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Golf Goosen und das Mitleid der Golfgötter

 ·  Am Sonntag erntete er Hohn und Spott. Am Montag einen silbernen Pokal und 900.000 Dollar. Im Playoff gewann der Südafrikaner Retief Goosen die US Open.

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Bislang erholte sich dieser Retief Goosen immer wieder von Rückschlägen. Er brach sich beim Skifahren einen Arm und wurde sogar vom Blitz getroffen, doch jedesmal feierte der Südafrikaner ein Comeback.

Da war es für ihn eine leichte Aufgabe, zwei katastrophale Putts bei den US Open abzuhaken, die ihn um den bereits sicher geglaubten Sieg gebracht hatten. Oder etwa nicht? Da die ganze Golfwelt vom "Horror an Nr. 18" (Washington Post) sprach, schottete sich der Pechvogel von ihr vorübergehend ab. "Ich habe mir die Putts am abend nicht im Fernsehen angesehen", erklärte Goosen, "sondern ein gutes Gespräch mit meinem Sportpsychologen Jos Vanstiphout geführt."

Die therapeutische Maßnahme zur Vergangenheitsbewältigung lohnte sich. Denn 24 Stunden nach dem Malheur stand der 32-Jährige im Playoff des Major-Turniers wieder am schicksalsträchtigen Loch mit der Nummer 18. Das ultimative Ende des Par 70-Kurses als neuer Anfang.

Wie zwei Sechsjährige beim Minigolf

Goosen hatte zu diesem Zeitpunkt gegenüber dem Amerikaner Mark Brooks drei Schläge Vorsprung. Eigentlich konnte da nichts schiefgehen. Eigentlich. Dies hatten Fans und Profikollegen auch gedacht, bevor der Südafrikaner am Vortag zum Entsetzen aller den Hohlzylinder verfehlte. Da Stewart Cink das gleiche Kunststück fertigbrachte, erntete das Duo für den unfreiwilligen Gag in der US-Presse Hohn und Spott. "Das waren keine Profis sondern zwei Sechsjährige", machte sich zum Beispiel die Chicago Tribune lustig, "die beim Minigolf auf einer Geburtstagsparty versucht haben, den Ball aus einem halben Meter mit dem Geschick eines Elefanten einzulochen."

Doch Goosen schaffte mit einem Schlag die erfolgreiche Mutation von einer Lachnummer zur Nummer eins. Der Bogey-Putt aus knapp zwei Metern erreichte im Stechen sein Ziel, womit der böse Spuk endgültig vorbei war. "Ich wusste vor dem Putt, dass ich den Sieg in der Tasche hatte", erklärte der neue Champion, "und als der Ball tatsächlich ins Loch fiel, war dies eine ungemeine Erleichterung. Ich wollte unbedingt gewinnen und mir damit etwas beweisen."

Sein Leben ändert sich, nur wie?

Goosen triumphierte auf den Grüns des Southern Hills Country Club in Tulsa (US-Bundesstaat Oklahoma) letztlich mit zwei Schlägen Vorsprung vor Mark Brooks, seinem überraschenden Playoff-Gegner. Nach der Abschlussrunde am Sonntag hatten TV-Teams Brooks dabei gefilmt, wie er im Gefühl der sicheren Niederlage seinen Spind im Klubhaus ausräumte. Eine halbe Stunde später erfuhr der Amerikaner dann vom Putt-Desaster der führenden Goosen und Cink, das ihm einen Playoff-Platz bescherte. "Damit konnte nun wirklich niemand rechnen", meinte der Profi, "Goosen tat mir in diesem Augenblick leid."

Doch nach der "traurigsten Sache, die ich in unserem Sport bislang erlebt habe" (Paul Azinger), schienen die Golfgötter an einem sonnigen Montagnachmittag Mitleid mit Goosen zu haben. Freude statt Schadenfreude. Nach einer nervenaufreibenden Verzögerung hielt der schüchterne Profi endlich den silbernen Pokal in den Händen, den er traditionsbewusst im Blitzlichtgewitter der Fotografen küsste. Versüßt wurde der Triumph zudem noch mit einem Scheck über 900.000 Dollar. "Ich bin sicher, dass sich mein Leben jetzt ändern wird, aber ich weiß nur noch nicht wie", sagte Goosen, der als dritter Südafrikaner nach Ernie Els und Gary Player die US Open gewann.

Die Gunst der zweiten Chance

Eigentlich hatte jeder mit dem fünften Major-Triumph in Folge von Tiger Woods gerechnet, aber der beste Golfer der Welt landete nur auf Rang zwölf. "Ich habe mein bestes gegeben", erklärte der Superstar, "und das schöne an unserem Sport ist doch, dass man so etwas schnell abhaken kann und eine Woche später von neuem startet." Woods klang frustriert wie erleichtert zugleich, dass seine Zeit als absoluter Dominator vorerst vorbei ist. Der Konkurrenz fiel ein Stein vom Herzen. "Er kann beim Golf nicht jede Woche gewinnen", sagte Vijay Singh, "er ist auch nur ein Mensch." Wenn auch ein besonderer.

Und dieses Prädikat trifft auch auf Retief Goosen zu. Den Nobody, dessen besondere Story durch den US Open-Sieg um die Welt gehen wird. Denn als der Südafrikaner 1990 bei einem Amateurturnier spielte, wurde er von einem Blitz getroffen und litt dadurch jahrelang an gesundheitlichen Problemen. "Man kann wohl kaum etwas Schlimmeres überleben", meinte Goosen, der offenbar wie im Leben auch im Golf das Glück gepachtet zu haben scheint. Denn nur selten bekommt man bei einem Major eine zweite Chance.

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