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Veröffentlicht: 01.02.2016, 21:14 Uhr

Handball-Glosse Der Wolff in uns allen

Jaaah! Einmal auch so brüllen! In Zeiten des allgemein gefühlten Kontrollverlusts hat es gutgetan, zu sehen, wie dieser deutsche Riese den anderen die Grenzen zeigt. Wie er mit seinem Team ganz Europa bändigt.

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© AFP So klar im Kopf. So unhysterisch. So voll und ganz bei sich: Torwart Andreas Wolff.

Wie sich das anfühlen mag – einmal derart die Kontrolle zu haben wie Andreas Wolff? Der Mann kann ja nicht nur so schnell und präzise seine Tentakel ausfahren, dass er im Finale der Handball-EM fast 50 Prozent aller Torwürfe vereitelte. Er beherrscht auch die übermenschliche Fähigkeit, im entscheidenden Moment seine eigene knallgelbe Körpersilhouette so zu erweitern, dass den Gegnern der Schreck in die Glieder fährt, bevor sie überhaupt geworfen haben.

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Ausgefuchste Spanier trafen so im Endspiel das Tor nicht mehr. Und mancher begann, an Magie zu glauben – spätestens bei der Doppelparade gegen Schluss des Endspiels von Krakau, als Wolff Reflexe zeigte, die auf nichts anderes mehr zurückzuführen sein konnten als auf eine übernatürliche Beziehung zum Ball. Danach schoss dem rothaarigen Riesen das Adrenalin so pfeilschnell in die Adern, dass er nur noch brüllen konnte.

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Jaaah! Einmal auch so brüllen! In diesen Zeiten des allgemein gefühlten Kontrollverlusts hat es gutgetan, zu sehen, wie dieser deutsche Riese den anderen die Grenzen zeigt. Wie der Vierundzwanzigjährige zusammen mit seinem Team ganz Europa bändigt.

Klar: Er ist nur ein Sportler, und was wir da gesehen haben, ist nur ein Spiel. Aber wir wissen es jetzt, wir wollen auch ein bisschen so sein, wie Wolff zumindest bei diesem Turnier war. So klar im Kopf. So unhysterisch. Zu hundert Prozent auf ein Ziel ausgerichtet. So voll und ganz bei sich. Das hat nicht nur er ausgestrahlt, sondern die ganze Mannschaft: eine innere Sammlung, die durch nichts erschüttert werden konnte.

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Nicht einmal den Jubel der Zuschauer nimmt Wolff nach seinen Glanzparaden wahr. Er sei viel zu sehr mit seinem eigenen Jubel beschäftigt, sagt er. Und das in einer Arena, die man als gesundheitsbewusster Mensch ohne Ohrstöpsel eigentlich nicht betreten sollte. Ein großer Optimismus geht davon aus: Wer die nötigen Grundlagen besitzt und sich so konzentrieren kann – der kann alles erreichen, auch das unerreichbar Scheinende.

Der deutschen Handball-Nationalmannschaft wird jetzt eine große Zukunft vorausgesagt. Aber so wie bei dieser EM wird es nie wieder sein. Dass ein junges, nur der Fachwelt bekanntes Team sich so entschlossen ins Bild katapultiert. Am Freitag, nach dem Halbfinale, hatte Wolff schon gesagt: Wir gewinnen auf jeden Fall.

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Das hielten Skeptiker vielleicht noch für ein bisschen kühn. Zumal seine Weggefährten bei seinem Klub in Wetzlar den gebürtigen Rheinländer als ziemlich redselig beschreiben – und ein bisschen besserwisserisch. Es war dann schon verblüffend, auf welch überzeugende Weise er recht behielt. Das nächste Mal allerdings werden ihm alle glauben.

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