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Handball und Sponsoren Alles, nur nicht Beate Uhse

Bei der Sponsorensuche gingen die Deutschen einen neuen Weg: ein Vermarkter hat dem Nationalteam einen Textil-Discounter als Werbepartner beschert. Damit kann der Verband gut leben - doch mit den Spielern und Beratern droht Streit.

© dpa Vergrößern Ein Athletenvertrag mit dem DHB würde Pascal Hens treffen - er spielt in Schuhen eines anderen Ausrüsters

Alles hätte der Deutsche Handball-Bund (DHB) nicht mit sich machen lassen, darauf weist Horst Bredemeier dann doch hin. Ein Angebot zum Beispiel von Beate Uhse hätte der DHB nicht akzeptiert. „Das wäre nicht unser Produkt“, sagt Bredemeier, der beim DHB als Vizepräsident für die Sparte Leistungssport zuständig ist.

Rainer Seele Folgen:  

Früher kümmerte er sich auch um die Vermarktung des Verbandes, um Sponsoren. Aber von dieser Aufgabe ist Bredemeier seit dem vergangenen Jahr befreit, da nämlich schloss der DHB einen Fünfjahresvertrag mit Sportfive. Das Unternehmen hat gerade einen frischen Geldgeber für den DHB gefunden, allerdings mutet dieser Abschluss ein wenig eigenartig an.

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„Billig“ gesellt sich zu „Hochwertig“

Schließlich umfasst er nur einen Zeitraum von vier Wochen, er gilt also lediglich für die Weltmeisterschaft in Kroatien. Dort prangt nun auf den Trikots der deutschen Nationalspieler der Schriftzug des Textil-Discounters Kik. Er ist Nachfolger der Agrar-Marketing-Gesellschaft CMA, die ihre Kooperation mit dem DHB zum Jahresende beendet hatte.

Es geht um die Wurst: jeden Monat ein Kilo Currywurst für Heiner Brand - wenn der Weltmeistertitel verteidigt wird © AFP Vergrößern Es geht um die Wurst: jeden Monat ein Kilo Currywurst für Heiner Brand - wenn der Weltmeistertitel verteidigt wird

„Billig“ gesellt sich zu „Hochwertig“, also zum Handball-Weltmeister – das kommt bei diesem neuen Handel einem Experten in den Sinn, der sich mit der Situation des Sports auf dem Werbemarkt beschäftigt. Doch nur eine Notlösung also? Der Champion von 2007 sieht dies natürlich anders, er scheint zufrieden zu sein mit dem neuen Partner. Bredemeier jedenfalls sagt: „Uns stört es nicht.“ Er habe den Kik-Deal ohne Emotionen entgegengenommen.

„Wen willst Du jetzt ansprechen?“

Im Prinzip muss der DHB jetzt nehmen, was er von Sportfive bekommt. „Wir haben mit dieser Sache nichts mehr zu tun“, sagt Bredemeier, und für den deutschen Handball-Bund soll das ein großer Vorteil sein. Er erhält von Sportfive eine Garantiesumme, mit der sich offensichtlich gut wirtschaften lässt. „Das Gesamtpaket DHB steht“, behauptet Bredemeier, „wir sind auf einer sehr guten Seite.“ Er spricht von einer mittelfristigen Sicherheit für den DHB, dessen Jahresbudget angeblich sechs Millionen Euro beträgt.

Obwohl Kik, das auch in der Fußball-Bundesliga beim VfL Bochum aktiv ist, sich erst mal nur einen Monat lang im Handball präsentiert, glaubt Bredemeier nicht, dass das Interesse potentieller Finanziers am Handball deutlich gesunken sei. „Wir sind nicht schwer zu vermarkten“, sagt er. Aber er betont auch, dass die Vereinbarung mit Sportfive just in der allgemeinen Finanzkrise äußerst wertvoll sei für den DHB. „Wen willst du jetzt ansprechen? Es wäre eine schwere Zeit für uns.“

Einen Schuh-Streit soll es nicht geben

Für Bredemeier ist angeblich keine Frage, dass die Weltmeisterschaft vor zwei Jahren im eigenen Land den DHB vorangebracht hat, auch finanziell. „Wir haben Nutzen aus der WM geschlagen.“ So hat sich der Handball-Bund auch mit einem neuen Ausrüster zusammengetan: Im Sommer 2008 wurde ein Kontrakt mit Adidas geschlossen. Der DHB nimmt dadurch pro Jahr schätzungsweise 300.000 Euro ein.

Allerdings greifen immer noch mehrere Spieler, etwa Pascal Hens, auf Schuhe eines anderen Fabrikats zurück. Der DHB möchte das jetzt ändern, mit einem Athletenvertrag will er sich die Vermarktungs- und Bildrechte an den Nationalspielern sichern. Damit soll gewährleistet werden, dass die Sportler, so Bedemeier, „nur das tragen, was der DHB vorschreibt“. Das betrifft jedoch noch nicht die WM in Kroatien. Einen Schuh-Streit soll es dort keinesfalls geben.

Widerstand von den Spielerberatern

Der DHB muss in dieser Angelegenheit allerdings mit erheblichem Widerstand rechnen. Von Spielerberatern etwa wird das Papier, das der Verband seinen Stars vorgelegt hat, offensichtlich abgelehnt. „Nach Prüfung muss ich meinen Mandanten aus rein juristischen Gründen von einer Unterzeichnung der vorgelegten Version abraten“, sagte Wolfgang Gütschow, der in der Branche sehr umtriebig ist. Er vertritt sechs Nationalspieler: Pascal Hens, Carsten Lichtlein, Sebastian Preiß, Michael Müller, Jens Tiedtke und Stefan Schröder.

Auch ein Kollege von Gütschow kritisiert das Vorgehen des DHB. „Das ist der Versuch, die Spieler zu gängeln. Normalerweise setzt man sich vorher an den Tisch und verhandelt. So vermittelt der DHB den Spielern das Gefühl, sie nicht ernst zu nehmen“, sagte Jochen Bergener, der unter anderen Holger Glandorf und Oliver Roggisch betreut.

Ein Leben lang Currywurst für Brand

Vermutlich wird diese Sache noch Kreise ziehen. In einem anderen Fall, der Bundestrainer Heiner Brand anbelangt, dürften hingegen keine großen Turbulenzen zu erwarten sein. Dabei handelt es sich zwar auch um eine Art Werbestrategie, die jedoch allenfalls aus Geschmacksgründen zu überdenken wäre: Für Brand geht es schlichtweg um die Wurst. Ein Fleischer aus seinem Wohnort Gummersbach hat ihm lebenslang Currywurst versprochen, sollte Brand mit seiner Mannschaft in Kroatien den Titel verteidigen. Dem Bundestrainer würde jeden Monat ein Kilogramm Wurst ins Haus geliefert werden. Ob man Brand das wirklich wünschen möchte?

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.01.2009, 13:40 Uhr