Hertha BSC steckt in der größten Krise seit der Trennung von Jürgen Röber vor sieben Monaten. Durch das 1:2 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach kassierte der Ligapokal-Sieger die erste Heimniederlage seit mehr als einem Jahr und bleibt unter dem neuen Trainer Huub Stevens auch nach dem vierten Anlauf ohne Punktspielsieg.
Im Olympiastadion gab es erste Unmutsäußerungen gegen den Holländer. Viele Hertha-Fans skandierten schon vor der Halbzeitpause den Namen seines Vorgängers Falko Götz und riefen später sogar: „Stevens raus!“
Siegesprämien gestrichen
Enttäuscht zeigte sich auch Hertha-Manager Dieter Hoeneß, der sich jedoch demonstrativ vor Stevens stellte: „Wenn die Mannschaft so gearbeitet hätte wie der Trainer, hätten wir klar gewonnen. Ich bin stinksauer“, schimpfte der 49-Jährige und fügte an: „Die Rufe sind unfair, und sie helfen nicht. Huub Stevens verdient Kredit, zudem ist es schade, dass die Mannschaft noch ein Alibi erhält.“ Stevens selbst sprach von fehlender Unterstützung, meinte damit aber angeblich nur die Spieler untereinander.
Am Tag danach hatte die Leistung der Hertha-Profis erste Konsequenzen. Manager Dieter Hoeneß strich der Mannschaft aus Verärgerung über die erste Heimniederlage seit August vorigen Jahres und den enttäuschenden Saison-Start kurzerhand die Prämie für den Gewinn des Ligapokals. „Die Prämie, die von der Mannschaft ausgehandelt wurde, wird nicht gezahlt. Sie ist komplett gestrichen“, bestätigte Hertha-Pressesprecher Hans-Georg Felder die drastische Maßnahme. Hertha hatte für den Final-Erfolg im Ligapokal über Schalke 04 (4:1) eine Siegprämie von 1,27 Millionen Euro
erhalten.
„So kann es nicht weitergehen“
Die Tore von Markus Münch per Foulelfmeter (9.) und Joris van Hout (58.) bei einem Hertha-Treffer von Michael Preetz (80.) stürzten die Berliner mitten in den sportlichen Ausnahmezustand. „Jetzt haben wir den klassischen Fehlstart. Jetzt haben wir die Situation, die wir unbedingt vermeiden wollten. Ich bin stinksauer. Die Zeit der netten Worte ist vorbei“, erregte sich Manager Dieter Hoeneß. „Vor dem Spiel hat es keine Anzeichen für eine solch kritische Situation gegeben. Es ist mir völlig unverständlich, dass so etwas möglich war.“
„Kein Wille, keine Ideen, keine Chance, so kann es nicht weitergehen“, kommentierte der belgische Nationslspieler Bart Goor. „So eine Leistung reicht nicht, um ein Bundesligaspiel zu gewinnen“, kritisierte Preetz, während Nationalverteidiger Marko Rehmer die Situation nach drei Remis und einer Niederlage in der Meisterschaft sowie dem Pokal-Aus in der ersten Runde „als kurios“ und „unerklärlich“ bezeichnete.
Geschickte Gladbacher
Die Gladbacher machten nach der Führung geschickt die Räume eng und gewannen die Mehrzahl der Zweikämpfe. Dadurch produzierten die Herthaner um den wirkungslosen Regisseur Marcelinho und dem im Angriff unauffälligen Weltmeister Luizao jede Menge Fehlpässe. Allerdings ließen die Gäste bei viel versprechenden Kontersituationen selbst die Genauigkeit vermissen.
Das Team von Trainer Hans Meyer kann am Samstag gegen den VfB Stuttgart schon den dritten Saisonsieg einfahren, obwohl die Experten einen schweren Saisonstart prophezeit hatten. Für Stevens äußerte Meyer Mitgefühl: „Ich weiß, was hier los ist.“ Sein Tätigkeit in der Haupstadt endete 1995, als Meyer beim damaligen Drittligisten Union Berlin vorzeitig seinen Job verlor.