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Golf-Kommentar Hochspannung im Golf

 ·  Profigolf hat vorgemacht, wovon Tennisfreunde nur träumen können: Die Besten der Welt auch außerhalb der vier Traditionsturniere gegeneinander spielen zu lassen. In dieser Woche trifft sich die Elite bei der Accenture Matchplay Championship in Carlsbad.

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Als der damalige Weltranglistenerste Greg Norman vor vielen Jahren die Idee einer weltumspannenden Turnierserie propagierte, die nur den besten Golfprofis der Welt vorbehalten ist, und sogar kurz mit einer eigenen Veranstaltungsreihe liebäugelte, da schielten die Golfer noch neidisch zum Tennis. Mit der ATP und WTA Tour verfügte der Racketsport über Wettbewerbe, bei denen die Stars auch außerhalb der vier Grand-Slam-Turniere aufeinandertreffen konnten. "Konnten" lautet das Schlüsselwort; denn weder die Damen noch die Herren haben es verstanden, Turniere zu schaffen, bei denen die Asse sich komplett versammeln. Von der Besetzung überstrahlen die Grand-Slam-Turniere immer noch alles. Weder sogenannte "Tier1"-Turniere der WTA Tour noch die Masters-Serie der ATP Tour ziehen durch ihren herausgehobenen Status mehr Zugnummern an als kleinere Veranstaltungen, die zum Teil ganz offiziell Stars mit Antrittsgeld ködern dürfen.

Die Golfelite versammelt sich hingegen nicht nur zu den vier Majors vollständig. Vor fünf Jahren begann im kalifornischen Carlsbad das erste Turnier der World Golf Championship (WGC). Diese vier Veranstaltungen mit extrem hohem Preisgeld (sieben Millionen Dollar, davon 1,2 Millionen für den Sieger) und strengen Zugangsbeschränkungen haben es geschafft, die konkurrierenden Turnierserien der Welt unter einem gemeinsamen Dach zu versammeln. Und sie führten auch zur Anerkennung der Weltrangliste durch alle Profiorganisationen. Heute ist diese Hackordnung das Hauptzulassungskriterium für die WGC-Turniere.

An diesem Mittwoch geht diese Veranstaltungsserie mit der Accenture Matchplay Championship in Carlsbad ins sechste Jahr - und schon nach dieser im traditionsbewußten Golf kurzen Zeitspanne kann von einer Erfolgsstory gesprochen werden. Am besten formuliert das geglückte Rezept der Branchenprimus Tiger Woods: "Jeder Profi will gegen die besten Spieler der Welt antreten, und sie bei so zündenden Veranstaltungen mit verschiedenem Modus gegeneinander spielen zu sehen ist genau das, was die Öffentlichkeit will." In dieser Woche spielen bis auf den Südafrikaner Ernie Els, der wegen der Einschulung seiner Tochter verzichtete, sowie zwei verletzte Profis die 64 laut Weltrangliste besten Golfer der Welt im Lochspiel gegeneinander; zwei Veranstaltungen werden als im Profigolf übliches Zählspiel ausgetragen; und im EMC World Cup spielen Länderteams in Vierern, der Golfversion des Doppels.

Mit der WGC wurde zudem eine Tradition belebt, die im Profialltag fast schon ausgestorben schien: das Lochspiel, der Kampf Mann gegen Mann. Der birgt zwar viele Risiken, denn nur einmal gewann mit Woods im Vorjahr ein Top-ten-Spieler, und nur in 58 Prozent der Fälle setzte sich in den fünf Jahren Matchplay der höher eingestufte Spieler durch. Aber der Sprint über 18 Löcher (das Finale geht über 36 Löcher) steckt so voller Unwägbarkeiten, daß schon von der ersten Runde an Hochspannung garantiert ist - etwas, das nicht einmal die vier Majors von sich behaupten können.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.02.2004, Nr. 47, Seite 31
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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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