Nur seiner Schnelligkeit hatte es Jon Dahl Tomasson zu verdanken, dass er nicht von seinen Teamkollegen erdrückt wurde. Mit einem kurzen Sprint zur Seitenauslinie brachte sich der Torjäger in Sicherheit, nachdem er mit einem Doppelpack den 2:1 (1:0)-Sieg der Dänen in der WM-Gruppe A gegen Uruguay perfekt gemacht hatte.
Dem Jubel seiner Landsleute auf den Rängen des Munsu-Stadions von Ulsan wollte sich der 25-Jährige von Uefa-Cup-Sieger Feyenoord Rotterdam danach jedoch nicht entziehen. Mehrere hundert nach Südkorea mitgereiste Dänen feierten nach dem Schlusspfiff noch lange ihren ersten Helden dieser Weltmeisterschaft. „Ich war's ja nicht alleine, das war eine großartige Leistung der ganzen Mannschaft“, sagte Tomasson und gab alle Komplimente der Mitspieler artig zurück.
Olsen dämpft Euphorie
So bescheiden er hinsichtlich seiner eigenen Verdienste blieb, so hoch lobte er das Gemeinschaftswerk: „Wir haben fast perfekt gespielt. Wenn wir von schwereren Verletzungen verschont bleiben, können wir in diesem Turnier weit kommen.“ Während Tomasson als Torjäger die Hoffnungen des Europameisters von 1992 auf das Erreichen des Achtelfinals nährte, dämpfte Trainer Morten Olsen trotz der Tabellenführung die Euphorie: „Frankreich ist für mich immer noch der Favorit auf den Gruppensieg, dahinter kämpfen wir jetzt wohl mit Senegal um den zweiten Platz.“
Mit gestärktem Selbstbewusstsein müsse man am Donnerstag auch im Spiel gegen den Frankreich-Bezwinger „dagegen halten“, so der 52-Jährige: „Es sind noch sechs Punkte zu vergeben, und ein Sieg reicht nun mal nicht.“ Auch Ebbe Sand maß der nächsten Aufgabe gegen Senegal entscheidende Bedeutung zu: „Für uns wäre es besser gewesen, wenn Frankreich das Eröffnungsspiel gewonnen hätte. So dürfen wir das nächste Spiel auf keinen Fall verlieren“, sagte der letztjährige Bundesliga-Torschützenkönig von Pokalsieger Schalke 04.
Traumhafte Kombinationen
Für seinen Sturmpartner Tomasson ist klar: „Wenn wir nach diesem Sieg trotzdem in der Vorrunde scheitern, wäre das eine Riesenenttäuschung.“ Neben dem zweifachen Torschützen hatte Jesper Grönkjaer die größten Verdienste am überzeugenden Erfolg von „Danish Dynamite“ gegen die „Uru-Zauberer“.
Beide Tore hatte der Angreifer des FC Chelsea London vorbereitet. So zeigte sich Olsen auch rundum zufrieden: „Jon hat die Tore geschossen. Aber zum Glück befindet sich nicht nur er in bestechender Form. Beiden Toren gingen traumhafte Kombinationen voraus - mehr kann man sich als Trainer nicht wünschen.“
Töfting mit Fußbruch?
Einen Wunsch hat Olsen allerdings: Dass sich der Verdacht auf Fußbruch beim Ex-Hamburger Stig Töfting nicht bestätigt. „Ich habe das Gefühl, dass etwas in meinem linken Fuß kaputt ist“, meinte der Mittelfeldspieler, der mit Schmerzen bis zum Schlusspfiff durchgehalten hatte.
Recoba überzeugt
Der zweimalige Weltmeister Uruguay hatte durchaus Möglichkeiten, das Spiel für sich zu entscheiden. Besonders Stürmerstar Alvaro Recoba von Inter Mailand ließ etliche Male sein Können aufblitzen und brachte die dänische Hintermannschaft mit Freistößen, genauen Pässen und Sololäufen in Verlegenheit.
Für den zwischenzeitlichen Ausgleich nach Tomassons Führungstreffer (45.) sorgte allerdings Dario Rodriguez (47.) mit einem sehenswerten Volleyschuss von der Strafraumgrenze.
Doch auch wenn Tomasson mit seinem zweiten Tor (83.) die Niederlage der Südamerikaner besiegelte, sah Uruguays Trainer Victor Pua noch nicht schwarz: „Wir haben doch gut gespielt. Fehler habe ich nicht gesehen, aber Dänemark hat seine Tore zum richtigen Zeitpunkt geschossen.“ Für die kommenden zwei Spiele gegen Frankreich (6. Juni) und Senegal (11. Juni) glaubt der 46-Jährige weiter an die Chancen seiner Mannschaft: „Wir sind weiter im Rennen, ein Sieg - und wir sind zurück.“