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Gewichtheber-WM Verpatzte WM endete mit Wellers Weinkrämpfen

23.11.2003 ·  Die Weltmeisterschaft der Gewichtheber in Vancouver wurde für die deutsche Mannschaft zum Fiasko. Ohne Medaille und mit einem verletzten Favoriten Ronny Weller mußte sie die Heimreise antreten.

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Die vorolympische Leistungsschau der deutschen Gewichtheber ist zum Fiasko geraten. Ohne Medaille und mit einem in Tränen aufgelösten Ronny Weller endeten die Weltmeisterschaften am Samstag in Vancouver/Kanada.

Zudem mußte der Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) eine schallende Ohrfeige im Kampf um die olympischen Startplätze hinnehmen. Statt der erwarteten fünf Heber dürfen nur vier deutsche Männer in Athen an den Start gehen. Platz 14 in der Nationenwertung hinter Moldawien, Kolumbien und Aserbaidschan hat die Deutschen in die dritte Liga des Hantelsports katapultiert.

„Die Athleten haben die Sache vergeigt, nicht die Trainer“

„Ein hammerhartes Ergebnis“, nannte das BVDG-Präsident Claus Umbach.
Die Mittelmaß-Darbietungen der Athleten aus dem achtköpfigen deutschen Männerteam wurden am Ende von reichlich Pech überboten. Der zum Favoritenkreis im Superschwergewicht zählende Weller zog sich beim Aufwärmen eine Muskelverletzung unter der rechten Schulter zu und trat nicht an. Hemmungslos weinend kauerte der 144-Kilo-Koloß im Aufwärmraum des Convention Center von Vancouver und war durch nichts und von niemandem zu trösten. „Ronny hat geheult wie ein Schloßhund. Er wurde regelrecht von Weinkrämpfen geschüttelt“, berichtete Vater und Trainer Günter Weller.

Der 34 Jahre alte Weller junior, der vier olympische Medaillen seit 1988 gewonnen hat, wollte vor seiner angestrebten fünften Olympia-Teilnahme im nächsten Jahr ein Zeichen setzen. Auf 465,0 Kilogramm war er in Vancouver vorbereitet. Damit hätte er den Titel gewonnen. Weltmeister Hossein Rezazadeh aus dem Iran siegte mit 457,5 Kilo. In den nächsten Wochen wird Weller mit kleineren Gewichten hantieren: Seine Frau Manuela erwartet im Dezember das erste gemeinsame Kind.

Chinas Frauen dominierten

Cheftrainer Frank Mantek war lediglich mit dem 36 Jahre alten Chemnitzer Ingo Steinhöfel (Platz 11) und dem Berliner Rene Hoch (14.) sowie mit dem 19jährigen Jürgen Spieß (Neulußheim/22.) zufrieden. Der letztjährige WM-Dritte Oliver Caruso (Obrigheim/9.), Andre Rohde (Frankfurt/Oder/10.), Jörg Mazur (Obrigheim/16.) und Dieter Wolf (Obrigheim/ohne Zweikampfwertung) blieben beträchtlich unter ihrem Leistungsvermögen.

„Alle waren in ausgezeichneter Form - und dann das“, stöhnte Mantek. Verbandschef Umbach hat als Ursache mentale Defizite ausgemacht. „Wir müssen die Athleten psychisch besser einstellen“, sagte er, nahm aber die Trainer in Schutz: „Die Athleten haben die Sache vergeigt, nicht die Trainer.“
Neun Monate vor den Olympischen Spielen wiesen die Frauen ein höheres Leistungsniveau als die Männer nach. 23 Weltrekorde im weiblichen Bereich stehen zwei Juniorenbestmarken beim „starken Geschlecht“ gegenüber. Chinas Damen drückten den Rest der Welt an die Wand: Von sieben Zweikampf-Entscheidungen gewannen sie fünf, von 21 möglichen Goldmedaillen 15. Im Männerbereich mußten die Russen und Bulgaren tüchtig Federn lassen; letztere vor allem wegen der Dopingsperre gegen Bojewski, Markow und Wanew.

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