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Handball-WM : Deutschland geht gestärkt in die Endspiele

Vierter Sieg: Deutschland besiegt mit Steffen Fäth Weißrussland Bild: dpa

Weißrussland ist eine Halbzeit lang gleichwertig: Dann findet Deutschland aber zur Dominanz eines Mitfavoriten der Handball-WM – und offenbart gleichzeitig einige Schwächen.

          Es dauerte noch nicht einmal 40 Sekunden, dann war eine besondere Marke in der Geschichte des deutschen Handballs erreicht. Rechtsaußen Patrick Groetzki nahm Maß im Duell mit Weißrussland und erzielte das erste deutsche Tor am Mittwoch in Rouen - und damit den 4000. Treffer eines deutschen Handball-Nationalteams bei einer Weltmeisterschaft seit 1938.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Ein besonderer Moment also, allerdings blieb im Hochgeschwindigkeitssport Handball keine Zeit, sich damit aufzuhalten. Den Deutschen war ohnehin viel wichtiger, ihren vierten Sieg bei der Handball-Weltmeisterschaft in Frankreich zu erlangen, was mit dem 31:25 auch gelang.

          Das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson kämpft damit an diesem Freitag gegen Kroatien um Platz eins in seiner Vorrundengruppe. Und um die Aussicht, im Achtelfinale am Sonntag einen vermeintlich nicht allzu schweren Gegner zu erwischen. „Jetzt kommen diese Endspiele“, sagte Sigurdsson am Mittwoch.

          Wahrscheinlich wird am Freitag schon ein Neuer mitmischen: An diesem Donnerstag soll Holger Glandorf in Rouen eintreffen, der kurz vor der WM, etwas mehr als zwei Jahre nach seinem Rücktritt, ein überzeugendes Comeback im Nationalteam gegeben hatte. Der Flensburger wurde von Sigurdsson danach als „Notnagel“ bezeichnet; allerdings hatte sich da schon angedeutet, dass Glandorf tatsächlich seine Chance in Frankreich bekommen würde.

          Der nachnominierte Routinier, dem Sigurdsson ein komplettes Turnier nicht hatte zumuten wollen, soll für Entlastung im rechten Rückraum sorgen, dort war Kai Häfner zuletzt der einzige Linkshänder. Die Deutschen waren damit bislang gut zurechtgekommen, bei steigenden Anforderungen ist ein Mann wie Weltmeister Glandorf jedoch hochwillkommen. „Ich freue mich auf die Spiele und werde Vollgas geben“, ließ der 33 Jahre alte Flensburger am Mittwoch wissen. „Ich bin guten Mutes, dass ich es noch schaffe, und hoffe, der Mannschaft helfen zu können. Aber ich bin sicher nicht der Heilsbringer.“

          Es würde schon reichen, wenn Glandorf in Frankreich in stabiler Form auftreten und dem Team mit seiner Erfahrung Halt geben würde. Am Mittwoch hatten die Deutschen, die gegen Chile und Saudi-Arabien nicht gefordert waren, teilweise erhebliche Mühe mit den Weißrussen. Auch weil sie in der Verteidigung nachlässig agierten.

          Sturmlauf durch die Vorrunde: Patrick Groetzki und das deutsche Team gewinnen auch das vierte Spiel Bilderstrecke
          Sturmlauf durch die Vorrunde: Patrick Groetzki und das deutsche Team gewinnen auch das vierte Spiel :

          Mit der Folge, dass der glücklose Torwart Andreas Wolff nach knapp 25 Minuten durch Silvio Heinevetter ersetzt wurde. „Da hat viel gefehlt“, sagte Häfner zu den Schwächen in der Defensive, „keiner hat sich bewegt.“ Sigurdsson machte einen Mangel an Einsatz und Emotionen aus. „Wir waren immer einen Schritt zu langsam.“ Und er stellte eine gewisse Ratlosigkeit bei seinen Spielern fest. So habe jeder sich gefragt, wer oder was den Aufbruch herbeiführen könnte. „Woher kommt das Signal? Es kam nicht.“

          Zumindest nicht in den ersten 30 Minuten, dann aber rafften sich die Deutschen endlich auf und gingen zudem nicht mehr so fahrlässig wie zuvor mit ihren Tormöglichkeiten um. Kapitän Uwe Gensheimer gelangen acht Treffer, er war der beste deutsche Schütze. Und bei Sigurdsson wuchs letztlich wieder die Zuversicht, gerüstet zu sein für die nächsten harten Prüfungen. „Wir können das ganz gut meistern.“

          Mit dem Recken Glandorf, von dem der isländische Bundestrainer sich wünscht, dass er für eine bessere Balance im Team sorgt und den Jungen als Orientierung dient. Das klingt nach reichlich Arbeit und Verantwortung für den namhaften Nachrücker.

          Quelle: FAZ.NET

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