Tiger Woods hat die Konkurrenz der weltbesten Golfprofis bei der 134. British Open Championship auch nach zwei Runden auf dem legendären Old Course von St. Andrews voll im Griff. In unwiderstehlicher Manier baute der amerikanische Superstar (133-66+67) am Freitag seine Führung auf dem ältesten Golfplatz der Geschichte um vier Schläge auf die Verfolger mit dem Schotten Colin Montgomerie (137) an der Spitze aus.
Der Weltranglisten-Erste ist nach seinem Rekordsieg im Jahr 2000 mit 19 unter Par im Golf-Mekka von Schottland wieder auf direktem Weg zum 2. British Open-Titel. Die Bogey-freie 67er-Runde und 133 Schläge waren der beste Beweis.
„Noch ist nichts gelaufen. Aber wenn es so weiterläuft, kann ich gewinnen“, meinte der neunmalige Major-Sieger und untertrieb angesichts der Top-Leistung mächtig. Lokalmatador Montgomerie wird mit Woods auf die dritte Runde gegen und beschrieb seine Befindlichkeit mit viel Respekt. „So, wie Roger Federer beim Tennis in Wimbledon unschlagbar war, ist es Tiger Woods hier.“
Stuttgarter Schuster im Schatten des Tigers
Im Schatten des Tigers schien der Stuttgarter Shooting-Star Tino Schuster ein weiteres Kapitel seines märchenhaften Major-Debüts zu schreiben. Nach dem Aufsehen erregenden Platz 3 mit 68 Schlägen zum Auftakt konnte der 27jährige Stuttgarter am Freitag am Ende die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Scheinbar unbeeindruckt von der Dominanz des Spitzenreiters hatte der sich auf der drittklassigen Challenge Tour Europas tummelnde Schwabe bis Loch 10 sogar auf den zweiten Platz in die Reihe der ersten Verfolger von Woods geschossen.
Nach zwei Birdies auf den Löchern 4 und 5 chippte der Qualifikant, der sich erst im Stechen am vergangenen Sonntag ins Hauptfeld spielen konnte, sogar am 9. Grün seinen Ball zum spektakulären Eagle ein. Danach verlor der „Lehrling“ des Langer-Coaches Willi Hofmann jedoch total den Faden. Mit einer Serie von Bogeys und Doppel-Bogeys fiel der unerfahrene Schuster (142-68+74) auf 2 unter Par und Rang 39 zurück. „Ich habe nicht mehr gewußt, was ich tun soll“, gab er zu.
Langer läßt „Birdie-Chancen“ aus
Schusters Idol Bernhard Langer (140-71+69) nutzte das phasenweise ideale Sommerwetter und verbesserte sich von Platz 37 auf 15. „Da war mehr drin, weil ich zu viele Birdie-Chancen ausgelassen habe“, sagte der 47jährige Schwabe, der immer noch auf einen Open-Sieg wartet. Zum Abschied von Jack Nicklaus, der nach ehrenvollen Runden und nicht enden wollendem Applaus mit 147 Schlägen sein letztes Major seiner einmaligen Karriere spielet, hat auch der Weltranglisten-3. Ernie Els aus Südafrika mit einer 67er-Runde und 141 Schlägen wieder in die Erfolgsspur gefunden. In Lauerstellung kündigte der British-Open- Sieger von 2002 an: „Ich weiß, was ich zu tun habe. Es klingt vollmundig. Aber mit 15 unter Par kann ich gewinnen.“
Alexander Cejka (München) zitterte dagegen vergeblich um den Halbzeit-Cut der 70 Besten beim dritten Major des Jahres. Mit 146 Schlägen (74+72) lag der 34 Jahre alte gebürtige Tscheche zwei über dem Soll. „Das Pech am letzten Loch hat mir das Genick gebrochen. Ein schlechter Schlag auf der ganzen Runde am falschen Loch macht mir alles kaputt“, meinte Cejka verärgert. Er hatte am 18. Grün nach seinem Abschlag ins Aus nur noch Bogey und damit alles verspielt.
„Ich fühle mich schlecht. Es belastet mich vieles“, sagte Cejka. Vor wenigen Tagen erst hatte er erstmals nach zwei Jahren seine Kinder wiedersehen dürfen, die nach seiner Scheidung weiter bei ihrer Mutter in Prag leben. Der jüngste Umzug von Florida in die Nähe von Las Vegas war für ihn eher eine Flucht nach vorn. Seinen zugesagten Start ab Donnerstag auf Gut Kaden bei Hamburg stellte er in Frage.