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Handball-Bundesliga : Der frische Hunger der Füchse

  • -Aktualisiert am

Maßgeblicher Wurf über die Mauer: Der Ball ging rein! Bild: dpa

Die Berliner stehen ungeschlagen an der Spitze der Handball-Bundesliga – und hoffen auf einen goldenen Oktober. Manager Hanning greift dafür auch gerne in die Vereinskasse.

          Manchmal sind es nur Sekunden, die darüber entscheiden, ob etwas Außergewöhnliches ins Rollen gerät. Wenn der Handballspieler Steffen Fäth vor einer Woche in Leipzig einen ganz normalen Freiwurf ausgeführt hätte, der in der Mauer hängen geblieben oder weit am Tor vorbeigeflogen wäre, dann würden die Füchse Berlin heute nicht mit 14:0 Punkten an der Tabellenspitze der Bundesliga stehen. „Ganz ehrlich, wir müssen uns bei Steffen bedanken“, sagt Paul Drux, Rückraumspieler der Füchse Berlin. „Wenn er in Leipzig danebenhaut, gehen wir mit einem ganz anderen Gefühl da raus und auch in das nächste Spiel.“ Fäth aber gelang ein ebenso glücklicher wie phänomenaler Siegtreffer, der dazu führte, dass die Füchse drei Tage später wie entfesselt gegen den TBV Lemgo auftraten und ihre bislang souveränste Saisonleistung zeigten. An diesem Donnerstag haben die Füchse gegen den HC Erlangen das achte Spiel in Serie gewonnen und legen den besten Ligastart der Vereinsgeschichte hin.

          2007 aus der zweiten Liga aufgestiegen, qualifizierten sich die Füchse in der Saison 2010/11 zum ersten Mal für die Champions League und zogen auf Anhieb ins Final Four ein. Auch damals starteten sie mit 14:0 Punkten in die Saison. 2014 gewannen die Berliner den DHB-Pokal, 2015 den Europapokal sowie die Vereins-Weltmeisterschaft in Doha, die sie auch 2016 für sich entscheiden konnten. In nahezu jeder Saison präsentierten die Füchse in einem Wettbewerb eine herausragende Leistung. Was bislang noch fehlte, war die Konstanz über die gesamte Spielzeit. Dementsprechend haben die Berliner im Kampf um die deutsche Meisterschaft bislang auch keine Rolle gespielt. Budget, Kaderbreite, Verletzungen – es gibt viele Gründe, warum die Füchse nicht in die Phalanx der großen drei vordringen konnten.

          Nun hat sich die Liga aber verändert. Der THW Kiel, die Rhein-Neckar Löwen und die SG Flensburg-Handewitt sind nicht mehr das Maß aller Dinge, das Niveau ist ausgeglichener, und bislang ist es den Berlinern gut gelungen, davon zu profitieren. Dennoch weisen die Verantwortlichen bislang noch jegliche Meisterschaftsambitionen oder Träume von der Champions League von sich. Das Saisonziel sei nach wie vor die Qualifikation für den Europapokal. „Wir müssen jetzt erst mal in den großen Spielen beweisen, dass wir eine Spitzenmannschaft sind“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Bislang hatten die Berliner ein vergleichsweise angenehmes Programm: Bei Gegnern wie Hüttenberg, Stuttgart oder Gummersbach konnte das Team auch verkraften, dass zwischenzeitlich nahezu der gesamte Rückraum verletzungsbedingt ausfiel. „Wenn wir da schon gegen die Rhein-Neckar Löwen gespielt hätten, würde die Tabelle heute wohl anders aussehen“, sagt Drux. Allerdings hatten die Füchse gerade vermeintlich leichte Spiele in der Vergangenheit auch schon mal verloren.

          „Ich glaube, dass wir einen großen Schritt nach vorn gemacht haben“, sagt Hanning. Ein Grund für die Entwicklung ist Trainer Velimir Petkovic, den Hanning im Dezember 2016 geholt hat, nachdem die Zusammenarbeit mit Vorgänger Erlingur Richardsson gescheitert war. Petkovic gelang es zum Beispiel, Rückraumregisseur Petar Nenadic zu bändigen. Der Serbe, für seine ebenso brillante wie eigensinnige Spielweise bekannt, lernte, mannschaftsdienlicher zu agieren, was dazu führt, das der Ball bei den Füchsen nun schneller läuft und sie weniger ausrechenbar sind.

          Maßgeblicher Mann an der Linie: Der Berliner Trainer Velimir Petkovic
          Maßgeblicher Mann an der Linie: Der Berliner Trainer Velimir Petkovic : Bild: dpa

          Diese Entwicklung kommt auch Fäth entgegen. Der Nationalspieler, der sich nach seinem Wechsel von der HSG Wetzlar vor einem Jahr selbst als „Fremdkörper im Team“ bezeichnete und der unter Richardsson kaum Einsatzzeiten erhielt, hat sich inzwischen zu einem essentiellen Bestandteil für den Erfolg der Füchse gemausert. Ein weiterer Faktor ist Kevin Struck. Der junge Linksaußen verfügt über hervorragende Qualitäten in der Abwehr. Da er auf der Position eines Rückraumspielers deckt, können die Füchse Offensivspezialisten wie Nenadic in der Deckung auf die weniger zentrale Position nach außen schieben. Dadurch bleibt Nenadic oft auch in der Verteidigung auf dem Feld, wodurch die Füchse schneller und effizienter im Gegenstoß handeln können. „Unsere Abstimmung passt jetzt einfach“, sagt Drux.

          In diesen Wochen wird sich entscheiden, ob die Füchse noch einen Schritt weiter gehen können. Dann treffen sie auf Hannover, Flensburg und Kiel. „Wenn wir einen goldenen Oktober spielen, bin ich bereit, die Messlatte höher zu legen“, sagt Hanning. Dafür wagt er auch einen Griff in die Vereinskasse: Seit dem Spiel in Leipzig erhalten seine Spieler für jeden Sieg 5000 Euro Prämie. 10 000 Euro hat das Team schon gesammelt. „Ich mache das so lange weiter, bis wir nicht mehr gewinnen“, sagt Hanning. Vorsichtshalber habe er schon mal ausgerechnet, was auf ihn zukommt, sollten die Berliner bis zum Saisonende nur noch Siege erringen. Das wäre dann mehr als das Jahresgehalt eines einzelnen Füchse-Spielers. Ein gewisser Drang nach dem ganz großen Wurf ist zweifellos zu spüren in Berlin.

          Quelle: F.A.Z.

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