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Bob Hanning im Gespräch „Wir bilden für den Olympiasieg 2020 aus“

Bob Hanning will den DHB aufmischen. Der Manager der Berliner Füchse spricht im F.A.S.-Interview über die WM-Chancen des deutschen Handballteams und die Schwierigkeit, „große Namen zu kreieren“.

© dapd Kritischer Blick auf den DHB: Füchse-Manager Bob Hanning

Was trauen Sie der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft zu?

Wir haben gute Möglichkeiten in Richtung Viertelfinale. Das muss das Ziel sein. Das Achtelfinale ist ein Muss. Das Halbfinale wäre das Sahnehäubchen und das Finale die Kirsche obendrauf. Aber davon sind wir weit entfernt.

Es scheint einen neuen Geist in dieser jungen Mannschaft zu geben.

Das liegt an Bundestrainer Martin Heuberger. Er hat einen Teilumbruch schon hingekriegt. Es hat mich nicht überrascht, dass er ein gutes Klima in diese Mannschaft bringt, denn er hatte dieses Klima auch bei allen seinen Juniorenmannschaften. Er ist ein überragender Juniorentrainer. Die Frage ist: Wie hält das Klima in der A-Mannschaft unter Stress? Haben wir beim Stande von 30:30, wenn noch 30 Sekunden zu spielen sind, die richtigen Charaktere, die das Spiel in die richtige Richtung lenken?

Wohl eher nicht, daran fehlte es sowohl bei der EM im vergangenen Jahr, als die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) Siebte wurde, und auch 2011 bei der WM, die Deutschland auf Platz elf beendete . . .

Genau. Deshalb müssen wir über den Teamgeist kommen. Über ein gutes Klima. Eine gute Torwartleistung, die Abwehr, den Gegenstoß. Und natürlich den absoluten Einsatz. In Sachen individuelle Klasse sind uns viele andere überlegen. DHB-Sportmanager Heiner Brand hat gesagt, wir können gegen jede Mannschaft gewinnen und gegen jede verlieren. Dass wir gegen jeden verlieren können, haben wir schon bewiesen. Ich wünsche mir für dieses Turnier, dass Heiner Brand mit beiden Aussagen recht hat.

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Heuberger gibt das Achtelfinale als Ziel vor. Sie selbst halten mehr als die Runde der letzten acht für nahezu unerreichbar. Wie lange hält das deutsche Mittelmaß noch an?

Das, was Martin Heuberger vorfindet, hat er nicht zu verantworten. Sondern der DHB, die Landesverbände und die HBL: Wir haben alle versagt. Und zwar nicht 2007, als wir Weltmeister wurden, sondern 2005. Da haben wir die Zeichen nicht erkannt, neue Wege zu gehen.

Woran hat es gemangelt?

Wir haben nur den Moment genossen. Dann ist der Absturz programmiert. Wir hatten keine Visionen, wie es mit dem deutschen Handball 2012 aussehen soll. Wir haben bis heute keinen Nachfolger für Spielmacher Markus Baur und Kreisläufer Christian Schwarzer gefunden. Auch deswegen waren wir bei den Olympischen Spielen in London nicht dabei. Wir brauchen große Ziele. Deshalb sage ich: Wir wollen 2020 Olympiasieger werden.

Das sind schöne Pläne, aber wie oft kann sich die Nationalmannschaft siebte oder elfte Plätze noch leisten? Verschwindet sie dann nicht in der öffentlichen Wahrnehmung?

Das ist eigentlich egal, wenn am Ende der erste Platz herauskommt. Verwaltung von Mittelmaß ohne Perspektive kann sich der DHB nicht leisten. Unser Nachwuchs ist herausragend, wir holen regelmäßig Titel bei Welt- und Europameisterschaften. Wir haben in Markus Baur und Klaus-Dieter Petersen gute Nachwuchstrainer. Mit unserem Nachwuchs sind wir da, wo wir hinwollen. Wir haben weltweit die besten Jugendlichen, weil die meisten Vereine in der Bundesliga verstanden haben, dass es ohne Jugend nicht geht. Die Bundesligaklubs investieren gemeinsam vier bis fünf Millionen Euro pro Jahr in die Nachwuchsarbeit.

Bild Handball 1 © dpa Vergrößern Einer für die Zukunft: Der 23-jährige Rechtsaußen Patrick Groetzki (rechts) gehört schon jetzt zum Stammpersonal

Sie sind mit den Füchsen Berlin Vorreiter; Sie sind dreimal in Folge deutscher Juniorenmeister geworden.

Wir haben bei den Füchsen drei Neunzehnjährige bei den Profis: Fabian Wiede, Jonas Thümmler und Paul Drux. Ich sage Ihnen: Zwei von den dreien werden 2020 Olympiasieger sein. Ich weiß, dass das komisch klingt. Aber ich bin davon überzeugt. Wir haben genügend von diesen tollen Spielern. Das Ziel ist 2020, dafür bilden wir heute aus. Ich muss sie also in sieben Jahren dahin bringen, dass sie dann auf dem Höhepunkt sind.

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