Home
http://www.faz.net/-gtl-760mx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Handball-Kommentar Signale aus Saragossa

Die Handball-Nationalmannschaft schärfte ihr Profil, der Bundestrainer gewann an Statur. Beide haben die Bewährungsprobe in Spanien bestanden. Jetzt gilt es, die Kooperation zwischen Liga und Verband zu stärken und nationalen Talenten bessere Aufstiegschancen zu bieten.

© dpa Hat sich durchgesetzt: Handball Bundestrainer Heuberger, der zu Beginn der WM noch kritisiert wurde

Der deutsche Handball lebt, unbestritten, und Martin Heuberger hat den Dreh raus. So wie die Nationalmannschaft bei der WM ihr Profil schärfte, gewann der Bundestrainer an Statur. Bewährungsprobe bestanden, in beiden Fällen: Das ist das Signal, das von Spanien ausgeht, zuletzt von Saragossa. Das Nationalteam gehört wieder der Weltspitze an, zumindest darf es sich zu ihrem erweiterten Kreis zählen. Das ist mehr, als von den deutschen Handballprofis vor dem spanischen Intermezzo zu erwarten war. Und wer hätte gedacht, dass man selbst die routinierten Spanier, die Gastgeber der WM, an den Rand einer Niederlage bringen würde?

Er wirkte von Tag zu Tag souveräner

Rainer Seele Folgen:

Die Deutschen, von Heuberger neu formiert, machten das Beste aus ihrer Situation. Und der Handball-Demokrat Heuberger kann sich zugutehalten, seinen Spielern Beine gemacht zu haben. Sie praktizierten ein ansehnliches Tempospiel, basierend auf häufigen Ballgewinnen in der Abwehr. Das war, bis zum Viertelfinale der Weltmeisterschaft, der Schlüssel zum Erfolg. Andererseits waren die Deutschen, zum Beispiel auch gegen Spanien, nicht frei von gewissen Leistungsschwankungen. Immer aber präsentierten sie sich als eine wahre Einheit - ein Verdienst nicht zuletzt von Heuberger, der an seiner Aufgabe in Spanien zu wachsen schien und von Tag zu Tag souveräner wirkte.

Mehr zum Thema

Und der Mann aus Ortenau hatte gute Gründe, nach der Abschiedsvorstellung in Saragossa sofort selbstbewusst von einem Zeichen für die Bundesliga zu sprechen. Zum einen konnte das bedeuten: Seht her, das Interesse der breiten Öffentlichkeit am Handball weckt und befeuert vor allem ein schlagkräftiges Nationalteam. Zum anderen war es wieder ein Hinweis darauf, die Kooperation zwischen Liga und Verband zu stärken. Und den nationalen Talenten, zum Wohl des Nationalteams, bessere Aufstiegschancen in der Bundesliga zu bieten. Heuberger weiß wohl, dass die führenden Vereine mit ihrer europäischen Ausrichtung so schnell nicht davon abkommen werden, in Sachen Personal eine internationale Strategie zu verfolgen. Trotzdem wird er nicht müde, Veränderungen zu fordern, um sein Perspektivteam weiter aufzufrischen. Sein Elan in dieser Angelegenheit und das Gewicht seiner Worte scheinen in den vergangenen Tagen sogar gestiegen zu sein. In Tagen, in denen der gelernte Bauzeichner und Diplom-Verwaltungswirt aus Schutterwald bewies, dass er durchaus Ausstrahlung besitzt. Auf seine ganz spezielle Ortenauer Art.

Endklassement: Deutschland belegt Rang fünf

(dpa.) Die deutschen Handballer haben nach dem Aus im Viertelfinale die WM in Spanien als Fünfte beendet. Das teilte der Weltverband IHF an diesem Donnerstag mit. Die Plazierungen nach Abschluss der Viertelfinals wurden nach folgenden Kriterien errechnet: Anzahl der Punkte aus den Vorrundenspielen gegen die Teams auf den Gruppenrängen eins bis vier, bei Punktgleichheit entschied die Tordifferenz. Sollte auch diese gleich gewesen sein, gab die Zahl der geworfenen Tore den Ausschlag. So wurde der ausgeschiedene Titelverteidiger Frankreich durch die Vorrunden-Niederlage gegen Deutschland Sechster. Dahinter folgen Russland, Ungarn, Polen und der EM-Zweite Serbien. Bestes nichteuropäisches Team ist Afrikameister Tunesien als Elfter.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Großbrand nahe Saragossa Mindestens fünf Tote bei Explosion in Feuerwerksfabrik

In der Nähe der spanischen Metropole Saragossa ist es zu einem schweren Unglück in einer Feuerwerksfabrik gekommen. Fünf Menschen starben, weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Die Detonation war kilometerweit zu hören. Mehr

01.09.2015, 09:29 Uhr | Gesellschaft
DFB-Team Löw bleibt Bundestrainer bis zur WM 2018

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sagte, man habe mit der Vertragsverlängerung für den Bundestrainer schon vor Beginn des neuen Länderspieljahres ein Signal setzen wollen. Mehr

13.03.2015, 18:12 Uhr | Sport
Handball-Bundesliga Ungemütliche Zeiten für den HSV

Kein Geld, keine Erfolge, keine Aussichten: Nach dem Pokal-Aus beim Zweitligaklub und der Auftaktpleite in der Liga will Trainer Michael Biegler mit dem HSV Hamburg in eine neue Ära starten. Aber wie? Mehr Von Frank Heike, Hamburg

28.08.2015, 17:55 Uhr | Sport
Bilder von Tim Flach Tierische Charakterstudien

Der Brite Tim Flach sieht den Menschen im Tier. Das Talent, ein Tier so zu fotografieren, dass es allein über seine Mimik und Körperspannung wirkt und vermeintlich menschliche Gefühlszustände auszudrücken vermag, hat ihm zahlreiche Preise eingebracht. Mehr

22.06.2015, 13:07 Uhr | Stil
DFB-Nominierung Löw setzt auf Can und ter Stegen

Emre Can steht vor seinem ersten Auftritt im deutschen A-Nationalteam. Für die wichtigen EM-Quali-Spiele gegen Polen und Schottland nominiert Bundestrainer Löw auch vier Rückkehrer. Für einen Weltmeister ist die Zeit im DFB-Team wohl vorbei. Mehr Von Christian Kamp

28.08.2015, 13:53 Uhr | Sport

Veröffentlicht: 24.01.2013, 16:32 Uhr

Das Sportgericht sollte sprechen

Von Michael Reinsch

Leichtathleten mit Prothesen dürfen nur noch außerhalb der Wertung starten – oder sie beweisen selbst, dass sie keinen Vorteil haben. Diese neue Regel ist eine Breitseite gegen Inklusion. Mehr 1