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Haaß und Roggisch Die standhaften Zwei

Die Abwehrspieler Oliver Roggisch und Michael Haaß sind die Zwei-Mann-Mauer der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Der eine als Zerstörer, der andere als Gestalter.

© picture alliance / dpa Doppelt hält besser: Michael Haaß (links) und Oliver Roggisch greifen in der Abwehr entschlossen ein

Manchmal spricht Martin Heuberger vom „dritten Frühling“, manchmal von einem „jungen Reh“. Und immer ist Oliver Roggisch gemeint. Vor allem Heubergers zweite Einschätzung klingt fast schon romantisch - und kurios dazu. Immerhin ist Roggisch alles andere als zart beschaffen. Würde der Bundestrainer ihn, mit allem Respekt, als Büffel bezeichnen, wäre ihm keinesfalls zu widersprechen: Roggisch hat Gardemaß mit 2,02 Meter Länge und einem Gewicht von knapp 100 Kilogramm.

Rainer Seele Folgen:

Aber man kann Heubergers Beschreibungen verstehen. Sie drücken seine ganze Wertschätzung für den Handballprofi der Rhein-Neckar Löwen aus, der bei der Weltmeisterschaft in Spanien ein wichtiger Stabilitätsfaktor in der deutschen Mannschaft ist. Und zusammen mit Michael Haaß ein Bollwerk im Zentrum der Verteidigung bildet. Roggisch und Haaß stellen den sogenannten Mittelblock dar, eine Art Zwei-Mann-Mauer.

Zerstören ist sein Auftrag

Und sie können sich zugutehalten, einen wesentlichen Anteil daran zu haben, dass die Deutschen das Viertelfinale an diesem Mittwoch in Saragossa gegen Spanien erreicht haben. Und dass damit wieder deutlich mehr Licht auf den deutschen Handball fällt als noch vor einigen Wochen oder Monaten.

Handball WM 2013 - Deutschland - Frankreich „Das junge Reh“ im dritten Frühling: Oliver Roggisch © dpa Bilderstrecke 

Roggisch - einfach unverwüstlich? Der Kapitän des Nationalteams ist 34 Jahre alt, und er gehört eigentlich, auch nach eigener Aussage, einer aussterbenden Gattung im Handball an. Schließlich wird er, für gewöhnlich, bei Heuberger und auch im Verein nur in der Abwehr eingesetzt. Sein Auftrag ist das Zerstören, er ist gewissermaßen ein reiner Handball-Handwerker. Nur bei Gegenstößen tritt Roggisch bisweilen die Flucht nach vorne an, und dann heißt es sogar, ebenfalls eine große Ausnahme: Torschütze Roggisch.

Er hat sich längst mit seiner besonderen Rolle abgefunden, und offenbar geht er sogar darin auf. „Ich habe mich auf meine Stärken besonnen“, sagt er, „und aus meinen Möglichkeiten das Maximale herausgeholt.“ Roggisch, der um einen neuen Vertrag bei den Rhein-Neckar Löwen kämpft, spürt im reifen Sportleralter zwar immer wieder Wehwehchen - und präsentiert sich in Spanien doch äußerst beweglich und flink.

Weniger Zeitstrafen

Und auch geschickter als früher in den hitzigen Duellen mit seinen Gegnern. Der „Haudrauf“ Roggisch ist nur noch selten zu erleben, stattdessen verrichtet der Abräumer vom Dienst sein Werk nun mit angemessener Härte, meistens zumindest; die Zahl seiner Zeitstrafen hat sich jedenfalls reduziert. Der erfahrene „Löwe“ aus Mannheim, in der Vergangenheit häufig im Visier der Schiedsrichter, weiß natürlich genau, wann sein Einsatz übertrieben war.

Und man kann ihm das im Fall des Falles auch ansehen: Roggisch mimt dann schon mal, mit großen Augen, das Unschuldslamm. Er gibt dem deutschen Team in Spanien auf alle Fälle Halt. Und er weiß zu würdigen, dass Heuberger zu ihm hält - und eine funktionierende Gemeinschaft geformt hat. „Er ist ein Trainer, der auch mit sich reden lässt. Er ist nicht jemand, der etwas predigt, und dann muss jeder amen sagen. Mit ihm kann man sprechen, wenn man andere Ideen hat. Das kommt bei der Mannschaft sehr gut an und ist der richtige Weg.“

Haaß, der Mann an Roggischs Seite, hatte eine beschwerliche Strecke zurückzulegen, bis er wieder ins Nationalteam zurückkehrte. Aber auch der Göppinger, der nach dieser Saison zum SC Magdeburg wechselt, zählt zu den tragenden deutschen Kräften bei der WM. Als Konstante neben Roggisch in der Deckung und als Spielgestalter. Haaß, 29 Jahre alt, gilt zwar nicht als überragender Kopf im deutschen Rückraum. „Er hat nicht die strategischen Fähigkeiten eines Markus Baur“, sagt Horst Bredemeier, Vizepräsident für Leistungssport beim Deutschen Handball-Bund.

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Baur war Mitglied des Weltmeisterteams von 2007. Haaß ist dennoch imstande, ein flüssiges Kombinationsspiel zu inszenieren - und Tore zu erzielen. Zusammen mit seinen Qualitäten in der Defensive macht ihn das für Heuberger sehr wertvoll. Dabei hatte sich Haaß nach einer schweren Verletzung vor einem Jahr erst wieder an den Handball und Heubergers Team herantasten müssen. Er hatte bei der Europameisterschaft 2012 in Serbien einen Bruch des rechten Sprunggelenks erlitten; es kostete große Mühe, wieder auf die Beine zu kommen. „Es hat lange gedauert“, sagt Haaß, „aber der Fuß hält jetzt wieder alles aus, was ich ihm zumute.“

In Spanien war Haaß sogar einmal, nach dem Sieg über Montenegro, offiziell zum Mann des Tages gekürt worden. Derart im Mittelpunkt zu stehen war ihm fast unangenehm. „Ich bin eigentlich gegen eine solche Wahl“, sagt Haaß, „weil ich eine recht altmodische Vorstellung von Mannschaftssport habe.“

Typisch für Haaß ist auch, dass er Roggisch - trotz dessen begrenzten Wirkungsraums - als passenden Anführer des Teams betrachtet. Und in dieser Hinsicht nicht selbst Ansprüche anmeldet. „Er hat das Ding in der Hand“, betont Haaß. So wie die Deutschen zuletzt mit Roggisch und Haaß, den aufrechten und standhaften zwei, das Glück in ihre Hände genommen haben - und sich nun wieder Träumen hingeben.

Quelle: F.A.Z.

 
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