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Handball-Kommentar : Die Nachfolge moderieren

Worte als Waffen: DHB-Präsident Ulrich Strombach Bild: picture alliance / dpa

Mit neuem Personal in der Führungsebene könnten Verkrustungen zwischen Verband und Liga aufgebrochen werden. Doch auch das Team auf dem Handball-Feld muss dringend Imagepflege betreiben.

          Ulrich Strombach weiß Worte wie Waffen einzusetzen, als Rechtsanwalt hat der Gummersbacher darin große Übung. Er versteht sich auch darauf, sein Wirken für den deutschen Handball leuchtend zu beschreiben. Natürlich ist in seiner Ägide als Handball-Präsident Bleibendes geschaffen worden. Vor allem durch die Nationalmannschaft, mit dem Coup von 2007 als Höhepunkt, als sie den Gipfel im Welthandball erklomm. Strombach verweist auch gerne darauf, solide gewirtschaftet zu haben; es gibt tatsächlich keinen Anlass, dem Deutschen Handball-Bund (DHB) finanzielle Nöte nachzusagen.

          Dass Strombach, fast 70 Jahre alt, im kommenden Herbst den Weg frei macht für eine jüngere Führungskraft, wird dem DHB trotzdem guttun. Und ebenso erscheint es notwendig, frische Strukturen einzuführen, um den Verband für die Moderne zu wappnen. Vielleicht hätte dies, trotz aller Verdienste Strombachs, schon früher geschehen sollen. So wie die jetzt vom früheren Bundestrainer Heiner Brand maßgeblich begleitete Eliteförderung schon vor einiger Zeit hätte angeschoben werden sollen. Nicht, dass es dem Handball in Deutschland an Talenten mangelte. Er verfügt zumindest bisher noch, ohne dass man sich damit zufriedengeben sollte, über ein beträchtliches Reservoir an vielversprechendem Nachwuchs. Allerdings stießen diese Spieler immer wieder an Grenzen: Der Zugang zur Bundesliga blieb ihnen häufig verwehrt, weil vor allem die führenden Vereine sich mehr Erfolg durch erfahrenere ausländische Kräfte versprachen.

          Brand und der DHB werden ohne die Unterstützung der Liga kaum vorankommen in ihren Bestrebungen, der Jugend eine Chance erster Klasse zu eröffnen. Und damit auch dem Bundestrainer die Möglichkeit zu geben, eines Tages über einen größeren Kreis an Kandidaten für das Nationalteam zu verfügen. Martin Heuberger präsentiert nun wenigstens in Spanien mehrere frische Gesichter, nicht zuletzt dank des Aufbauwerks eines kleineren Klubs wie der HSG Wetzlar.

          Ob von Größen wie dem THW Kiel eine größere Hilfe als bisher zu erwarten sein wird, ist jedoch fraglich. Zwar wird der Franzose Daniel Narcisse die Norddeutschen verlassen, allerdings sind die Kieler bereits wieder in der Fremde fündig geworden - sie verpflichteten den Tunesier Wael Jallouz.

          Heuberger muss Imagepflege betreiben

          Mit neuem Personal beim DHB könnten immerhin Verkrustungen in der Beziehung zwischen Verband und Liga weiter aufgebrochen werden. In der Kommunikation zwischen den Trainern scheint es jedenfalls durch die Ablösung Brands durch Heuberger bereits Fortschritte gegeben zu haben. Der Schutterwälder ist mit einer schweren Hypothek angetreten; die Enttäuschungen bei den zurückliegenden Turnieren in Österreich und Schweden und auch die olympische Ausgrenzung brachten den deutschen Handball ins Wanken.

          Heuberger muss mit seinem Team dringend Imagepflege betreiben. Er steht vor einem sehr heiklen Unterfangen, erst recht nach dem Geschehen vom Sonntag. Und hätte es verdient, seine schwierige Aufgabe ohne Störmanöver von außerhalb anpacken zu können. Auch die Diskussionen darüber, wer künftig für welchen Posten im DHB in Betracht kommen könnte, sollten mit Bedacht geführt werden - und in Spanien nicht zu einer zusätzlichen Belastung für den Bundestrainer und sein Gefolge werden durch kontroverse Auseinandersetzungen. Strombach könnte sich in dieser Sache noch einmal starkmachen, könnte vermitteln, möglicherweise beschwichtigen. Er kennt sich schließlich aus mit rhetorischen Kniffen.

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