http://www.faz.net/-gtl-75upz

Handball-WM : Deutscher Coup gegen Frankreich

  • Aktualisiert am

Deutsche Kraftanstrengung: Dominik Klein freut sich Bild: AP

Im letzten Vorrundenspiel bei der Handball-WM düpiert Deutschland Frankreich. Die DHB-Auswahl besiegt den Weltmeister mit 32:30 und zieht als Gruppenerster ins Achtelfinale ein. Dort wartet Mazedonien.

          Erst gab es ein kollektives Tänzchen auf der Spielfläche, dann klopfte Heiner Brand den deutschen Spielern anerkennend auf die Schultern. Außenseiter Deutschland ist mit einer Handball-Gala gegen Frankreich als Gruppensieger in die K.o.-Phase der WM in Spanien gestürmt. Zum Abschluss der Vorrunde entzauberte der EM-Siebte am Freitag in Barcelona den Titelverteidiger mit 32:30 (16:16) und feierte sich für einen glanzvollen Auftritt.

          Durch den Überraschungssieg sicherte sich die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) Platz eins in der Gruppe A. Im Achtelfinale trifft das Team von Trainer Martin Heuberger am Sonntag in Barcelona auf Mazedonien, den Vierten der Gruppe B.

          „Das war für uns ein weiterer Sieg in diesem Turnier, der für uns sehr schön ist, denn er war nicht unbedingt kalkulierbar. Deshalb freuen wir uns besonders, dass wir den Weltmeister und Olympiasieger geschlagen haben. Aber es war nur ein Sieg, und wir wollen am Sonntag erneut fighten und ins Viertelfinale einziehen“, sagte der sichtlich stolze Bundestrainer.

          Und DHB-Sportmanager Brand lobte: „Sensationelle Mannschaft. Ein Sieg, der hochverdient war. Die Mannschaft war klar besser als die Franzosen. Dazu kann man nur gratulieren, was Mannschaft und Trainer geleistet haben.“

          Das Team von Bundestrainer Martin Heuberger kommt immer besser in Schwung
          Das Team von Bundestrainer Martin Heuberger kommt immer besser in Schwung : Bild: AP

          Rund 11.500 Zuschauer feierten beide Mannschaften für ein hochklassiges Spiel. Zwei Tage nach dem vorzeitigen Achtelfinal-Einzug durch das 29:21 gegen Montenegro präsentierte sich der Weltmeister von 2007 weiter verbessert. Patrick Groetzki war bester Schütze im DHB-Team mit sechs Treffern.

          Vor dem Frankreich-Spiel hatte Bundestrainer Martin Heuberger seine Schützlinge mit einem besonderen Bonbon erfreut. Statt Spielszenen führte er ein Video aus der Heimat vor, das Freunde und Verwandte der Spieler heimlich gedreht hatten. Jenny, Frau von Rückraumspieler Adrian Pfahl, wünschte ebenso viel Glück und Erfolg wie der verletzt zu Hause gebliebene Linksaußen Uwe Gensheimer.

          Sechs Hände für Deutschland: Patrick Groetzki
          Sechs Hände für Deutschland: Patrick Groetzki : Bild: dpa

          Derart aufgemuntert stürzten sich die Spieler um Kapitän Oliver Roggisch in das vermeintlich ungleiche Duell mit dem Olympiasieger und Titelverteidiger. Während die deutschen Akteure in der Addition auf 1134 Länderspiele kamen, traten ihnen die Franzosen mit der Erfahrung aus 2331 Einsätzen gegenüber. Die Statistik aber spiegelte sich im Spiel nicht wider. Auf dem olympischen Parkett von 1992 schienen dem Außenseiter Flügel zu wachsen.

          Mutig und hochmotiviert agierte der EM-Siebte im Angriff und in der Abwehr. Nach der 5:4-Führung (7.) geriet die DHB-Auswahl zwar mit 5:8 (10.) ins Hintertreffen. Doch davon ließ sie sich ebenso wenig beeindrucken wie von zwei frühen Zeitstrafen für Abwehrchef Roggisch oder einer doppelten Unterzahl. Vielmehr überzeugte Heubergers Team spielerisch. Spielmacher Michael Haaß sorgte mit seinen Nebenleuten für flüssige Kombinationen, mit denen sie ein ums andere Mal die Defensive der Franzosen aushebelten.

          Da bleibt nur noch ein Griff ans Trikot
          Da bleibt nur noch ein Griff ans Trikot : Bild: AFP

          In der Begegnung auf Augenhöhe wechselten eine deutsche 11:9-Führung (17.) mit einem 11:13-Rückstand (22.). Und auch ein 14:16 (28.) machte der WM-Elfte trotz fünf Toren von Rückraum-Star Nikola Karabatic bis zum 16:16 zur Pause wieder wett. Der individuellen Klasse der Franzosen um Welthandballer Daniel Narcisse setzte die deutsche Mannschaft Kampfgeist, Entschlossenheit und Teamgeist entgegen.

          Mit drei schnellen Toren nach Wiederanpfiff setzte sich die DHB-Auswahl auf 19:16 (33.) ab. Beim 21:21 (38.) war der Gleichstand wieder hergestellt. Als dann aber Martin Strobel mit einem Gewaltwurf zum 26:22 (45.) traf, herrschte ungläubiges Staunen im Rund des Palau Sant Jordi. Mit einer Umstellung in der Abwehr brachte Frankreich die Deutschen zwar kurz aus dem Konzept, konnte die Partie aber nicht mehr drehen.

          Frankreich - Deutschland 30:32 (16:16)

          Frankreich: Karaboue, Omeyer - Fernandez, Dinart, Barachet 2, Narcisse 2, Honrubia 3/1, Karabatic 8, N’Guessan, Accambray 2, Abalo 6/3, Sorhaindo 1, Guigou 4/3, Bosquet 2, Detrez, Porte
          Deutschland: Heinevetter (Füchse Berlin), Lichtlein (TBV Lemgo) - Kneer (SC Magdeburg) 1, Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Wiencek (THW Kiel) 2, Reichmann (HSG Wetzlar), Schmidt (HSG Wetzlar) 4/2, Fäth (HSG Wetzlar) 3, Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten) 1, Groetzki (Rhein-Neckar Löwen) 6, Weinhold (SG Flensburg-Handewitt) 4, Strobel (TBV Lemgo) 2, Haaß (Frisch Auf Göppingen) 3, Pfahl (VfL Gummersbach), Klein (THW Kiel) 3, Christophersen (Füchse Berlin) 3
          Schiedsrichter: Garcia/Marin (Spanien)
          Zuschauer: 11.500
          Strafminuten: 8 / 14
          Disqualifikation: - / -

          Quelle: FAZ.NET/dpa

          Weitere Themen

          Barcelona festigt Tabellenführung Video-Seite öffnen

          Spanische Liga : Barcelona festigt Tabellenführung

          Vier Tage vor dem Spiel gegen Juventus Turin in der Champions League festigt der FC Barcelona seinen Spitzenplatz. Bei einem souveränen 3:0-Erfolg bei Leganes war nicht nur Suarez erfolgreich.

          Auf gut Deutsch Video-Seite öffnen

          Uhren : Auf gut Deutsch

          Es müssen nicht immer Schweizer Uhren sein. 15 Beispiele für Zeitmesser Made in Germany.

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Lindner: Wir fühlten uns gedemütigt

          Im Interview mit der F.A.Z. spricht der FDP-Vorsitzende über die Gründe für den Ausstieg aus den Jamaika-Sondierungen. Vor allem einer Partei wirft Christian Lindner fehlende Kompromissbereitschaft vor.
          Keine Zeit für Grokodilstränen: Sigmar Gabriel und Martin Schulz am Dienstag im Bundestag

          SPD nach Jamaika-Aus : Einmal Opposition und zurück

          Nach dem Paukenschlag wird in der SPD noch einmal neu nachgedacht. Es gelte, Neuwahlen zu vermeiden – heißt es hinter vorgehaltener Hand. Behutsam müsse man die Partei auf eine Regierungsbeteiligung vorbereiten. Nur wie?
          Heute ein seltenes Phänomen: Steiger in Deutschland.

          Letztes Bergwerk im Ruhrgebiet : Schicht im Schacht

          Auf Prosper-Haniel, der letzten Zeche im Ruhrgebiet, bereiten sich die Arbeiter auf die Schließung vor. Von 2700 Mitarbeitern werden viele in den Vorruhestand gehen, andere sich neue Jobs suchen. Die Pumpen unter Tage aber müssen weiterlaufen – für immer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.