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Glosse Und führe uns nicht in Versuchung

14.10.2011 ·  Wie hoch ist eigentlich der Altersdurchschnitt des männlich dominierten IOC? Es droht nämlich olympisches Table Dancing. Die Sexualisierung des Sports könnte Deutschland Football in Seidenwäsche bescheren.

Von Daniel Meuren
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Der Sportbekleidungstrend geht zu Spitzenunterwäsche und nackter Haut. Diese Befürchtung drängt sich auf, wenn man auf der Frankfurter Buchmesse Daniela Schaaf zugehört hat. Die Kommunikationswissenschaftlerin von der Deutschen Sporthochschule in Köln stellte in den Messehallen ihren Sammelband „Die Sexualisierung des Sports in den Medien“ vor. Darin beschäftigt sie sich mit der Tendenz, dass die Vermarktungs- und somit Verdienstmöglichkeiten von Sportlerinnen und - in geringerem Maße - auch von Sportlern immer stärker mit der Bereitschaft zur freizügigen Präsentation des Körpers verknüpft sind.

Was einst mit Katarina Witt oder Anna Kurnikowa oder auch mit David Beckham noch mit ästhetischem Anspruch begann, ist zur alltäglichen Fleischbeschau im Nacktfoto-Kalender zahlloser verzweifelt um Aufmerksamkeit ringender Sportarten geworden. Lukrative Werbeverträge sind laut Daniela Schaaf selbst für die Besten fast nur noch bei attraktivem Äußeren zu ergattern.

So weit, so traurig. Richtig erschütternd sind erst die Zukunftsaussichten: Die „Lingerie Football League“ plant eine Expansion über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus. Bei dieser Zirkusveranstaltung spielen je sieben Frauen gegeneinander eine sanfte Art des American Football. Die Kleidung ist dabei auf Helm, Unterhöschen, BH und einen minimalen Schulterschutz beschränkt.

Doppel-D als Qualifikationskriterium

Als Qualifikation der in Castings ausgewählten Spielerinnen dienen offenkundig ein Hang zum Exhibitionismus und Körbchengröße Doppel-D. Zwischen Florida und Kalifornien scheint dieser „Sport“ sein Publikum zu finden, wie Berichte aus Übersee nahelegen. Als Pausenfüller in Pay-TV-Sendern erreicht das in der Halbzeit der Super Bowl, des Endspiels der nordamerikanischen Profi-Football-Liga NFL, ausgetragene Unterwäsche-Finale angeblich ein Millionenpublikum - zuletzt gewann übrigens Los Angeles Temptation gegen Philadelphia Passion, also Versuchung gegen Leidenschaft.

Liga-Präsident Mitchell Mortaza bekundet offenherzig, dass er vor allem „biertrinkende Studenten über 21 Jahre“ als Zielgruppe im Visier habe. Von 2014 an können die deutschen Sportfans durch Ignorieren beweisen, dass sie mehr Niveau besitzen. Dann sollen auch in Frankfurt und im Rheinland leichtbekleidete Damen antreten.

Olympisches Table-Dance

Der absolute Tiefpunkt droht aber gar mit olympischen Ambitionen: Die International Pole Dancing Fitness Association will allen Ernstes eine Petition einreichen, ihren Sport im olympischen Rahmenprogramm der Spiele von Rio de Janeiro im Jahr 2016 präsentieren zu dürfen. Beim Pole Dancing handelt es sich um nichts anderes als eine zum sportlichen Wettkampf umdefinierte Form des Table Dancing von Go-Go-Girls in Striplokalen. Beim Blick auf die männlich dominierte Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees schwant Böses.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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