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Am Ende standen die Deutschen mit Torwart Andreas Wolff mit leeren Händen da. Bild: Reuters

Handball-EM : Das große Dilemma der Deutschen

Die Handballer zeigen gegen Dänemark die beste Leistung im Turnier. Trotzdem gibt es die erste Niederlage bei der EM. Der Einzug ins Halbfinale ist für die Deutschen nun in weiter Ferne.

          An der Einstellung hatte es nicht gehapert, das Gesamtwerk konnte sich ebenfalls sehen lassen – mit Ausnahme des Ergebnisses. Die deutschen Handballspieler, das war ihr großes Dilemma am Sonntag in Varazdin, hatten sich beherzt ihrer Aufgabe gegen Dänemark gestellt, sie spielten sogar so gut wie noch nie bei dieser EM, aber am Ende standen sie mit leeren Händen da. Und mit dem Wissen, dass durch das 25:26 gegen den Olympiasieger die Teilnahme am Halbfinale kaum noch zu schaffen ist. Selbst ein Erfolg am Mittwoch (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und im ZDF) zum Abschluss der Hauptrunde gegen Spanien, das Mazedonien mit 31:20 besiegte, würde dem Titelverteidiger, der am Sonntag seine erste Niederlage in Kroatien hinnehmen musste, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht helfen – sofern die Konkurrenz nicht hilft. „Wir sind abhängig von anderen Resultaten“, sagte Bob Hanning, der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, „das macht nie Spaß.“

          Handball-EM 2018
          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Die Deutschen hatten den Dänen lange Zeit Paroli geboten, dann aber doch nicht an ihrer Linie festhalten können. „Uns ist die Aggressivität abhandengekommen“, sagte Bundestrainer Prokop, „und es waren ein paar leichte Fehler zu viel.“ Nach dem Stand der Dinge wird Prokop bei seiner ersten Bewährungsprobe als Bundestrainer also das Ziel verfehlen. Harte Zeiten für den Novizen, der nach dem Rückschlag dennoch trotzig forderte: „Wir müssen aufstehen.“ Womöglich ohne Paul Drux, der sich am Knie verletzte.

          Dänemark, ein guter Bekannter für die Deutschen: Mehrere dänische Spieler verdienen ihr Geld in der Bundesliga, das gilt auch für den gewieften Handball-Lehrer Nikolaj Jacobsen, den Meistermacher der Rhein-Neckar Löwen. Prokop zeigt sich von seinem Kollegen sehr angetan, er bezeichnete Jacobsen kürzlich als einen der „kreativsten Trainer“ des Turniers. Ein weiterer Grund für ihn, sein Team noch einmal zu Geschlossenheit aufzurufen.

          Handball-EM 2018: Spielplan, Ergebnisse, Termine

          „Wir schaffen es nur zusammen“, betonte Prokop, der seinen Kader ein zweites Mal verändert hatte. Und wieder wurde ein Leipziger aussortiert: Nachdem zunächst Bastian Roscheck zu Gunsten von Finn Lemke hatte weichen müssen, beorderte Prokop am Freitagabend den Kieler Rune Dahmke nach Varazdin – dafür musste Maximilian Janke den Dienst quittieren. Mit der Nominierung von Roscheck und Janke hatte der frühere Leipziger Coach Prokop sich also keinen großen Gefallen getan. Dass aber auch dadurch Risse im deutschen Gefüge entstanden wären, wiesen gestandene Kräfte wie Torwart Silvio Heinevetter entschieden zurück.

          Beide Mannschaften schenkten sich aber auch gar nichts. Bilderstrecke
          Beide Mannschaften schenkten sich aber auch gar nichts. :

          Dahmke, einer der Europameister von 2016, sollte in jedem Fall Uwe Gensheimer auf der Linksaußenposition entlasten; der Kapitän hatte bisher nicht sein gewohntes Niveau erreicht. Der Mann von Paris St. Germain, wo auch der dänische Star Mikkel Hansen unter Vertrag steht, gehörte am Sonntag dennoch zur Startformation; Dahmke musste sich gedulden, bis auch er ins Geschehen eingreifen durfte. Gensheimer hatte allerdings einen unglücklichen Einstand: Erst scheiterte er mit einem Siebenmeterwurf am dänischen Torwart Niklas Landin, kurz danach erhielt er eine Zwei-Minuten-Strafe. Es war zunächst ein zähes Ringen zwischen den Deutschen und den Dänen, in dem das Team von Prokop zwar in der Abwehr kompakt stand, in der Offensive aber erst einmal nicht den gewünschten Schwung entwickelte – obwohl Julius Kühn nach farblosen Darbietungen in den vergangenen Tagen diesmal wieder als Schütze in Erscheinung trat.

          Das erste Tor der Deutschen fiel erst nach neun Minuten durch Gensheimer, zum 1:2. Andererseits tat sich auch die dänische Offensive schwer, weil Deutschland, seit der Melsunger Lemke wieder dabei ist, in der Deckung sehr energisch zupackt. Zudem war Torwart Andreas Wolff ein großer Rückhalt, wie in den Schlussminuten im Spiel gegen Tschechien. Somit blieb Hansen und seinen Mitstreitern nicht allzu viel Raum zur Entfaltung, außerdem handelten die Dänen einige Male fahrlässig – mit misslungenen Würfen auf das leere Tore zum Beispiel, wenn Deutschland mit einem zusätzlichen Feldspieler statt des Torhüters agiert hatte. So ergab sich nach 30 Minuten tatsächlich eine knappe deutsche Führung von 9:8.

          Den Deutschen war zugute zu halten, dass sie sich als Einheit präsentierten, dass sie Kampfeswillen offenbarten und nach holprigem Beginn sogar Ansehnliches zustande brachten. Die Dänen aber hatten doch ein bisschen mehr Klasse – und sie bewiesen Geschick mit der Variante des siebten Mannes auf dem Feld. Nach 54 Minuten lagen sie 23:20 in Front. Dieser Rückstand war von Prokops Team nicht mehr wettzumachen. Trotz einer äußerst couragierten Leistung, trotz eines Treffers von Torhüter Wolff, trotz einer spektakulären Flugeinlage von Dahmke, der damit eine dänische Chance zunichtemachte. Für eine allerletzte Attacke war jedoch nicht mehr genug Zeit geblieben. Bitter für die Deutschen, auch wenn Lemke betonte: „Wir können morgen alle in den Spiegel gucken.“

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