Die internationalen Odesur-Spiele mussten abgesagt werden, weil die Athleten fürchten, von den Auswirkungen des Bürgerkriegs getroffen zu werden.
Bis Dienstag hatten die Organisatoren der "Olympischen Spiele" Südamerikas noch Hoffnung, dass die Wettbewerbe mit 3500 Athleten des Kontinents am 3. Mai würden beginnen können, nachdem sie aus Furcht vor der Gewalt bereits vom ursprünglichen Termin im April verschoben wurden.
Ein neuer Austragungsort solle auf einer Krisensitzung zwischen vom 17. bis 19. April in Paraguays Hauptstadt Asunción festgelegt werden. Kolumbien wird seit dem Abbruch der Friedensbemühungen mit den linken FARC-Rebellen und vor der Präsidentenwahl am 26. Mai von einer Welle der Gewalt heimgesucht.
Bomben am Rande des Daviscup-Duells
Doch dann explodierten am Dienstagmorgen in der Hauptstadt Bogotá drei Bomben, drei Menschen wurden verletzt. Die Urheber sind noch nicht bekannt. Die Behörden bezichtigten die marxistische Rebellengruppe „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) der Anschläge. Die mit 17 000 Kämpfern größte Guerillagruppe des Landes bekannte sich zunächst nicht zu den Anschlägen. Dies ist jedoch auch nicht üblich.
Das nationale olympische Komitee in Bogotá musste bereits vor diesen Anschlägen die Absagen von Venezuela, Paraguay, Uruguay und Chile entgegennehmen. Am vergangenen Wochenende war in Villavicencio eine Bombe im Vergnügungsviertel hochgegangen und hatte zwölf Menschen in den Tod gerissen und sechzig weitere verletzt. In der Stadt fand zu der Zeit die Daviscup-Begegnung Kolumbien - Uruguay statt. Zwar wurden weder Sportler noch Zuschauer verletzt, aber die Nachricht ließ bei den Funktionären die Sorge um die Sicherheit wachsen.
Angst vor Attentaten in der Sportszene
“Die olympischen Komitees, die die Odesur organisieren, sind der Meinung, dass die Bedingungen für das Sportfest in Bogotá nicht gegeben sind“, erklärte der Präsident der Föderation der südamerikanischen Sportverbände, der Argentinier Sergio Groupierre, die Absage der Wettbewerbe.
Doch die Angst vor der Gewalt geht nicht erst seit den jüngsten Attentaten in der Sportszene um. Vor einem Monat bereits konnten die Fußballer der chilenischen Mannschaft Universidad Católica nur mit Mühe davon überzeugt werden, zu einer Begegnung mit Once Caldas in der Copa Libertadores in die kolumbianische Provinzstadt Manizales zu reisen. Die Busfahrt vom Flughafen der Nachbarstadt Pereira musste von der Polizei eskortiert werden.
Doch auch in Kolumbien herrscht Furcht. Anfang März wurde in Bogotá der ehemalige Präsident und Anteilseigner des Erstligaklubs Independiente Santa Fe, Cesár Villegas, von Unbekannten erschossen.
Drogenmafia investiert in den Fußball
Nach dem Abbruch der Friedensgespräche mit der linksgerichteten Guerilla Farc im Februar verschärft sich der Konflikt in Kolumbien. Seit vier Jahrzehnten bekämpfen sich in dem südamerikanischen Land Guerillagruppen einerseits und Armee und rechtsgerichtete Paramilitärs andererseits. Erlöse aus dem Drogengeschäft und Lösegelder aus Entführungen heizen den Krieg weiter an.
Immer wieder gibt es Berichte, dass die Drogenmafia ihre Gelder auch im Sport anlegt, vor allem im Stierkampf und im Fußball. In den achtziger Jahren kauften sich die inzwischen zerschlagenen Drogenkartelle von Cali und Medellin Fußballclubs.