15.08.2005 · Phil Mickelson und Davis Love III kämpfen bei der PGA Championship um den Sieg und gegen einen Makel. Denn trotz ihrer Erfolge sind in der kleinen Elite der Golfbranche noch immer nicht angekommen. Das soll sich für einen der beiden in Springfield ändern.
Von Wolfgang SchefflerDie beiden Kollegen und Freunde, die am Sonntag bei der 87. PGA Championship im Baltusrol Golf Club in Springfield als gemeinsame Spitzenreiter und als letztes Paar auf die Schlußrunde gingen, haben so viel gemeinsam, daß ihre Karrieren einander fast gleichen wie ein Ei dem anderen. Beide wurden von frühester Jugend als kommende Superstars gefeiert. Phil Mickelson feierte 1991 als 19 Jahre alter Amateur den ersten seiner 26 Erfolge auf der US PGA Tour. Davis Love III gelang mit 23 Jahren 1987 der erste seiner 18 Triumphe auf der amerikanischen Turnierserie.
Aber beiden haftete trotz aller Siege, trotz aller Berufungen in amerikanische Ryder-Cup- und Presidents-Cup-Teams lange der Makel an, der beste Spieler ohne Major-Titel zu sein. Beide legten ihn spät, mit 33 Jahren, ab: Love 1997 bei der PGA Championship im 38. Versuch, Mickelson im Vorjahr beim Masters bei seiner 43. Teilnahme an einem der vier Saisonhöhepunkte als Profi.
Kleine Elite
Doch in der kleinen Elite, der ganz Großen der Branche, sind sie immer noch nicht angekommen. Vor diesem Schlußtag in der schwülen Hitze von New Jersey - am Samstag stieg die Temperatur bis auf 39 Grad Celsius - standen beide, zumindest was die Erfolge bei den vier wichtigsten Turnieren angeht, in einer Reihe mit Scott Hamilton, Ben Curtis, Rich Beem, Shaun Micheel, Paul Lawrie, Jeff Sluman, Ian Baker-Finch oder Larry Mize - alles Kollegen, denen einmal das Glück bei einem Major lachte und die danach nie mehr ähnlich groß in Erscheinung traten.
"Wenn man das erste Major gewinnt", sagt Love, "dann ist man so arrogant, zu glauben, daß einem der nächste Sieg bei einem Major leichtfällt. Das ist aber nicht so." Sowohl Love, der am Samstag zum dritten Mal 68 Schläge benötigte, als auch Mickelson, der nach 72 Schlägen in der dritten Runde seine alleinige Führung abgab, können davon ein Lied singen. Love hatte seine Chancen beim Masters (Zweiter 1995 und 1999), bei den British Open (Vierter und Fünfter 2003 und 2004) und den US Open (Zweiter 1996). Mickelson hätte mit ein wenig mehr Fortune im Vorjahr sogar den Grand Slam schaffen können: Nach dem Sieg in Augusta belegte er bei den US Open Platz zwei, bei den British Open Rang drei und bei der PGA Championship Platz sechs. Aber in diesem Jahr spielte der Linkshänder trotz dreier Turniererfolge Anfang des Jahres wie der seit zwei Jahren auf einen Sieg wartende Love, der nur bei den US Open als Sechster den Cut überstand, keine Rolle: 10. beim Masters, 33. bei den US Open und 60. bei den British Open.
Langer zurückgefallen
"Wenn man ein Major gewinnt, gehört man zum Klub. Aber erst wenn man vier oder fünf gewonnen hat, ist man ein Superstar", sagt Love. Nach dieser Zählweise gehörte derzeit nur einer der aktiven Profis in diese Kategorie: Tiger Woods mit zehn Erfolgen bei den vier Traditionsturnieren. Der einzige "Superstar" verbesserte sich am Samstag zwar mit 66 Schlägen auf Platz zwanzig und überholte Bernhard Langer, der auf Platz 31 zurückfiel. Aber bei 19 vor ihm plazierten Konkurrenten und sechs Schlägen Rückstand auf das Führungsduo Mickelson/Love bedurfte es für den Weltranglistenersten schon eines kleinen Wunders, um den elften großen Titel einzuheimsen. Oder zumindest einer ähnlich furiosen Runde wie der des Dänen Thoms Björn, der sich am dritten Tag dank 63 Schlägen, der Einstellung des niedrigsten Rundenergebnisses bei den vier Majors, vom 36. auf den dritten Rang vorschob und damit einen Schlag vor dem Titelverteidiger Vijay Singh lag.
Dem Weltranglistenzweiten aus Fidschi bot sich damit aber die Chance, Loves Beschreibung als Superstar gerecht zu werden. Der 42 Jahre alte Titelverteidiger lag vor den 18 Schlußlöchern gemeinsam mit den Australiern Steve Elkington und Stuart Appleby mit nur zwei Schlägen Rückstand auf Platz vier. Für den Workaholic lag der vierte große Titel nach zwei Siegen bei der PGA Championship (1998 und 2004) und einem Masters-Sieg (2000) in Reichweite. Elkington, der PGA-Champion von 1995, durfte hoffen wie Ben Curtis, dem mit drei Schlägen Rückstand auf Platz acht liegenden British-Open-Sieger von 2003, aus der Reihe der sogenannten "One-Major-Wonders", aus dem Kreis der Spieler, die auf wundersame Weise einmal eines der vier Traditionsturniere gewannen, auszuscheren.
In der Versenkung verschwunden
Im Gegensatz zu Curtis, der nach den vier sonnigen Tagen an der englischen Kanalküste vor zwei Jahren tief in der Versenkung verschwand, hatte Elkington schon einmal kurz vor dem zweiten großen Triumph gestanden. Vor drei Jahren verlor er das Stechen bei den British Open in Muirfield und schied wie Appleby nach den ersten vier Löchern aus und mußte zusehen, wie Ernie Els seinen dritten Major-Titel im Sudden death gegen den Franzosen Thomas Levet holte.
"Diese Erfahrung ist ein Riesenvorteil", sagt der 41 Jahre alte Elkington - und wie im Fall des 34jährigen Dänen Björn spornen solche negative Erfahrungen an. "Ohne diesen Mißerfolg wäre ich nicht hier. Seitdem weiß ich, daß ich bei großen Turnieren mit der Weltspitze mithalten kann." Vor zwei Jahren benötigte er bei den British Open am 16. Loch drei Schläge, um seinen Ball aus einem Grünbunker zu befördern. Dazu hatte er in der ersten Runde schon zwei Strafschläge kassiert, als er nach einem Fehlversuch noch einmal ärgerlich in ein Sandhindernis hieb. Er beendete das Turnier gemeinsam mit Singh mit einem Schlag Rückstand auf den Überraschungssieger Curtis als Zweiter. Am Sonntag bot sich ihm die Chance, als erster Europäer seit 75 Jahren dieses letzte der vier Majors zu gewinnen und damit eine seit nunmehr sechs Jahren anhaltende Durststrecke der Profis vom alten Kontinent bei den vier wichtigsten Turnieren zu beenden.