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Golfprofi Rory McIlroy Ein perfektes Jahr

 ·  Er ist die Nummer eins in der Welt, „Spieler des Jahres“, Spitze in den Geldranglisten. Golfprofi Rory McIlroy schwebt über allem. Mit seinem Ausrüstervertrag bei Nike könnte er Tiger Woods als Großverdiener überholen.

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© dpa Vergrößern McIlroy mit Trophäen: Siegerfoto mit Caroline Wozniacki in Dubai

Das Video mit der hellseherischen Vorhersage von Gerry Kelly wird im nordirischen Fernsehen gerne ausgestrahlt, wenn Rory McIlroy einen großen Sieg feiern konnte. Im Jahr 1999, kurz nachdem er in Miami die Jugend-WM in der Altersklasse bis zehn Jahre gewonnen hatte, trat der damals neunjährige Knirps in der populären Talkshow „Kelly“ auf. Er schlug Übungsgolfbälle aus Plastik (“Luftbälle“) mit einem kurzen Annäherungsschlag (Chip) in die Trommel einer Waschmaschine, ganz so, wie er sich in der elterlichen Wohnung in Holywood, einem Vorort von Belfast, stundenlang die Zeit vertrieben hatte, wenn er nicht im Freien trainieren konnte. Am Ende verabschiedete Kelly den Dreikäsehoch mit den Worten: „Die Amerikaner haben Tiger Woods, wir haben den jungen Rory.“

Was vor mehr als dreizehn Jahren den Zuschauern noch als gewagter Vergleich erschienen sein mag, ist längst von der Realität eingeholt worden. Der „keltische Tiger“ führt souverän die Weltrangliste an. Mit rund 4,6 Durchschnittspunkten ist der Abstand zu seinem nächsten Verfolger Luke Donald fast so groß wie der zwischen dem Engländer und dem Mettmanner Martin Kaymer, dem 28. der Hackordnung. Woods, der die Rekordzahl von 623 Wochen an der Spitze stand, viele davon mit einem Riesenvorsprung, beendet das Jahr nach drei Siegen auf der PGA Tour knapp hinter Donald auf Platz drei.

Es hagelt Ehrungen

Auch die grandiose Saisonbilanz des ehemaligen Wunderkinds, noch eine Parallele zu Woods, erinnert an die besten Jahre des Amerikaners: McIlroy feierte sechs Siege, vier in den Vereinigten Staaten und zwei auf der European Tour. Er deklassierte im August bei der PGA Championship die Konkurrenten und gewann mit dem Riesenvorsprung von acht Schlägen, genauso viele wie bei seinem US-Open-Sieg im Jahr zuvor. McIlroy schloss die Saison wie Donald im Vorjahr an der Spitze der Geldranglisten der beiden größten Turnierserien, der PGA Tour und der European Tour, ab. Allein spielend nahm der Nordire knapp 15 Millionen Dollar inklusive der Boni aus dem FedExCup (Zweiter) und dem „Race to Dubai“ (Sieger) ein. Dass es danach Ehrungen hagelte, war nicht verwunderlich. Die Kollegen auf der PGA Tour wählten ihn wie die European Tour zum „Player of the Year“.

© dpa Vergrößern Elegant und Effektiv: Rory McIlroy auf dem Weg zu seinem sechsten Saisonsieg in Dubai

Denn nicht nur mit seinen Erfolgen beeindruckte der „Spieler des Jahres“. „Es ist wie bei Tiger Woods in seinen besten Tagen. Wenn Rory mitspielt, weiß man, dass er immer um den Sieg kämpft“, sagt der Südafrikaner Branden Grace, der als Neuling auf der European Tour gleich vier Mal gewann. Bei seinen 31 Turnierauftritten landete McIlroy zwanzigmal unter den Top Ten. Und noch etwas erinnert an den einstigen Überflieger. Wenn es eng wird, kann „Rors“, wie er von den Kollegen gerufen wird, einen Gang hochschalten. Als er beim Abschlussturnier der European Tour, dem DP Dubai World Tour Championship, seinen Mitspieler Donald schon abgehängt hatte, überholte ihn auf einmal der Engländer Justin Rose mit einer Platzrekordrunde von 62 Schlägen kurzzeitig. McIlroys Antwort: Er spielte auf den letzten fünf Löchern fünf Birdies und gewann mit zwei Schlägen Vorsprung das Turnier.

Ausrüstervertrag bei Nike

Trotz all dieser Lobeshymnen und Vergleiche zu Woods weist McIlroy darauf hin, dass der in wenigen Tagen 37 Jahre alte Woods und sein 23-jähriger Nachfolger auf dem Golfthron ganz unterschiedliche Typen seien: „Ich kann nicht jede Woche mit der Intensität spielen wie Tiger. Ich kann das nur bei Turnieren, die mir ganz wichtig sind.“ Deshalb folgt McIlroy auch bei seiner Turnierplanung dem ehemaligen Großmeister. Wie Woods will er seine Arbeitsbelastung von 31 auf etwa 23 Turniere im Jahr reduzieren. Noch in einem anderen Punkt hört er auf den Rat von Woods, mit dem er sich in den vergangenen Monaten angefreundet hat. Er unterschrieb einen Ausrüstervertrag bei Nike. Der Zehn-Jahres-Vertrag mit dem amerikanischen Sportartikelhersteller soll mit 200 bis 250 Millionen Dollar dotiert sein - damit hätte er auch in diesem Punkt Woods als Großverdiener überholt.

Auch wenn das Jahr für McIlroy kaum besser hätte laufen können, bleiben noch Ziele: „Ich habe bei drei von vier Majors keine Rolle gespielt. Ich glaube, dass ich bei allen vier im nächsten Jahr um den Sieg kämpfen und meinen ersten Weltranglistenplatz halten kann“, sagt McIlroy Die Aussichten dafür stehen nicht schlecht, auch weil er die perfekte Balance zwischen Golf und seinem Privatleben gefunden hat: „Wenn ich kein Turnier spiele, reise ich dorthin, wo immer Caroline in der Welt auch sein mag. Das ist es, was mich glücklich macht.“ Nach Dubai begleitete er die Weltklasse-Tennisspielerin Caroline Wozniacki erst zum Höhentraining in Aspen und dann zu einem Schaukampf in São Paulo. Umgekehrt hält es die Dänin genauso - und dient unfreiwillig als Beweis dafür, dass privates und sportliches Glück nicht immer Hand in Hand gehen. Während McIlroy zum Besten der Zunft aufstieg, rutschte sie seit Beginn der Liaison vom ersten auf den zehnten Weltranglistenrang ab.

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