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Veröffentlicht: 07.01.2017, 11:57 Uhr

DKB und die Qatar-Connection Wie die Handball-WM 2017 zur Direktbank kam

Die Handball-WM wird hierzulande von einem Sponsor im Internet übertragen. Das ungewöhnliche Geschäft kam nur durch eine Verbindung nach Qatar zustande.

von und
© Picture-Alliance 2015 fand die letzte WM in Qatar statt.

Nur durch eine Verbindung nach Qatar ist das ungewöhnliche Sportrechtegeschäft zustande gekommen, mit dem die Deutsche Kreditbank (DKB) sich die Liveübertragung der Handball-Weltmeisterschaft auf dem deutschen Markt gesichert hat. Hinter dem kurzfristig geschlossenen Vertrag steht nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor allem das französische Sportmarketingunternehmen Lagardère Sports. Dieses arbeitet zur Sponsorensuche seit Jahren mit dem Deutschen Handballbund und der Deutschen Handball-Bundesliga zusammen. Auf der anderen Seite gehört der Sport- und Unterhaltungszweig von Lagardère zum Reich von Qatar Sports Investment. Der Staatsfonds ist auch über Al Jazeera Sports am qatarischen Pay-TV-Ableger BeIn Sports beteiligt, der wiederum alle internationalen Medienrechte für die Handball-Weltmeisterschaft hält.

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Auf diesem Weg ist die DKB ins Spiel gekommen, die seit Jahren ein wichtiger Sponsor des Deutschen Handballbundes und der gesamten Bundesliga ist. So wird das Institut jetzt mehr als 50 WM-Spiele des von nächster Woche an in Frankreich stattfindenden Turniers und dazu alle Partien der deutschen Nationalmannschaft über einen Internetkanal der Google-Videoplattform Youtube zeigen. Es ist davon auszugehen, dass die Bank weit weniger als eine Million Euro für das Handball-Paket zahlt.

Nachdem das öffentlich-rechtliche Fernsehen keinen Vertrag für eine Sublizenzierung mit dem qatarischen Rechtehalter erreicht hatte, wurde hinter den Kulissen offenbar von Handballfunktionären und Sportmarketinghändlern vor allem die Lösung mit dem großen Handball-Sponsor DKB vorangetrieben. Ob überhaupt andere Sender realistische Chancen auf den Erwerb der Übertragungsrechte hatten, ist fraglich.

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Mitverhandelt hat am Vertrag nach eigenen Angaben auch die Hamburger Sportmarketingagentur Jung von Matt/Sports – sie wiederum im Auftrag der DKB. „Wenn ihr Euch fragt, was wir in den letzten Tagen und Nächten gemacht haben: Sportgeschichte“, schrieb Raphael Brinkert, Geschäftsführer des Ablegers der bekannten Werbeagentur, auf Facebook. Dieser wohl etwas übertriebene Pathos rührt auch daher, dass Jung von Matt große Hoffnungen auf das Geschäftsfeld Sport setzt. In den vergangenen Jahren holte die Agentur mit Katja Kraus, Christoph Metzelder, zuletzt auch Arne Friedrich gleich drei bekannte frühere Fußballer in die Chefetage. Wer die Übertragung auf dem DKB-Kanal moderieren soll, ist noch nicht bekannt.

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