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Veröffentlicht: 20.01.2013, 11:19 Uhr

Heiner Brand im Gespräch „Ich will kein Grüß-Onkel sein“

Mit einer furiosen Leistung stürmte die deutsche Handball-Nationalmannschaft in das WM-Achtelfinale gegen Mazedonien (15.45 Uhr). Im F.A.S.-Interview spricht DHB-Sportmanager Heiner Brand über das Nationalteam und seine Zukunft beim Handball-Verband.

© dpa Lieber Gestalter als Grüß-Onkel: Heiner Brand will beim DHB Fachwissen einbringen

Überkommt Sie manchmal das Verlangen, wieder als Trainer zu arbeiten - gerade wenn Sie ein mitreißendes Spiel der deutschen Mannschaft wie gegen Frankreich sehen?

Nein, davon bin ich ganz weit weg. Das war von Anfang so, dass ich die notwendige Distanz hatte. Als ich aufgehört hatte, war das ja kein spontaner Entschluss. Obwohl man das nicht ganz ausschalten kann: Wenn man auf der Tribüne sitzt wie jetzt in Spanien, beobachtet man das Geschehen auch aus Trainer-Gesichtspunkten. Aber es ist nicht so, dass man gefühlsmäßig meint, man müsste unten am Spielfeld sein.

Geben Sie Ihrem Nachfolger Martin Heuberger dann und wann einen Rat?

Ich würde nie hingehen und ihm Tipps geben, schon aus Respekt ihm gegenüber. Es gibt da keinerlei Initiative von meiner Seite aus.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Heuberger, dessen Coaching bei der Weltmeisterschaft kritisiert wurde - bevor Deutschland überraschend als Gruppenerster in das Achtelfinale an diesem Sonntag gegen Mazedonien einzog?

Diese Kritik habe ich als total unpassend angesehen. Ich habe nicht wahrgenommen, dass er hektisch gewesen wäre. Zweifel an ihm und seiner Arbeit sind unberechtigt. Das hat sich zuletzt ja auch deutlich gezeigt.

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Plötzlich war sogar Alfred Gislason als möglicher neuer Bundestrainer im Gespräch - hat Sie das irritiert?

Ich fand das fast charakterlos.

Angeblich soll eine Opposition im deutschen Handball das lanciert haben.

Bei den vielen Strömungen derzeit im deutschen Handball und den vielen Bewerbungen von Menschen, die sich selbst für ein Amt ins Gespräch bringen, den Überblick zu behalten, fällt mir etwas schwer.

Steckt der Deutsche Handballbund (DHB), dessen Präsident Ulrich Strombach im Herbst abtreten wird, in einem Machtkampf?

Das ist total unnötig. Es macht nach außen den Eindruck, als wäre der Verband in einer desaströsen Situation. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Unser Ansehen und unsere Leistungen sind definitiv gut. Und wir sind ja auch unter keinerlei Zeitdruck. Es finden in nächster Zeit auch noch Diskussionen im erweiterten Präsidium statt, welche Strukturen der DHB künftig haben soll. Es ist deshalb unsinnig, jetzt schon über Posten zu reden.

Das Image des Nationalteams - und des deutschen Handballs - ist nach einigen sportlichen Enttäuschungen in der jüngeren Vergangenheit trotzdem verbesserungswürdig. Das Achtelfinale allein dürfte dafür kaum reichen.

Ein Achtelfinale reicht grundsätzlich sicherlich nicht. Der DHB muss generell den dauerhaften Anspruch haben, mit allen Teams in der Spitze mitzuspielen. Man muss oben dabei sein. Dann kommt irgendwann auch wieder ein Titel. Wir haben jetzt allerdings eine Ausnahmesituation mit teilweise jüngeren und international unerfahrenen Spielern. Aber ich glaube, dass wir in Spanien das Viertelfinale durchaus schaffen können.

Bild Brand 1 © dpa Vergrößern Versteht die Kritik an Bundestrainer Heuberger nicht: DHB-Sportmanager Brand

Der Flensburger Holger Glandorf hatte für die WM abgesagt. Mangelt es in der Bundesliga an Unterstützung für das Nationalteam?

Wenn die Liga vernünftig existieren und nicht nur von Mäzenatentum leben will, braucht sie die Nationalmannschaft, so wie wir die Liga brauchen. Ein Großteil der Verantwortlichen in der Liga hat das inzwischen erkannt. Aber auch ein Spieler muss wissen, dass er die Nationalmannschaft braucht. Ein Spieler kann viel Geld in seinem Verein verdienen, wenn er international erfolgreich ist. Dadurch bekommt er einen guten Vertrag. Und ein Verein muss sagen: Du fährst zur Nationalmannschaft. Wenn du bei uns spielen kannst, kannst du auch dort spielen. Man muss auch mal die kurzfristige Denkweise ausschalten können. Sonst kommen wir nicht weiter.

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