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Handball-Nationalspieler Fäth : In der Ruhe liegt die Kraft

Der deutsche Nationalspieler Steffen Fäth im WM-Spiel gegen Belarus (Weißrussland).l Bild: dpa

„Unauffällig gut“: Steffen Fäth, der stille Anführer des Handball-Nationalteams, trägt einen entscheidenden Anteil am bisherigen Erfolg – und ist bereit für den Stresstest.

          Er ist keiner, mit dessen Bart sich die Öffentlichkeit gelegentlich beschäftigen würde, wie das bei dem Torhüter Andreas Wolff der Fall ist. Keiner, der für Talkshows interessant wäre, auf den sich Kameras oder Mikrofone fokussieren würden. Einer unter dem Radar sozusagen, einer der Stillen im deutschen Handball.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Und doch jemand, der Gold wert ist für die Mannschaft, die ausgezogen ist, nun wieder eine Medaille zu ergattern. Steffen Fäth, 26 Jahre alt, ist ein Anführer des Nationalteams, ein Mann, der beträchtlichen Anteil daran hat, dass Deutschland schon das Achtelfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich erreicht hat und an diesem Freitag (17.45 Uhr / Live im Handball-WM-Ticker bei FAZ.NET) in Rouen um Platz eins in seiner Vorrundengruppe gegen Kroatien kämpft.

          Ein Stresstest für Fäth und seine Kollegen, die Kraft aus diesem Duell schöpfen wollen für den Sonntag, wenn es für sie erstmals um alles oder nichts gehen wird bei diesem Turnier. In Paris oder Montpellier, das hängt vom Resultat am Freitag ab. Ein Unentschieden würde gegen die Kroaten bereits genügen, dann könnten die Deutschen am Samstag als Erste entspannt die kurze Reise nach Paris antreten.

          Der „endgültige Feinschliff“

          Fäth, dessen Einsatzgebiet der linke Rückraum oder die Mittelposition ist, erwartet eine „sehr körperbetonte“ Auseinandersetzung am Freitag. Die Deutschen haben dafür - und für die folgenden Herausforderungen - personell noch einmal nachgelegt. Nicht nur, dass am Donnerstag der Flensburger Routinier Holger Glandorf, ein Linkshänder, zum deutschen Tross in Rouen stieß.

          Bundestrainer Dagur Sigurdsson holte mit dem Abwehrstrategen Hendrik Pekeler von den Rhein-Neckar Löwen einen weiteren Nachrücker. Dafür musste Linksaußen Rune Dahmke das Team verlassen; ein bitterer Moment für den Kieler. Pekeler hatte sich zuletzt eine kleine Auszeit vom Handball genommen, eine schöpferische Pause eingelegt.

          Jetzt soll der Kreisläufer helfen, die Verteidigung zu stabilisieren. Sigurdsson erwartet sich davon den „endgültigen Feinschliff“ für sein Team. Er habe, sagte der Isländer zu dieser Personalie, einfach den Joker gezogen. Die Debatten im deutschen Lager kreisten am Donnerstagmittag vornehmlich um Glandorf und Pekeler, und auch Fäth sagte: „Wir freuen uns sehr, dass die beiden kommen.“

          „Er ist immer da, aber du merkst es gar nicht“

          Er selbst hielt sich eher im Hintergrund, wie immer, obwohl er doch tags zuvor wesentlich dazu beigetragen hatte, dass Weißrussland nach holprigem Beginn deutlich bezwungen wurde. Mit sechs Toren von Fäth, einer hundertprozentigen Trefferquote. Mit seiner Spielübersicht, mit seiner Fähigkeit, andere in Szene zu setzen.

          Er sei ein bedeutender Faktor im Team, betonte Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes und Manager der Berliner Füchse, bei denen Fäth unter Vertrag steht. „Er macht unaufgeregt seinen Job, er ist unauffällig gut.“ Und als wäre Fäth eine Art Phantom, sagte Hanning auch: „Er ist immer da, aber du merkst es gar nicht.“ Fäth, einer der Europameister von Polen, wurde am Donnerstag gefragt, ob er ein unterkühlter Mensch sei, einer nahezu ohne Emotionen.

          Er sei halt introvertiert, entgegnete Fäth, „das ist mein Naturell. Das werde ich nicht ändern.“ Er fühlt sich wohl in dieser Nische, er sagte: „Ich brauche es nicht, dass man großartig über mich redet.“ Fäth scheint es zu genügen, sich auf dem Handballfeld zu offenbaren, als Teamplayer in erster Linie. Und er ist durchaus in der Lage, dabei mit klaren Worten die Richtung vorzugeben. „Man muss auch mal lauter werden. Das fällt mir nicht schwer.“

          Eine Menge gelernt

          Fäth, der aus Frankfurt stammt, hat schon einige Stationen im Handball hinter sich, und spätestens im Sommer 2018 wird er sich wieder verändern. Er wird dann Berlin verlassen und zu den Rhein-Neckar Löwen wechseln, deren Trikot er schon einmal getragen hatte. Fäth spricht von persönlichen Gründen, „mit der Stadt Berlin hat das überhaupt nichts zu tun“. Außerdem erlebt Fäth bei den Füchsen gerade einen Aufschwung unter dem neuen Coach Velimir Petkovic. „Ich habe ein besseres Gefühl, seit er da ist.“ Und Schritt für Schritt, sagte Fäth, sei es mit seiner Leistung bergauf gegangen.

          Vielleicht auch, weil Sigurdsson „ein paar individuelle Sachen“ mit ihm unternommen habe, zum Beispiel Wurftraining. Es sei extrem wichtig für ihn, sagte Fäth, das Vertrauen des Trainers zu spüren. Oder das eines Mentors wie Ivano Balic. Der ehemalige kroatische Handballstar hatte sich einst bei der HSG Wetzlar um die Entwicklung seines aufstrebenden Mitstreiters Fäth gekümmert.

          Die beiden stehen immer noch in Kontakt. Auch in diesen Tagen, da Balic, inzwischen Koordinator des kroatischen Männerhandballs, ebenfalls in Rouen anwesend ist. Und an diesem Freitag, bei einer besonderen Begegnung, womöglich wieder einmal erkennen wird, dass Fäth eine Menge gelernt hat von einer schillernden Figur des Handballs. Ohne seine Identität zu verlieren.

          Quelle: F.A.Z.

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