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Aktualisiert: 24.01.2016, 21:13 Uhr

Handball-EM Glänzende Perspektiven für Deutschland

Was für ein mitreißendes Spiel: Die deutschen Handballer besiegen Russland. Nach einer dramatischen Schlussphase eröffnet sich die Chance auf das Halbfinale. Doch der Preis für den Erfolg ist hoch.

von , Breslau
© AFP Sieg über Russland: Die deutschen Handballer sind ein verschworener Haufen.

Es ist immer wieder die Rede von einem Endspiel, fast Tag für Tag. Das war vor dem Sonntag so, an dem die deutsche Handball-Nationalmannschaft das „Finale“ gegen Russland 30:29 gewann. Das gilt nun auch für den kommenden Mittwoch (18.15 Uhr / Live in der ARD und im Handball-EM-Ticker bei FAZ.NET). Der nächste Showdown in der Breslauer Jahrhunderthalle, es wird dann aber tatsächlich um alles oder nichts gehen für das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

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Dann wird sich im Duell mit Dänemark, das am Sonntag Spanien mit 27:23 besiegte, zum Abschluss der Hauptrunde entscheiden, wohin für Deutschland der Weg bei der Europameisterschaft in Polen führt – in das Halbfinale oder in ein Plazierungsspiel. Die Deutschen haben gute Aussichten, in die Runde der letzten vier einzuziehen. Aber bereits jetzt zu den sechs Besten des Turniers zu zählen, stimmte sie hochzufrieden. Da dürfe man in Ruhe ein Glas Rotwein trinken, sagte Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes. „Wir haben es Gott die Dank über die Bühne gebracht“, sagte Sigurdsson erleichtert, „Kompliment an die Jungs.“

Der Sonntag – ein aufreibender, nervenzehrender Tag für die Deutschen. Ein Auf und Ab, ein Bangen bis zum Schluss, bis der letzte Wurf der Russen über das Tor von Carsten Lichtlein flog, der ein bemerkenswertes Comeback gab. Lichtlein sprach von einem Herzschlagfinale, „wir haben es unnötig spannend gemacht“. Umso ausgelassener war letztlich die Stimmung, „wir sind rumgehüpft wie kleine Kinder“, sagte Lichtlein.

EHF European Men's Handball Championship 2016 Hellauf begeistert: Die deutschen Handballer besiegen auch Russland. © dpa Bilderstrecke 

Allerdings war ein hoher Preis für den Erfolg zu zahlen. Kapitän Steffen Weinhold und Christian Dissinger, mit sieben Toren bester deutscher Schütze, leiden unter muskulären Problemen und müssen behandelt werden. „Es sieht bei beiden nicht gut aus. Wir werden auf jeden Fall nachnominieren“, sagte Sigurdsson. Julius Kühn vom VfL Gummersbach und Kai Häfner von der TSV Hannover-Burgdorf werden zur Mannschaft stoßen.

Die Russen waren einst eine Macht im Handball, verloren dann jedoch den Anschluss an die Spitze. Inzwischen ist aber wieder ein Aufwärtstrend bei ihnen zu erkennen. „Sie sind weit weg (von dem Niveau), wo sie vor drei, vier Jahren waren“, sagte Sigurdsson. Der Isländer versuchte damit zu verdeutlichen, dass sich Russland dem modernen Handball annähert. „Die Russen kommen langsam. Sie sind sehr gefährlich“, behauptete er, „sie können uns richtig weh tun.“ Er hatte sich und seine Spieler akribisch darauf vorbereitet, am Samstag hatte er zu seinem Arbeitsstil dazu gesagt: „Man kann nicht einfach auf den Autopiloten drücken, und es läuft alles automatisch.“



Spielplan der Handball-EM 2016: Termine und Ergebnisse

Am Sonntag war sofort zu spüren, dass die Russen ein anderes Kaliber darstellen als zuletzt die Ungarn, die nicht allzu viel Widerstand geboten hatten. Russland ging umgehend in Führung, die deutsche Deckung – samt Torhüter Andreas Wolff – kam nicht wie gewünscht zum Zuge gegen die Offensive des Gegners. Immerhin steigerte sich der Wetzlarer Wolff nach den glücklosen Anfangsminuten ein bisschen, so dass sich der Rückstand seines Teams in Grenzen hielt.

Auch der deutsche Angriff kam nun besser in Schwung. Sigurdssons Spieler hatten sich von den ersten Fehlwürfen nicht irritieren lassen, sondern suchten weiter konsequent ihre Chance. Das zahlte sich aus. Mit dem Selbstvertrauen, das sie in den vergangenen Tagen in Breslau erworben hatten, kämpften sich die Deutschen Tor um Tor heran, sie hatten nach dem ersten Teil dieses Breslauer Handballabends dank ihres Aufbäumens sogar einen Vorsprung von einem Tor.

Dazu trug auch Erik Schmidt als Kreisläufer bei; Sigurdsson hatte ihn diesmal anstelle von Jannik Kohlbacher aufs Feld geschickt. Im linken Rückraumerzeugte Dissinger, zuletzt nicht überzeugend, eine Menge Druck. Der Kieler hatte mit seiner Treffsicherheit ebenfalls einen beträchtlichen Anteil daran, dass Deutschland in Schwung kam. Ein Wandel, der außerdem mit einem kurzfristigen Wechsel im Tor zu tun hatte. Der Gummersbacher Routinier Lichtlein ersetzte Wolff – ein guter Griff des Isländers Sigurdsson, denn Lichtlein fuhr den Russen umgehend einige Mal in die Parade.

Darauf ließ sich aufbauen gegen ein russisches Team, das bisweilen sehr trickreich zu Werke gegangen war. Deutschland setzte sich mit einem wiedererstarkten Lichtlein gar ein wenig ab – und mit einem Mal, als hätten sie sich Fesseln entledigt, kamen die Deutschen immer mehr auf Touren. Manchmal sah ihr Spiel sogar elegant aus, wie bei Schmidts Treffer zum 25:20. Doch Russland wehrte sich, holte auf, war plötzlich wieder gleichauf mit Deutschland: 26:26. Im Spiel der Deutschen, die mehrere zweifelhafte Entscheidungen der portugiesischen Schiedsrichter hinnehmen mussten und später auch kritisierten, traten Unsicherheiten auf, Patzer. Aber schließlich, trotz des Kräfteverschleißes, doch auch wieder ein enormer Behauptungswille. Das war am Sonntag der Schlüssel zum Sieg. Und zu glänzenden Perspektiven.

Quelle: FAZ.NET

 

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