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Aktualisiert: 31.01.2016, 22:08 Uhr

Europameister 2016 Deutschland ist auf dem Handball-Gipfel

Was für ein unglaubliches Spiel! Die deutschen Handballer deklassieren Spanien im Finale und sichern sich nebenbei die Olympia-Teilnahme. Vor allem ein Spieler zeigt eine sensationelle Leistung beim Gewinn des EM-Titels.

von , Krakau
© dpa So sehen Sieger aus: Die deutschen Handballer nach dem Gewinn des EM-Titels.

Das ist der Gipfel, buchstäblich. Handball-Deutschland schwebt auf Wolke sieben, Deutschland strahlt wie lange nicht mehr. War seit Tagen schon der große Renner bei der Europameisterschaft in Polen, ist seit Sonntag endgültig wieder das Maß der Dinge auf dem Kontinent: Gold für eine Nationalmannschaft, die „keiner auf dem Schirm hatte“, wie ihr Delegationsleiter Bob Hanning sagte. Die aber kämpfte, die rackerte, voller Emotion, voller Leidenschaft und Hingabe und damit allen Widrigkeiten trotzte. Und am frühen Sonntagabend völlig aufgewühlt den ganz großen Wurf feierte.

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Die Deutschen sind die Champions – welch ein Knalleffekt beim Showdown in Krakau. Sie tanzten ausgelassen schon vor dem Abpfiff, und sie ließen nach dem souveränen 24:17 im Finale über Spanien ihren Hochgefühlen endgültig freien Lauf. Ein letzter Kraftakt bei diesem Turnier, der sich wahrhaft lohnte. Der den ersten Titel seit dem WM-Triumph 2007 im eigenen Land bescherte. Und mit dem neuen Wintermärchen erfüllte sich auch gleich ein Sommerwunsch für das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson: Olympia, wir kommen. Die Reise nach Brasilien ist seit dem traumhaften Sonntag gesichert.

Die Glorreichen – und die Frühreifen: Deutschland war mit einem jungen, mit einem wegen der immensen Verletzungsserie zwangsläufig neu formierten Team in Polen angetreten. Und entpuppte sich trotzdem als die größte Überraschung dieser europäischen Handballmesse. Dass damit neue, hohe Erwartungen verknüpft werden könnten, betrachtet Hanning ganz gelassen: „Man soll jeden Erfolg mitnehmen.“ Auch wenn nicht mit ihm hatte kalkuliert werden können. Ehre, wem Ehre gebührt.

Ein deutscher Triumphzug Der Mann des Abends: Der deutsche Torwart Wolff hielt unglaublich viele Bälle. © AFP Bilderstrecke 

Die deutschen Handballer, die am Sonntagabend in Krakau nach all den Anstrengungen bei einem „Italiener“ entspannten, hatten bereits am Samstag das Vergnügen, von der Bundeskanzlerin beglückwünscht zu werden. Angela Merkel übermittelte Bundestrainer Sigurdsson telefonisch ihre Anerkennung. An diesem Montag, gleich nach der Rückkehr aus Polen, wird sich das Team in Berlin von den heimischen Fans hochleben lassen; die Party wurde vor einigen Tagen schon geplant.

 
Wir! Sind! EUROPAMEISTER! #GERESP #ehfeuro2016
 
Wie macht dieser Andreas Wolff das nur? Überragend! #GERESP #ehfeuro2016
 
Ohne Wort? Nur das: Deutschland ist Handball-Europameister!

Handball ist wieder in Mode in Deutschland - und wie groß das Ansehen des Nationalteams nun ist, verdeutlicht auch die Besetzung des All-Star-Teams der EM, die am Sonntag einige Stunden vor dem Finale bekanntgegeben wurde. In diese Auswahl wurden zwei Deutsche aufgenommen, Torhüter Andreas Wolff, am Sonntag eine herausragende Erscheinung, und Rechtsaußen Tobias Reichmann, der sich bei diesem Turnier als Siebenmeterschütze einen Namen gemacht hat.

© Twitter Selfie der deutschen Handball-Europameister

Der Optimismus, mit dem die Deutschen in das Duell mit Spanien gegangen waren, war, wie sich am Sonntag herausstellte, begründet. Sie hatten sich fest vorgenommen, sich nicht noch einmal, wie in der Vorrunde in Breslau, von diesem Gegner schlagen zu lassen. Und hatten sich für den Sonntag die Devise zurechtgelegt: „Wir für Gold.“ Und dieser Antrieb war von der ersten Minute an zu spüren. Deutschland lieferte ein prächtiges Gemeinschaftswerk ab, vor allem in der Verteidigung, in der der Wetzlarer Wolff der große Rückhalt war.

Die deutschen Abwehrrecken packten rigoros zu und ließen sich auch durch etliche Zeitstrafen nicht stoppten. Sie demonstrierten wilde Entschlossenheit, das war in erster Linie bei dem Magdeburger Hünen Finn Lemke zu erkennen. Sigurdssons Team ließ in den ersten 30 Minuten des Finales sogar nur sechs spanische Treffer zu, ein höchst erstaunlicher Wert. Es gab allerdings auch eine andere Besonderheit: Reichmann, der in Polen bei Vive Kielce unter Vertrag steht, patzte beim Siebenmeter, insgesamt zweimal. Aber das steckte Deutschland leicht weg.



Das Team strebte danach, diesen Sonntag partout zu vergolden. Und übte permanent Druck auf die Spanier aus. Die Deutschen konnten auf den „Hexer“ Wolff bauen, der eine Erfolgsquote von 48 Prozent hatte. Auf die bemerkenswerte Treffsicherheit des nachnominierten Linkshänders Kai Häfner, der sieben Mal traf und umgehend zu einer festen Größe im Nationalteam wurde. Auf ihren unerschütterlichen Teamgeist. Dieser Zusammenhalt trug sie durch diese EM, und er zermürbte am Sonntag Spanien, das letztlich hilflos wirkte in Anbetracht der „deutschen Wand“.

Deutschland war bisher einmal Europameister geworden, 2004 in Slowenien. Damals war es allerdings einer der Favoriten. Nun gelangten die Deutschen sozusagen aus dem Hinterhalt ganz nach oben. „Eine unglaubliche Leistung“, sagte Hanning. Sie ließ Sigurdssons Aufsteiger am Sonntag in einen kollektiven, grenzenlosen Glückstaumel eintauchen.

© dpa, reuters Deutsche Handballer holen EM-Titel

Quelle: FAZ.NET

 

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