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Handball Deutschland verpaßt den goldenen Wurf

29.08.2004 ·  Wie schon bei der letzten WM unterlagen die deutschen Handballer in Athen den Kroaten im Finale. Dem Europameister bleibt nach dem 24:26 und einem begeisternden Turnier die Silbermedaille.

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Die deutschen Handballer sind in einem Herzschlag-Finale gegen Kroatien an ihrer Abschlußschwäche gescheitert und haben den Olympiasieg verpaßt.

24 Jahre nach dem Triumph der DDR-Auswahl in Moskau unterlag der Europameister am Sonntag in einer Neuauflage des WM-Endspiels gegen den Weltmeister mit 24:26 (12:11). Mit der Silbermedaille konnte die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand am Sonntag nicht den goldenen Schlußpunkt mit dem erhofften 15. Olympiasieg für das deutsche Team in Athen setzen. „Wir haben Gold verloren, aber Silber gewonnen“, kommentierte der Lemgoer Daniel Stephan. „Wir können alle stolz sein. Mit ein bißchen Abstand werden wir uns freuen.“

Zu schwacher deutscher Rückraum

Rund 5000 deutsche Fans unter den 12.000 Zuschauern im Helliniko Sports Complex von Athen hatten das Team um den mit neun Treffern überragenden Linksaußen Stefan Kretzschmar (SC Magdeburg) frenetisch angefeuert, doch am Ende gingen den Deutschen im achten Spiel Kraft, Glück und Durchsetzungsvermögen aus. Bis zum 20:19 in der 47. Minute sah es gut aus, doch in der Schlußphase avancierte neben dem neunfachen Torschützen Mirza Dzomba Linksaußen Niksa Kaleb mit drei Treffen in Serie zum kroatischen Spieler des Tages. Nach der Schlußsirene flossen auf beiden Seiten Tränen. Die Lebensgefährtinnen und Frauen mußten den deutschen Spielern ersten Trost zusprechen.

Große Emotionen durchlebten in ihrem vermeintlich letzten Länderspiel neben Christian Schwarzer auch Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Klaus-Dieter Petersen. „Natürlich wird deshalb Melancholie aufkommen“, sagte Kretzschemar. Er rechnet aber im Hinblick auf die WM in drei Jahren in Deutschland noch mit Überredungsversuchen des Bundestrainers: „Heiner Brand wird vielleicht noch mal mit dem einen oder anderen das Gespräch suchen.“ Kretzschmar fügte hinzu: „Ich kann mich über dieses Silber nicht wirklich freuen, und auch mit etwas Abstand wird nicht die große Freude aufkommen. Das war definitiv mein letztes Länderspiel.“

Brand: „Wir können stolz sein“

Brand bemängelte vor allem, dass „wir zu viele Chancen nicht genutzt haben. Es ist natürlich bitter, daß in Pascal Hens wieder mal bei einem großen Turnier ein wichtiger Spieler verletzt ausfiel.“ Dennoch erinnerte Brand auch an die positive Seite der Medaille: „Wir haben in Deutschland wieder eine Handball-Begeisterung entfacht, das ist doch auch etwas, worauf wir stolz sein können.“

Brands Maxime ging ausgerechnet im Finale nicht in Erfüllung. „Spiele gewinnt man vorne - große Meisterschaften hinten“, sagt der 52jährige, der als Aktiver einer der weltbesten Abwehrspieler war. Doch die Deutschen verloren das Spiel um Gold im Angriff mit einer katastrophalen Wurfausbeute. „Leider ist unsere Angriffsschwäche heute zur Geltung gekommen“, räumte Rückraumspieler Stephan ein.

Wie schon beim 21:15-Sieg im Halbfinale gegen Sydney-Olympiasieger Rußland stand die 6:0-Deckungsformation wiederum wie ein Bollwerk. Vor allem Welthandballer Ivano Balic wirkte schier entnervt und machte nicht ein Tor. Wenn die Kroaten eine Lücke fanden, war lange Zeit Torhüter Henning Fritz schier unüberwindbar. Auch Kroatiens „Tormaschine“ Dzomba, der bei den sieben vorangegangenen Siegen der Kroaten 46 Treffer erzielt hatte, konnte den Kieler nicht immer überwinden.

Drei-Tore-Vorsprung verspielt

Die Neuauflage des WM-Endspiels von Lissabon 2003, das die DHB- Auswahl mit 31:34 verloren hatte, war zu Beginn von großer Nervosität und vielen technischen Fehlern geprägt. Zweimal Christian Schwarzer und Kretzschmar sorgten beim 4:3 (12.) für die erste Führung, die Mitte der ersten Hälfte erstmals drei Tore betrug (8:5). Dem Rückraum fehlte es allerdings die Durchschlagskraft, erst nach 14 Minuten gelang Zerbe das erste Tor aus der zweiten Reihe.

Trumpfkarte im deutschen Angriffsspiel waren die Außen Kretzschmar und der Lemgoer Florian Kehrmann (5 Tore), die mit ihren Trickwürfen und schnellen Gegenstoß-Toren dafür sorgten, daß auch nach der Pause der Europameister die Führung zunächst behauptete. Aber trotz eines 15:12 (36.) und 16:13 gelang es nicht, sich entscheidend abzusetzen. Plötzlich lagen die Deutschen sogar wieder mit 17:18 zurück (43.), weil die Wurfquote im Angriff bis auf Kehrmanns fantastische „Dreher“ und Kretzschmars mutige Würfe von Linksaußen schlecht war. Auch Brands Reaktion mit einer Auszeit fünf Minuten vor dem Ende brachte keine Wende mehr, der dritte Olympiasieg nach 1936 auf dem Feld und 1980 in Moskau blieb den deutschen Handballern versagt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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