01.02.2012 · Heinevetters Attacke auf den Handball-Präsidenten Strombach ist der Sache keineswegs dienlich. Es braucht Konzepte statt Streitereien, um den deutschen handball wieder in die Spur zu bringen.
Von Rainer SeeleDer eine tritt zurück, der nächste tritt nach. Die Zeiten bleiben turbulent im deutschen Handball. Das war natürlich nicht anders zu erwarten nach der Enttäuschung von Belgrad. Dass Pascal Hens, der glücklose Kapitän, sich der Nationalmannschaft nicht mehr zur Verfügung stellen will, ist keine Überraschung. Er hatte bereits vor der Europameisterschaft angedeutet, kürzertreten zu wollen.
Heißt, auf die Signale des arg belasteten Körpers zu hören und sich auf seinen Verein, den deutschen Meister HSV Hamburg, zu konzentrieren. Für das Nationalteam ist die Demission von Hens, so wie der Rückraumspieler sich zuletzt präsentiert hatte, kein schmerzhafter Verlust.
Dass aber nun Silvio Heinevetter Attacken reitet, dass er in geharnischter Form den Handball-Präsidenten Ulrich Strombach ins Visier nimmt, ist der Sache keineswegs dienlich. Es geht um Aufbauarbeit, um eine kritische, aber keine polemische Auseinandersetzung mit den Problemen im deutschen Handball. Der Gummersbacher Strombach ist ein langgedienter Funktionär. Der impulsive Torhüter Heinevetter schießt mit seinem Vorwurf, der Mann habe keine Ahnung vom Handball, deutlich über das Ziel hinaus.
Strombach weiß sich sehr wohl auf dem Parkett des Handballs zu bewegen; nicht zuletzt abseits von offiziellen Beratungen oder Verhandlungen. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass nicht auch die seit langem unveränderte Spitze des Deutschen Handball-Bundes (DHB) vielleicht neue Wege gehen müsste, um die Krise dieses Sports zu bewältigen. Die Führungsspitze muss sich zumindest fragen, ob sie sich in den vergangenen Jahren energisch genug dem schleichenden Abstieg unter der Ägide des vertrauten Begleiters Heiner Brand entgegenstemmt hat. Oder sich doch noch immer ein bisschen blenden ließ vom einstigen Ruhm.
Immerhin gibt es schon einen kleinen Fortschritt. Am kommenden Samstag, vor dem All-Star-Game in Leipzig zwischen dem Nationalteam und einer Auswahl der besten Ausländer in der Bundesliga, erhält wieder einmal ein deutsches B-Team die Chance zur Bewährung. Zwar „nur“ gegen den EHV Aue, einen Drittligaklub - trotzdem ist es ein hoffnungsvolles Zeichen. Es kann jüngeren deutschen Spielern das Gefühl vermitteln, doch ernst genommen zu werden. Der DHB wäre gut beraten, Sportlern aus der zweiten, dritten Reihe auch künftig eine Plattform zu bieten; der Einsatz dafür sollte Rendite tragen.
Solche Konzepte weiterzuentwickeln, in enger Kooperation zwischen DHB und der Liga, erscheint dringend erforderlich angesichts der bitteren olympischen Auszeit des deutschen Handballs. An solchen Debatten könnte sich Heinevetter getrost beteiligen.