Home
http://www.faz.net/-gtl-75v27
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Heiner Brand im Gespräch „Ich will kein Grüß-Onkel sein“

Mit einer furiosen Leistung stürmte die deutsche Handball-Nationalmannschaft in das WM-Achtelfinale gegen Mazedonien (15.45 Uhr). Im F.A.S.-Interview spricht DHB-Sportmanager Heiner Brand über das Nationalteam und seine Zukunft beim Handball-Verband.

© dpa Vergrößern Lieber Gestalter als Grüß-Onkel: Heiner Brand will beim DHB Fachwissen einbringen

Überkommt Sie manchmal das Verlangen, wieder als Trainer zu arbeiten - gerade wenn Sie ein mitreißendes Spiel der deutschen Mannschaft wie gegen Frankreich sehen?

Nein, davon bin ich ganz weit weg. Das war von Anfang so, dass ich die notwendige Distanz hatte. Als ich aufgehört hatte, war das ja kein spontaner Entschluss. Obwohl man das nicht ganz ausschalten kann: Wenn man auf der Tribüne sitzt wie jetzt in Spanien, beobachtet man das Geschehen auch aus Trainer-Gesichtspunkten. Aber es ist nicht so, dass man gefühlsmäßig meint, man müsste unten am Spielfeld sein.

Geben Sie Ihrem Nachfolger Martin Heuberger dann und wann einen Rat?

Ich würde nie hingehen und ihm Tipps geben, schon aus Respekt ihm gegenüber. Es gibt da keinerlei Initiative von meiner Seite aus.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Heuberger, dessen Coaching bei der Weltmeisterschaft kritisiert wurde - bevor Deutschland überraschend als Gruppenerster in das Achtelfinale an diesem Sonntag gegen Mazedonien einzog?

Diese Kritik habe ich als total unpassend angesehen. Ich habe nicht wahrgenommen, dass er hektisch gewesen wäre. Zweifel an ihm und seiner Arbeit sind unberechtigt. Das hat sich zuletzt ja auch deutlich gezeigt.

Mehr zum Thema

Plötzlich war sogar Alfred Gislason als möglicher neuer Bundestrainer im Gespräch - hat Sie das irritiert?

Ich fand das fast charakterlos.

Angeblich soll eine Opposition im deutschen Handball das lanciert haben.

Bei den vielen Strömungen derzeit im deutschen Handball und den vielen Bewerbungen von Menschen, die sich selbst für ein Amt ins Gespräch bringen, den Überblick zu behalten, fällt mir etwas schwer.

Steckt der Deutsche Handballbund (DHB), dessen Präsident Ulrich Strombach im Herbst abtreten wird, in einem Machtkampf?

Das ist total unnötig. Es macht nach außen den Eindruck, als wäre der Verband in einer desaströsen Situation. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Unser Ansehen und unsere Leistungen sind definitiv gut. Und wir sind ja auch unter keinerlei Zeitdruck. Es finden in nächster Zeit auch noch Diskussionen im erweiterten Präsidium statt, welche Strukturen der DHB künftig haben soll. Es ist deshalb unsinnig, jetzt schon über Posten zu reden.

Das Image des Nationalteams - und des deutschen Handballs - ist nach einigen sportlichen Enttäuschungen in der jüngeren Vergangenheit trotzdem verbesserungswürdig. Das Achtelfinale allein dürfte dafür kaum reichen.

Ein Achtelfinale reicht grundsätzlich sicherlich nicht. Der DHB muss generell den dauerhaften Anspruch haben, mit allen Teams in der Spitze mitzuspielen. Man muss oben dabei sein. Dann kommt irgendwann auch wieder ein Titel. Wir haben jetzt allerdings eine Ausnahmesituation mit teilweise jüngeren und international unerfahrenen Spielern. Aber ich glaube, dass wir in Spanien das Viertelfinale durchaus schaffen können.

Bild Brand 1 © dpa Vergrößern Versteht die Kritik an Bundestrainer Heuberger nicht: DHB-Sportmanager Brand

Der Flensburger Holger Glandorf hatte für die WM abgesagt. Mangelt es in der Bundesliga an Unterstützung für das Nationalteam?

Wenn die Liga vernünftig existieren und nicht nur von Mäzenatentum leben will, braucht sie die Nationalmannschaft, so wie wir die Liga brauchen. Ein Großteil der Verantwortlichen in der Liga hat das inzwischen erkannt. Aber auch ein Spieler muss wissen, dass er die Nationalmannschaft braucht. Ein Spieler kann viel Geld in seinem Verein verdienen, wenn er international erfolgreich ist. Dadurch bekommt er einen guten Vertrag. Und ein Verein muss sagen: Du fährst zur Nationalmannschaft. Wenn du bei uns spielen kannst, kannst du auch dort spielen. Man muss auch mal die kurzfristige Denkweise ausschalten können. Sonst kommen wir nicht weiter.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Uwe Gensheimer Tore wie am Fließband reichen nicht immer

Uwe Gensheimer ist Kapitän, Linksaußen und das Gesicht der Rhein-Neckar Löwen. Im Kampf um den Titel in der Handball-Bundesliga soll er im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Kiel der Trumpf sein. Doch was passiert, wenn es wieder Platz zwei wird? Mehr Von Thassilo von Bierbrauer

08.04.2015, 18:14 Uhr | Sport
Champions League in Ukraine Mulmiges Gefühl beim FC Bayern

Zwischen Sport, Politik und viel Mitgefühl: Bayern München muss auf seiner kurzen Abenteuerreise in die Ukraine mit dem Spiel in Lemberg gegen Schachtjor Donezk (20.45 Uhr) einen außergewöhnlichen Spagat bewältigen. Mehr

17.02.2015, 12:33 Uhr | Sport
DFB-Pokal-Viertelfinale Die letzte Hoffnung des BVB

In der Bundesliga Mittelmaß, in der Champions League gescheitert – der DFB-Pokal ist die letzte Dortmunder Hoffnung. Vor dem Viertelfinale gegen Hoffenheim (20.30 Uhr) ist das Ziel des BVB aber nicht nur das Finale in Berlin. Mehr

07.04.2015, 12:26 Uhr | Sport
Großbritannien Das erste Fußballspiel der Welt: Ein Ball, alle wollen ihn haben

In Großbritannien hat es ein sehr alter Sport geschafft, noch heute Menschen zu begeistern: Beim Shrovetide gibt es nur einen Ball und hunderte Spieler auf einem Haufen - Chaos pur. Die Ursprünge des Sports reichen vermutlich bis ins Mittelalter zurück. Heute lockt das ruppige Spiel zahlreiche Schaulustige und Mitspieler an. Mehr

23.02.2015, 10:13 Uhr | Sport
Marco Koch im Gespräch Brustschwimmer sind ein wenig anders

Er ist Weltmeisterschaftszweiter und Europameister über 200 Meter Brust und Deutschlands bester Schwimmer. Der Darmstädter Marco Koch startet am Wochenende bei der deutschen Meisterschaft – und kann es dabei locker angehen lassen. Mehr Von Laura Schmitt

10.04.2015, 15:26 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.01.2013, 11:19 Uhr

Ohne Plan, ohne Führung

Von Christian Eichler, München

Der FC Bayern München macht es sich selbst manchmal schwerer als seinen Gegnern. Der Umgang mit den Problemen dieser Tage zeigt: Dem Klub fehlt, etwas, was nicht mit Geld auf dem Transfermarkt zu kaufen ist. Mehr