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Golf-Kommentar In den Sand gesetzt

16.08.2010 ·  Martin Kaymers Sieg ist in keiner Weise geschmälert. Aber ein Regel-Kuriosum hat die Golf-Fans am Sonntag dennoch in Wallung versetzt. Dustin Johnson wurde aus ihrer Sicht zu Unrecht ums Stechen gebracht - weil er den Schläger in dünnen Sand setzte.

Von Wolfgang Scheffler
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Wenn man so will, war es der passende Abschluss der vier Majors des Jahres 2010, von vier Turnieren voller seltsamer Kapriolen. Die ersten beiden Großereignisse wurden von den privaten Eskapaden von Tiger Woods überschattet – und von der trügerischen Hoffnung, der Superstar könne den Wirbel in der Boulevardpresse schadlos überstehen. Nur beim Masters siegte mit Phil Mickelson einer der üblichen Verdächtigen. Woods spielte bei den letzten Großereignisse nur eine Nebenrolle. Den Nordiren Graeme McDowell und den Südafrikaner Louis Oosthuizen (US und British Open) hatte wie nun Martin Kaymer kaum jemand auf der Rechnung.

Der Deutsche war am Sonntag mit vier Schlägen Rückstand auf Nick Watney auf die Schlussrunde gegangen, aber der Amerikaner brach mit 81 Schlägen ebenso ein, wie zuvor Dustin Johnson bei den US Open. Damals hatte der Longhitter mit drei Schlägen Vorsprung geführt, war aber am Schlusstag in Pebble Beach mit 82 Schlägen weit zurückgefallen.

Am Sonntag hatte der 26 Jahre alte Amerikaner die Chance, diese Schmach zu tilgen, aber diesmal warf ihn ein Faux-pas aus dem Rennen. Er hatte am 18. Loch seinen Abschlag weit nach rechts verzogen. Der Ball landete in einer der über 1200 Sandkuhlen des Platzes, die - nicht nur weil oft Zuschauer darin stehen - nicht die entfernteste Ähnlichkeit mit geharkten Bunkern aufweisen, wie man sie ansonsten auf Golfplätzen vorfindet. „Mir ist nie in den Sinn gekommen, dass ich in einem Bunker sein könnte“, sagte Johnson. Deshalb setzte er vor dem Schlag sein Eisen 4 im Sand auf, ein Regelverstoß, der mit zwei Strafschlägen geahndet wird. Die Fernsehkameras zeigten, wie Johnson die „5“ auf seiner Scorekarte ausradierte und durch eine „7“ ersetzte und damit auf den fünften Platz zurückfiel - statt ins Stechen mit Kaymer und Watson zu gehen .

Regeln gelten für alle

Als am Sonntag sein Name von der Liste der Teilnehmer des Stechens gestrichen wurde, buhten viele Fans. Für sie war unverständlich, was an diesem letzten Loch passiert war. Man mag darüber den Kopf schütteln, dass nach einer lokalen Regel alle Sandflecken dieses Platzes als Bunker gelten, aber jeder Teilnehmer wurde vorher darauf aufmerksam gemacht: In der Umkleide prangte zudem ein Aushang, der auf diese Regelung hinwies. Deshalb nahm Johnson seine zwei Strafschläge wie ein Gentleman hin. „Es ist auf diesem Platz schwer, zu erkennen, was ein Bunker ist“, sagte Kaymer „es tut mir leid für Dustin. Er ist ein netter Kerl.“

Man mag darüber lamentieren, warum es im Golf so seltsame Regeln gibt, man mag beklagen, dass bei diesem Turnier jeder Fetzen Sand nach den Golfregeln zum Hindernis erklärt wurde. Aber es bleibt festzuhalten: Die Regel waren klar formuliert und sie gelten für alle. Und auch wenn es viele Amerikaner anders sehen: Kaymers Sieg wird dadurch nicht im geringsten geschmälert.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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