einer lebensbedrohlichen Zerstörung der Blutkörperchen führen kann. Daß die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) das Repoxygen in die diesjährige Liste der verbotenen Substanzen aufgenommen hat, ist ein Indiz für die Sorgen der Dopingfahnder.

Quelle: F.A.Z., 28.01.2006, Nr. 24 / Seite 32
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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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