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Handball-WM Der Präsident bittet zum Totentanz

Spanien übernimmt sich mit der Ausrichtung der Handball-Weltmeisterschaft. Weltverbandspräsident Hassan Moustafa ist dennoch bester Stimmung.

© dpa Zeichen der Krise: Das WM-Eröffnungsspiel zwischen Spanien und Algerien wollten nur 8000 Zuschauer sehen

Alles großartig, sagt Hassan Moustafa. Die Finanzkrise in Spanien, versichert der Präsident der Internationalen Handball-Föderation (IHF), betreffe ja nicht das derzeit stattfindende 23. Welt-Championat. Dies sei sein Eindruck nach vielen Gesprächen mit den Sportfunktionären auf der iberischen Halbinsel. „In diesen Sitzungen wurde vollkommen klar, dass die Krise keine Auswirkungen auf die WM hat“, sagt der 67 Jahre alte Ägypter.

Diese Meinung vertritt Moustafa exklusiv. Sollte sich die WM zu einem Fest entwickeln, weil Gastgeber Spanien sportlich weit vorstößt, hätte dies doch den Charakter eines Totentanzes. Als das Land 2010 den Zuschlag für die erste WM auf spanischem Boden erhielt, war die Hoffnung groß. Damals glaubten die Verantwortlichen, genügend Sponsoren akquirieren zu können. Inzwischen überwiegt Enttäuschung. „Diese WM kommt zu einem Zeitpunkt, der ungünstiger nicht sein kann“, sagt Talant Duschebajew, Trainer des Champions-League-Teilnehmers Atlético Madrid. „Die Lage im spanischen Handball ist dramatisch. Und ich habe wenig Hoffnung, dass es bald besser wird.“

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Das Organisationskomitee (OK) hatte von Beginn an mit enormen Problemen zu kämpfen. Standorte wie León oder Valladolid zogen zurück, weil ihnen die Unterstützung der Region und der Kommune fehlte. Einen finanzkräftigen Sponsor hat das OK bis heute nicht gefunden. Jetzt muss die öffentliche Hand die Veranstaltung finanzieren. Es wird ein sattes Minus erwartet. Höhepunkt der prekären Situation war das Drama in der Madrid Arena, die als Spielort für die spanische Vorrundengruppe vorgesehen war. Dort ereignete sich vergangenen November eine Massenpanik mit vier Todesopfern, aus Sicherheitsgründen musste eine neue Arena her.

Nun tritt der Gastgeber in der Caja Mágica (Zauberkiste) auf, ursprünglich eine Tennisarena. Dass der Kartenverkauf für die 12.500 Zuschauer fassende Halle erst einen Monat vor dem Start begann, wirkt sich offensichtlich negativ aus. Beim Eröffnungsspiel zwischen Spanien und Algerien blieben viele Plätze frei, laut der Zeitung „El País“ sahen nur rund 8000 Zuschauer zu.

Auch die Liga ist in der Krise

Auch die spanische Liga Asobal kämpft mit enormen Problemen. „Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Keine Konjunktur in Sachen Sponsoren, keine Konjunktur in Sachen Medien und damit einhergehendes nachlassendes Interesse in der Bevölkerung“, sagte Iker Romero, spanischer Profi in Diensten der Füchse Berlin, der „Handballwoche“. „Das Niveau in der höchsten Spielklasse sinkt, weil gute Spieler das Land verlassen.“ Er selbst steht als Beispiel für diese Entwicklung, wie auch die Brüder Gardiola, die inzwischen bei den Rhein-Neckar Löwen ihr Geld verdienen.

Die Etat-Zahlen spanischer Erstligaklubs belegen, dass die Asobal, die lange auf Augenhöhe mit der Bundesliga stand, finanziell längst nicht mehr mithalten kann. Während die Etats aller Bundesligavereine zusammen bei gut 75 Millionen Euro liegen, geben die spanischen Klubs weniger als 25 Millionen Euro aus - offiziell. Viele spanische Klubs verfügen, wie es heißt, über schwarze Kassen. Aktuell sind nur zwei Vereine in der Lage, den deutschen Spitzenteams das Wasser zu reichen: der FC Barcelona (Etat: rund acht Millionen Euro), mit acht Champions-League-Titeln erfolgreichster Klub der Handball-Geschichte, und Atlético Madrid (circa 3,5 Millionen).

Es droht eine deutsche Monokultur

Traditionsklubs wie Ademar León sind seit Jahren von der Zahlungsunfähigkeit bedroht. BM Granollers droht nach dieser Saison das endgültige Aus. Deutsche Funktionäre befürchten, dass aufgrund fehlender Konkurrenz eine deutsche Monokultur im europäischen Klub-Handball bevorsteht: „Wir müssen Modelle finden, dass sich der Spitzenhandball nicht nur in Deutschland finanzieren lässt. Das ist eine große Aufgabe“, sagt Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL).

Die aktuelle Lage des spanischen Handballs ist prekär. Auch deshalb hat niemand Verständnis dafür, dass der WM-Rechteinhaber Ufa Sports von spanischen Radio-Sendern 1000 Euro Lizenzgebühren pro Spiel und 5000 Euro für ISDN-Leitungen verlangt. Diese Preise seien „unvernünftig und exorbitant“, kritisiert der bekannte Handball-Blogger Luis Malvar. Aber auch das dürfte Moustafa, dem IHF-Präsidenten, noch nicht zu Ohren gekommen sein.

Quelle: F.A.Z.

 
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