Und wieder hat Ferrari einen Grand Prix per Stallorder entschieden - diesmal jedoch nicht so plump wie in Spielberg.
Dort musste Rubens Barrichello den Weltmeister kurz vor dem Ziel passieren lassen, in Budapest nun wurde Michael Schumacher bewusst in der Box und später auf der Strecke ausgebremst, damit Barrichello Boden im Rennen um WM-Platz zwei gut machen konnte.
Ferrari erneut Konstrukteursweltmeister
Der Brasilianer gewann das Formel-1-Rennen auf dem Hungaroring, sein Rennstall Ferrari damit vorzeitig die Konstrukteurswertung - und das bereits zum vierten Mal in Folge. Der zweitplatzierte Michael Schumacher, in Budapest deutlich schneller als Sieger Barrichello, fuhr zum 110. Mal aufs Podest, natürlich Rekord im Circuit.
„Das war ein wunderbare Abschluss für die Teamwertung“, sagte Michael Schumacher. „Es war eine perfekte Strategie, die Unterschiede bei unseren Autos waren sehr gering. Der zweite Platz war heute das, was ich maximal erreichen konnte.“
In der Markenwertung ist Ferrari mit 157 Punkten auch in den ausstehenden vier Rennen von seinen Verfolgern BMW-Williams (80) und McLaren-Mercedes (54) nicht mehr einzuholen.
Barrichello nun Zweiter vor BMW-Piloten
Ebenfalls aufs Treppchen kam Ralf Schumacher, der seinen BMW-Williams nach tadellosem Rennen auf Position drei lenkte und so nach eigenen Angaben immerhin „erster der B-Wertung“ und deshalb „sehr zufrieden“ war.
Mit 40 Zählern ist der jüngere der Schumacher-Brüder in der Fahrerwertung derzeit hinter Barrichello (45) Dritter, punktgleich mit Teamkollege Juan Pablo Montoya, der diesmal ebenso punktlos blieb wie Nick Heidfeld als Neunter im Sauber.
„Ein toller Tag“
Mit dem sechsten Doppelsieg der Saison holte Ferrari den zwölften Siegerpokal in der Markenweltmeisterschaft seit 1961 - soviele hat in der Geschichte der Königsklasse noch kein Rennstall erobert. Williams holte bisher neun, McLaren acht Team-Titel.
„Ein toller Tag für uns alle“, jubelte Barrichello nach dem dritten Sieg seiner Karriere überglücklich. „Alles hat heute gepasst. Wir hatten die besten Autos. Wir hatten keine direkte Teamorder, aber wir wollten den Doppelsieg nach Hause fahren.“
Barrichello hatte nach 306,069 Kilometern 0,434 Sekunden Vorsprung auf Vorjahressieger Schumacher, der sich auf den letzten Runden vornehm zurückhielt und auf Attacken verzichtete. „Ich wollte gar nicht überholen, auch wenn es vielleicht so aussah“, versicherte er schmunzelnd. „Ich wollte nur ein bisschen Spaß haben.“
Rückschlag für Montoya
Als zufriedener Dritter der Hitze- und Reifenschlacht konnte Ralf Schumacher seinen dritten Rang zusammen mit seinem Montoya behaupten. Der Heißsporn aus Kolumbien musste dagegen im Vierkampf um den Vizetitel einen herben Rückschlag einstecken: Bei einem Überholmanöver des Finnen Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) wurde der Südamerikaner abgedrängt und fiel nach einem außerplanmäßigen Boxenstopp zunächst auf den 18. Platz zurück.
Die Silberpfeile von McLaren-Mercedes holten durch den finnischen Jungstar Räikkönen (4.) und den Schotten David Coulthard (5.) fünf Punkte. Coulthard kann trotz der mageren Ausbeute mit nunmehr 34 Punkten noch vom zweiten WM-Platz träumen. „Gute Strategie, gute Leistung des Teams“, resümierte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.