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Happy-End bei der Tour Klöden und der „Hunger auf mehr“

23.07.2006 ·  Der Ertrag bei der Tour erfüllt Andreas Klöden mit Genugtuung: Als Dritter unterstrich er, zum Kreis der Besten zu gehören. Und doch hätte es mehr werden können. Die Enttäuschung darüber hält sich dennoch in Grenzen. „Unser Sponsor kann stolz auf uns sein“, behauptet der Sachse.

Von Rainer Seele, Paris
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Was wäre bloß gewesen ohne jene halbe Stunde von Montelimar? Ohne diese dreißig Minuten, die Oscar Pereiro gewissermaßen geschenkt bekam vom Peloton? Den Spanier damals - in Begleitung von Jens Voigt - ziehen zu lassen war ein Fehler, auf alle Fälle sieht das Andreas Klöden so.

Natürlich erfüllt ihn der Ertrag bei der Tour de France mit Genugtuung: Als Dritter hat er unterstrichen, zum Kreis der Besten zu gehören. Und doch hätte es mehr werden können, wenn Pereiro vor einer Woche nicht ausgebrochen wäre - auch T-Mobile hatte darauf nicht reagiert. Der zweite Platz wäre möglich gewesen, sagte Klöden am Samstag. Diesen Rang hatte er schon einmal belegt bei der Tour, das war im Jahr 2004. Die Enttäuschung darüber, den Spanier nicht mehr abgefangen zu haben, hielt sich dennoch in Grenzen. Unser Sponsor kann stolz auf uns sein", behauptete Klöden.

„Absolut zufrieden“

Nicht nur, daß Klöden einen Platz auf dem Podium in Paris ergatterte, hinter Floyd Landis und Pereiro. T-Mobile, nach den Suspendierungen von Jan Ullrich und Oscar Sevilla lediglich mit sieben Fahrern bei der Tour gestartet, errang immerhin auch drei Etappenerfolge, zwei durch den ukrainischen Zeitfahr-Spezialisten Sergej Gontschar und einen durch den Franken Matthias Kessler. Dazu entschieden die Bonner die Mannschaftswertung für sich - und so sagte auch Teamchef Olaf Ludwig, daß er mit den Darbietungen des Teams "absolut zufrieden" sei.

"Mit Ullrich", behauptete Klöden, "hätten wir die Tour gewonnen." Am Samstag, beim zweiten Zeitfahren über 57 Kilometer von Le Creusot nach Montceau-les-Mines, dokumentierte T-Mobile noch einmal seine Stärke in dieser Disziplin: Erster Gontschar, Zweiter Klöden. Der Mann aus Mittweida, der inzwischen in der Schweiz lebt, überholte damit im Klassement noch den Spanier Carlos Sastre. Klöden, der durch eine Schulterverletzung bei seiner Tour-Vorbereitung beeinträchtigt wurde, kam dies vor wie ein Happy-End. "Ich bin überglücklich mit den ganzen Hintergründen", sagte er, und er meinte damit wohl nicht nur sein Malheur, sondern auch den Fall Ullrich.

Am Sieg geschnuppert

Und offensichtlich bezog Klöden auch neue Motivation aus der Erkenntnis, daß er zumindest am Sieg bei der Tour habe schnuppern können. Er sagte, er könne alle Gegner schlagen, "die hier waren". Für nächstes Jahr kündigt er an: "Ich habe Hunger auf mehr." Daß er dann wieder für T-Mobile in die Pedale treten wird, gilt als wahrscheinlich - auch wenn über eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages noch nicht verhandelt worden ist. Ludwig sagte unlängst, daß er diese Gespräche erst nach der Tour führen wolle; daß Klöden bereits Angebote anderer Teams vorliegen, beunruhigt ihn offenbar nicht.

Vermutlich wird in dieser Angelegenheit noch ein wenig taktiert werden, ehe eine Einigung erzielt wird. Hans Michael Holczer, der Chef des Teams Gerolsteiner, macht sich jedenfalls keine Hoffnungen, Klöden verpflichten zu können. "Ich denke mal, daß es keinen Klöden auf dem Markt geben wird", sagte er. So wird das Team Gerolsteiner vielleicht schon im nächsten Jahr auf den aufstrebenden Profi Markus Fothen setzen. "Er hat es verdient", sagt Holczer. Der Landwirtssohn kam als Fünfzehnter in Paris an, knapp hinter dem amerikanischen Star des Teams, Levi Leipheimer, der den Erwartungen nicht gerecht wurde. Allerdings schmälerte Fothens Freude, daß er das Weiße Trikot für den besten Jungprofi beim Zeitfahren endgültig an Damiano Cunego verlor. Der Italiener trat am Samstag erstaunlich stark auf. Mit dem Weißen Trikot, so Holczer, wäre alles in Butter gewesen, für Fothen, aber auch für das Team. "Es schmerzt, daß es dem Markus Stück für Stück von den Schultern gerissen wurde."

Einer der "Senioren" der Branche, Erik Zabel, hatte ja auch mit einem der begehrten Hemden der Tour, mit der Farbe Grün geliebäugelt - in der Kategorie der Sprinter war der Berliner schließlich aber mit deutlichem Rückstand Zweiter hinter dem Australier Robbie McEwen. Dennoch genoß Zabel, der nach dem Wechsel von T-Mobile zur deutsch-italienischen Gemeinschaft des Teams Milram zur Tour zurückkehren konnte, die Reise durch Frankreich. Trotz aller Fährnisse - für ihn und die Tour generell.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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