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Golf Birdie Kim macht ihrem neuen Vornamen plötzlich alle Ehre

27.06.2005 ·  Die Südkoreanerin Birdie Kim hat den Angriff der Teenager abgewehrt und das anspruchsvollste Golfturnier der Welt gewonnen, daß es für Frauen gibt. Ihr Lohn war die bislang höchste Siegprämie im Damen-Golf.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Mit fünfzehn hat man noch Ansprüche. Und seien sie noch so überspannt wie die von Michelle Wie. Sie wollte schon immer berühmt werden, sagt sie. Aber für "Sachen, an die noch niemand gedacht hat, weil sie die Welt verändern und die Art und Weise, wie Menschen denken."

Zum Beispiel, daß Frauen auf dem Golfplatz Männer besiegen. Morgan Pressel hat sich noch nie solche Ziele gesteckt. Aber auch mit siebzehn hat man noch Träume. Aber die drehen sich bei ihr meistens ums Machbare. Zum Beispiel darum, das anspruchsvollste Golfturnier der Welt zu gewinnen, daß es für Frauen gibt - die US Open.

Aus dem tiefsten Sandhindernis ins Loch

Die blonde Schülerin aus Florida war am Sonntag in Denver sehr viel näher an ihrem Ziel war, als ihre zwei Jahre jüngere, aber sehr viel berühmtere Konkurrentin aus Hawaii. Als sie am Abschlag des 18. Lochs des Cherry Hills Country Club stand, lag sie zusammen mit einer bis dato völlig unbekannten Südkoreanerin mit Namen Kim an der Spitze des Feldes. Doch die Rivalin in der Gruppe vor ihr lochte ihren Ball aus dem tiefen Sandhindernis ein und erzielte einen Birdie, der in die Videoannalen der zum 60. Mal ausgetragenen US Open eingehen wird. Und dies auch vor deshalb, weil sich die 23 Jahre alte Südkoreanerin im vergangenen Jahr mit verblüffender Weitsicht ihre Vornamen Ju Yun abgelegt und sich einen neuen zugelegt hatte: Birdie.

Die Wangen waren noch feucht von den Tränen, als Morgan Pressel, die mit zwei Schlägen Rückstand Zweite geworden war, die Ereignisse zu erklären versuchte. Die siebzehnjährige Nichte des einstigen Top-Ten-Tennisspielers Aaron Krickstein, die sich vor vier Jahren zum ersten Mal für das Turnier qualifiziert hatte, war nicht die einzige herausragende Amateurspielerin von Cherry Hills. Auf dem 6.100 Meter langen Par-71 Platz teilten sich gleich zwei Amateure den zweiten Platz. Die andere war die 19 Jahre alte Brittany Lang, die derzeit in Duke studiert und mit ihrer Mannschaft vor wenigen Wochen die amerikanische Collegemeisterschaft gewonnen hatte.

Die Besten "werden jünger und jünger"

Michelle Wie hingegen, die noch am Morgen zusammen mit Morgan Pressel und Karen Stupples, der British-Open-Gewinnerin des vergangenen Jahres, in Führung gelegen hatte, versenkte schon früh ihre Hoffnungen im tiefen Rough. Die Fünfzehnjährige schloß den vierten Turniertag mit elf über Par ab und landete zusammen mit der großen Favoritin Annika Sörenstam auf dem geteilten 23. Platz. Die Schwedin hatte vorher im Mittelpunkt des Interesses gestanden, nachdem sie in dieser Saison bereits zwei der Majors -die Nabisco Championship und die LPGA Championship gewonnen hatte und unbezwingbar schien.

Der anspruchsvolle Platz, 1.600 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, brachte jedoch neue Ausblicke. Statt eines weiteren Sieges für die 34 Jahre alte Favoritin zeigte sich, wie stark die Gruppe der ganz Jungen bereits ist. Die Besten "werden jünger und jünger", meinte Morgan Pressel, die bei Interviews selbstsicher auftritt und in druckreifen Sätzen spricht. Sie prophezeit zweierlei: Daß es angesichts der harten Konkurrenz immer schwieriger wird zu gewinnen. Und das niemand mehr das Feld so "dominieren wird wie eins Annika". Das Resultat: ein ähnlicher Trend im Golf wie im Damentennis, wo die Teenager nicht mehr wegzudenken sind.

Schüler oder Profi

Der amerikanische Nachwuchs wird den Generationswechsel aber nicht im Alleingang bewältigen. Bei den US Open hieß nicht nur die Siegerin Kim. Insgesamt sieben der 156 Teilnehmerinnen von Denver trugen diesen Nachnamen und deuteten an, daß der Nachwuchs aus Asien bei der Verteilung der Preisgelder künftig mitreden wird. Am Sonntag war die Leistung von Birdie Kim 560.000 Dollar wert, die höchste je gezahlte Leistungsprämie im Golfsport der Damen. Die Koreanerin hatte in der vergangenen Saison bei zwanzig Turnieren nur dreimal den Cut geschafft und vor ein paar Wochen ihr bislang bestes Resultat auf der LPGA-Tour erreicht - einen siebten Platz.

Da konnte Michelle Wie, die Tochter koreanischer Einwanderer, schon mehr bieten. Sie belegte bei der LPGA Championship den zweiten Platz hinter Annika Sorenstam. Ihr größtes Problem besteht in der Frage, wann sie zu den Profis wechselt. Denn die vielen Reisen quer über den Kontinent sind für eine Amateurin so gut wie unbezahlbar. Da aber ein ein Mindestalter von 18 verlangt wird und es nur selten Ausnahmen gibt, bleibt ihr vorerst nur ein Weg: Sie geht weiter zur Schule, nimmt an jenen Turnieren teil, zu denen sie eingeladen wird, verzichtet auf den Amateurstatus, um Preisgelder in Empfang nehmen zu können, bemüht sich aber bis vorerst nicht um die Tourkarte.

Viel wird dabei von der Rolle potenzieller Sponsoren abhängen. Mit welchen Firmen sie liebäugelt, ließ sich leicht erraten. Sie trug Schuhe mit drei Streifen, ein Hemd mit einem Krummhaken und spielte den Ball von Tiger Woods. Auch Morgan Pressel denkt über die Zukunft nach. Zwar hat sie für den frühestmöglichen Termin 2006 einer Universität eine Zusage gegeben. Sollte sie die einhalten, hat sie bis zum Abschluß des Studiums keine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Hinter der Stirn rattern aber bereits viele Zahlen - und nicht nur die, die man auf Scorekarten notiert: "Vielleicht", sagte sie, müsse sie sich das mit dem Studium noch überlegen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juni 2005
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