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Glasgow Rangers Einschläge am Ibrox Park

16.02.2012 ·  Kein Pardon der Finanzbehörden mehr: Die Glasgow Rangers melden Insolvenz an und fürchten Strafzahlungen von bis zu 75 Millionen Pfund. Die Fans sind erschüttert.

Von Christian Eichler
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© REUTERS Schatten an der Wand: Ein großer Name des europäischen Fußballs könnte verschwinden

Sie kommen näher, die Einschläge im europäischen Fußball. Bisher sind es eher Namenlose, Klubs der zweiten oder dritten Reihe, die in Schwierigkeiten geraten und von der Bildfläche verschwinden, nachdem sie sich in einem notorisch auf zu großem Fuß lebenden Geschäft übernommen haben. Nun aber ist zum ersten Mal einer der großen Traditionsklubs des Fußballs bedroht. Und es ist das typische toxische Gemisch - bestehend aus Größenwahn, überteuerten Spielern, undurchsichtigen Investoren, vorab beliehenen Zuschauereinnahmen, Bilanztricks, Steuersparmodellen und anderen Geldgräbern -, das nun zum Exitus der Glasgow Rangers führen könnte.

Bislang schien es, dass Klubs von einer solch emotionalen und damit auch politischen Bedeutung nicht um ihre Existenz bangen mussten, weil sie sich wie einst die Großbanken als „systemrelevant“ verstehen und deshalb im Notfall auf die schützende Hand der Politik hoffen durften. Doch die britische Finanzverwaltung gibt den Rangers kein Pardon mehr. Es geht um nicht gezahlte Einkommens- und Mehrwertsteuer von neun Millionen Pfund, die seit Mai 2011 angefallen sind, als der Finanzjongleur Craig Whyte für nur ein Pfund 85 Prozent des Klubs übernahm. Zusammen mit anderen Forderungen der Finanzbehörden aus der Zeit vor der Übernahme - es geht um ein umstrittenes Steuervermeidungsmodell, über das noch vor Gericht diskutiert wird - summieren sich die möglichen Verbindlichkeiten auf 49 Millionen Pfund. Nach Ansicht des Eigentümers Whyte droht bei der Addition möglicher Strafzahlungen gar eine Endsumme von bis zu 75 Millionen Pfund.

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© ASSOCIATED PRESS Bessere Tage: Gascoigne setzt sich gegen Celtics Hannah durch. Ibrox, 2. Januar 1997

Deshalb erklärte der Klub am Montag seine Bereitschaft, Insolvenz anzumelden, worauf die britische Finanzbehörde bereits am Dienstag einen Insolvenzantrag für die Rangers stellte. Doch die taten das dann umgehend lieber selbst, um wenigstens den Insolvenzverwalter eigenhändig bestimmen zu können. Nicht nur der Ablauf, auch die Interessenlage ist komplex. Denn Whyte könnte in den Verhandlungen nun selbst als Gläubiger auftreten und so mit der Finanzverwaltung bei den Ansprüchen konkurrieren - weil er beim Kauf des Klubs Verbindlichkeiten von 18 Millionen Pfund mit übernahm. So könnte die Insolvenz auch als Mittel gedacht sein, die Finanzbehörden zu einer Verhandlungslösung zu bewegen, nicht zuletzt durch den zu erwartenden öffentlichen Druck durch die vielen Rangers-Fans.

Schlimmer als der Punktverlust ist der Vertrauensschwund

Anders als es etwa in der Bundesliga der Fall wäre, bedeutet die Insolvenz für die Rangers keinen automatischen Liga-Ausschluss, sondern nur einen Abzug von zehn Punkten in der Tabelle. Damit muss man die Meisterschaft unweigerlich dem großen Rivalen Celtic überlassen, mit dem man sich seit 1985 alle schottischen Titel teilt.

Schlimmer als dieser Verlust ist der drohende Vertrauensschwund bei der Anhängerschar des 54-maligen Meisters. Viele fürchten, dass nach dem Transfer des kroatischen Stürmer Nikica Jelavic für 5,5 Millionen Pfund zum englischen Klub FC Everton nun noch viel mehr Spieler verkauft werden müssen - und möglicherweise auch das legendäre Stadion, der Ibrox Park. Klar ist, dass das Geschäftsmodell der schottischen Premier League mit zwei Großklubs und zehn Provinzvereinen nie dem Geltungsanspruch und Finanzgebaren der Rangers entsprach. Nur die englische Premier League hätte dem entsprochen, doch der Versuch von Celtic und Rangers, dort im vergangenen Jahrzehnt Aufnahme zu finden, scheiterte.

Von „einem schwarzen Tag in der 140-jährigen Geschichte des Klubs“ sprach Trainer Ally McCoist am Tag der Insolvenz. Die erschütterten Fans versuchte er mit dem Versprechen aufzumuntern, „dass die Rangers überleben werden“. Die größte Hürde dafür, wenigstens die erste Woche zu überleben, haben die Rangers schon mal genommen. Die regionale Polizei, die von dem klammen Klub eine Sicherheit für die Bezahlung ihrer Dienste im und um das Stadion verlangt hatte, hat sich überzeugen lassen und zugesagt, bei der Partie am Samstag gegen Kilmarnock für Ordnung zu sorgen.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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