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Griechenland-Glosse Mahnender Olympia-Schrott

02.01.2012 ·  2004 leistete sich Griechenland die Olympischen Spiele in Athen. Das Sportfest in der Heimat der Spiele hat einen Anteil an der heutigen Krise des Landes. Das hat nun auch IOC-Präsident Rogge attestiert.

Von Evi Simeoni
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© AFP Olympische Ruinen: Der Hellenikon-Sportkomplex mit Stadien für Hockey und Baseball und Wildwasser-Kanal wird kaum genutzt

Wir hatten gleich so ein komisches Gefühl damals, an jenem warmen Abend Ende August 2004, als die elegante Gianna Angelopoulos-Daskalaki im Olympiastadion zu Athen das Wort ergriff. Am Ende der Olympischen Spiele verkündete die Organisationschefin mit Vibrato in der Stimme, das ganze griechische Volk habe die Goldmedaille verdient für die Ausrichtung dieser einzigartigen Spiele, die mit einer pittoresken Schlussfeier zu Ende gingen.

Aber natürlich wurde an einem solchen Abend das leise Unbehagen ziemlich schnell von der für Olympia-Schlusstage typischen Sentimentalität hinweggespült. Fast acht Jahre später jedoch ist klar: Mehr als diese verbale Goldmedaille, die das Volk damals von Angelopoulos-Daskalaki erhielt, ist auf der Haben-Seite von den Olympischen Spielen in Athen nicht zurückgeblieben.

Kaum war die Schlussfeier zu Ende, begab sich die Industriellengattin, die mit unbändigem Ehrgeiz das Großereignis ins Ziel gebracht hatte, wegen schwerer Erschöpfungszustände vorübergehend in eine Schweizer Klinik. Das Land aber - wir wissen es alle - hängt mehr denn je am Tropf.

13 Milliarden für die Spiele

Die prunkvollen Spiele von damals haben - das machte jüngst Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, deutlich - „bis zu zwei oder drei Prozent“ der griechischen Auslandsschulden verursacht. „Man kann ohne weiteres sagen, dass die Spiele von 2004 ihren Beitrag dazu geleistet haben“, erklärte Rogge in einem Interview mit der griechischen Tageszeitung „Kathimerini“. Auf 13 Milliarden Euro werden die Kosten beziffert - genau genommen steht nun also mit ein bisschen Verzögerung ganz Europa für den teuren Prunk gerade.

Zugegeben: Im Land der Akropolis haben Ruinen eine besondere Bedeutung. Aber die inspirierende Wirkung von verfallenden Stadien, in deren Ecken sich der Müll staut, verrottenden Wasserbecken und bröckelnden Tribünen hält sich in Grenzen. Dabei wurden die Anlagen einst mit äußerster Anstrengung errichtet. Nachdem die Griechen es drei Jahre lang verschlafen hatten, den ersten Spatenstich zu setzen, mussten sie mit Doppelschichten und Dreifach-Kosten den Rückstand aufholen.

Obwohl der Bau-Marathon auch nachts weiterging, wurden einige Sportstätten erst kurz vor der Eröffnung der Spiele fertig. „Die Kosten hätten geringer ausfallen können“, sagte Rogge, der sich gerne vornehm und zurückhaltend ausdrückt.

Abriss oder Mahnung

Eigentlich nämlich kann es angesichts des Athener Olympia-Schrotts nur eine treffende Empfehlung geben: So nicht! Heute versucht das Land verzweifelt, die Kulissen seiner einstigen Selbstinszenierung loszuwerden, mit denen nur sechzehn Tage lang Staat zu machen war. Die wenigsten werden heute noch genutzt.

Im Gegenteil, die überflüssigen Gebäude verursachen so hohe Kosten, dass die Regierung erwägt, sie abreißen zu lassen. Dabei müsste man sie gerade jetzt stehen lassen - als Mahnung. Eine Informationsreise für aktuelle Olympiabewerber könnte sich lohnen - zum Beispiel für Delegationen aus Rom, Madrid oder Tokio.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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