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Handball-Kommentar : Wundertüte Wetzlar

Der Wetzlarer Handballer Steffen Fäth spielt für die deutsche Nationalmannschaft gegen Schweden am 5. Januar. Bild: dpa

Die HSG Wetzlar steht auf Platz 9 der Handball-Bundesliga. Bei der Weltmeisterschaft stellt sie freilich das größte Kontingent an deutschen Spielern. Im Fußball wäre das undenkbar.

          Alle Achtung, die Provinz macht mobil, jedenfalls im Handball. Ein Phänomen seit Wochen und Monaten schon in der Bundesliga, auffällig jetzt auch in der Nationalmannschaft. Aus Wetzlar in die Welt? Das ist ohne weiteres möglich, wie das Aufgebot des Handball-Bundestrainers für das bevorstehende spanische Intermezzo beweist. Und mehr noch: Die HSG Wetzlar kann sich plötzlich sogar als HSG Deutschland verstehen, ein bisschen wenigstens. Weil Kommandeur Martin Heuberger gleich drei Wetzlarer in Marsch gesetzt hat. Mit klarer Dienstanweisung, bindend natürlich auch für alle Spieler, die nicht aus Mittelhessen stammen: einer gebeutelten Handball-Nation wieder ein wenig Glanz zu verleihen.

          Eigenartige Fügung: Die Wetzlarer sind Tabellenneunte der Liga, und doch stellen sie jetzt bei der Weltmeisterschaft das größte Kontingent an deutschen Spielern. Vor den Rhein-Neckar Löwen, den Kielern, den Flensburgern oder Berlinern, den großen vier der Bundesliga also. Eine Konstellation, die im Fußball undenkbar wäre. Mehr Freiburger beispielsweise oder Mainzer in der Nationalelf als Münchner oder Dortmunder? Nichts da! Die Verhältnisse sind, weitgehend zumindest, zementiert im Fußball.

          Ein neues Maß an Frische

          Handball ist anders, Handball ist offener. So scheint es wenigstens mit Blick auf das Team für Spanien, auf die Nominierung vor allem der Wetzlarer Steffen Fäth, Tobias Reichmann und Kevin Schmidt. Heuberger, der Nachwuchsförderer, kennt sie seit längerem schon, er schätzt sie natürlich, er weiß um ihr Talent. Und hätte vermutlich doch auf den einen oder anderen von ihnen verzichtet, wenn er nicht durch Absagen gestandener Kräfte in eine Notlage geraten wäre. Oder wenn Klubs wie der THW Kiel oder die Füchse Berlin, gestählt durch europäische Herausforderungen, über ein größeres Reservoir an deutschen (Stamm-) Spielern verfügten - und Heuberger damit mehr Auswahlmöglichen böten. Das ist, seit langem schon, ein Dilemma des deutschen Handballs.

          Fäth und Co. mag es an internationaler Erfahrung mangeln, sie haben trotz allem ihre Chance verdient. Handball-Deutschland hat jetzt die Gelegenheit, sie wirklich kennenzulernen. Und erlebt dadurch vielleicht tatsächlich ein neues Maß an Frische und an Unbekümmertheit. Damit wäre schon einiges gewonnen bei einem Turnier, das nach der Vorrunde direkt K.-o.-Spiele bereithält. Deutschland im Achtelfinale - das ist eigentlich Pflicht. Weitere Prognosen? Kaum zulässig, vorerst. Aber es wird sich ja bald schon zeigen, was in der deutschen Wundertüte steckt. Und in der aus Wetzlar.

          Quelle: F.A.Z.

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