http://www.faz.net/-gtl-75pt4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 14.01.2013, 10:09 Uhr

Handball-Kommentar Die Nachfolge moderieren

Mit neuem Personal in der Führungsebene könnten Verkrustungen zwischen Verband und Liga aufgebrochen werden. Doch auch das Team auf dem Handball-Feld muss dringend Imagepflege betreiben.

von
© picture alliance / dpa Worte als Waffen: DHB-Präsident Ulrich Strombach

Ulrich Strombach weiß Worte wie Waffen einzusetzen, als Rechtsanwalt hat der Gummersbacher darin große Übung. Er versteht sich auch darauf, sein Wirken für den deutschen Handball leuchtend zu beschreiben. Natürlich ist in seiner Ägide als Handball-Präsident Bleibendes geschaffen worden. Vor allem durch die Nationalmannschaft, mit dem Coup von 2007 als Höhepunkt, als sie den Gipfel im Welthandball erklomm. Strombach verweist auch gerne darauf, solide gewirtschaftet zu haben; es gibt tatsächlich keinen Anlass, dem Deutschen Handball-Bund (DHB) finanzielle Nöte nachzusagen.

Rainer Seele Folgen:

Dass Strombach, fast 70 Jahre alt, im kommenden Herbst den Weg frei macht für eine jüngere Führungskraft, wird dem DHB trotzdem guttun. Und ebenso erscheint es notwendig, frische Strukturen einzuführen, um den Verband für die Moderne zu wappnen. Vielleicht hätte dies, trotz aller Verdienste Strombachs, schon früher geschehen sollen. So wie die jetzt vom früheren Bundestrainer Heiner Brand maßgeblich begleitete Eliteförderung schon vor einiger Zeit hätte angeschoben werden sollen. Nicht, dass es dem Handball in Deutschland an Talenten mangelte. Er verfügt zumindest bisher noch, ohne dass man sich damit zufriedengeben sollte, über ein beträchtliches Reservoir an vielversprechendem Nachwuchs. Allerdings stießen diese Spieler immer wieder an Grenzen: Der Zugang zur Bundesliga blieb ihnen häufig verwehrt, weil vor allem die führenden Vereine sich mehr Erfolg durch erfahrenere ausländische Kräfte versprachen.

Mehr zum Thema

Brand und der DHB werden ohne die Unterstützung der Liga kaum vorankommen in ihren Bestrebungen, der Jugend eine Chance erster Klasse zu eröffnen. Und damit auch dem Bundestrainer die Möglichkeit zu geben, eines Tages über einen größeren Kreis an Kandidaten für das Nationalteam zu verfügen. Martin Heuberger präsentiert nun wenigstens in Spanien mehrere frische Gesichter, nicht zuletzt dank des Aufbauwerks eines kleineren Klubs wie der HSG Wetzlar.

Ob von Größen wie dem THW Kiel eine größere Hilfe als bisher zu erwarten sein wird, ist jedoch fraglich. Zwar wird der Franzose Daniel Narcisse die Norddeutschen verlassen, allerdings sind die Kieler bereits wieder in der Fremde fündig geworden - sie verpflichteten den Tunesier Wael Jallouz.

Heuberger muss Imagepflege betreiben

Mit neuem Personal beim DHB könnten immerhin Verkrustungen in der Beziehung zwischen Verband und Liga weiter aufgebrochen werden. In der Kommunikation zwischen den Trainern scheint es jedenfalls durch die Ablösung Brands durch Heuberger bereits Fortschritte gegeben zu haben. Der Schutterwälder ist mit einer schweren Hypothek angetreten; die Enttäuschungen bei den zurückliegenden Turnieren in Österreich und Schweden und auch die olympische Ausgrenzung brachten den deutschen Handball ins Wanken.

Heuberger muss mit seinem Team dringend Imagepflege betreiben. Er steht vor einem sehr heiklen Unterfangen, erst recht nach dem Geschehen vom Sonntag. Und hätte es verdient, seine schwierige Aufgabe ohne Störmanöver von außerhalb anpacken zu können. Auch die Diskussionen darüber, wer künftig für welchen Posten im DHB in Betracht kommen könnte, sollten mit Bedacht geführt werden - und in Spanien nicht zu einer zusätzlichen Belastung für den Bundestrainer und sein Gefolge werden durch kontroverse Auseinandersetzungen. Strombach könnte sich in dieser Sache noch einmal starkmachen, könnte vermitteln, möglicherweise beschwichtigen. Er kennt sich schließlich aus mit rhetorischen Kniffen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Quidditch-WM in Deutschland Harry Potters Besen erobert den Sport

Was bei Harry Potter als Phantasie begann, ist nicht nur an amerikanischen Unis zur Realität geworden. Quidditch ist zu einem ernsthaften Sport geworden. Nun findet die dritte WM statt – in Deutschland. Mehr Von Robin Knapp, Boston

22.07.2016, 09:06 Uhr | Sport
Saugen, Wischen, Mähen Was taugen Haushaltsroboter?

Ob Fensterputzen, Staubsaugen oder Rasenmähen – viele lästige Aufgaben im Haushalt können heute von Robotern erledigt werden. Der Test Mensch gegen Maschine gibt Aufschluss darüber, was die Haushaltshelfer wirklich taugen. Der Beitrag des Bayerischen Rundfunks ist auch in der Sendung mehr/wert am 21.07. um 19 Uhr im BR-Fernsehen zu sehen. Mehr

21.07.2016, 17:00 Uhr | Wirtschaft
Afroamerikanische Institute Kredite statt Kugeln

Afroamerikaner finden einen neuen Weg des Protestes gegen Polizeigewalt und Diskriminierung. Sie eröffnen Konten bei ganz speziellen Banken. Mehr Von Norbert Kuls, New York

21.07.2016, 20:56 Uhr | Finanzen
Nach dem Anschlag in Nizza Frankreichs Polizeistrandwächter ab sofort bewaffnet

Etwa ein Drittel der 300 Strandwächter der französischen Bereitschaftspolizei CRS tragen ab nun Schusswaffen bei ihren Einsätzen. Nach dem Anschlag in Nizza befürchten die Behörden, dass weitere Urlaubsziele ins Visier der Terroristen geraten könnten. Mehr

22.07.2016, 21:18 Uhr | Politik
Turniere finden statt Elf Pferde wegen Herpesinfektion eingeschläfert

Auf einem Hof im Kreis Limburg-Weilburg sind Pferde an Herpes erkrankt. Elf Tiere wurden eingeschläfert. Doch die Turniere sollen trotzdem wie geplant stattfinden. Mehr

21.07.2016, 18:38 Uhr | Rhein-Main