07.09.2009 · Der Galoppsport leidet an einer schweren Krise. Selbst die Galopprennbahn in Iffezheim steht vor dem Kollaps. Bis Ende September muss ein Investor gefunden werden.
Von Richard BeckerDer Internationale Club Baden-Baden verfügt in Iffezheim über die wohl schönste Rennbahn in deutschen Landen, genießt zudem das höchste Renommee – und hat trotz allem allen Grund zur lauten Klage. Im April dieses Jahres hat der Club Insolvenz anmelden müssen, 14,2 Millionen Euro fordern die Gläubiger. Die Zukunft dieser Institution ist so schwer vorauszusagen wie der Ausgang eines Pferderennens. Bis Ende September muss ein Investor ins Boot geholt werden, wird er nicht gefunden, drohen nach der Gläubigerversammlung am 6. Oktober noch ungemütlichere Zeiten.
Baden-Baden ist eine Stadt mit 900 Millionären, doch Club-Präsident Bernhard Prinz von Baden scheint mit seinen Mitstreitern bei der Kapitalsuche stets vor verschlossenen Türen zu stehen. Man brauche einen Investor, sagt der Prinz, der „mit Knowhow und Erfahrung die Rennen in Iffezheim in die Zukunft führt“. Heißt übersetzt, der Club verfügt ganz offensichtlich für diese wegweisende Aufgabe nicht über die richtigen Leute.
Das Internet als Totengräber des Turf
Mit dem herben Einbruch bei den Wetteinsätzen und dem daraus resultierenden Geldmangel steht der Club nicht alleine da, der gesamte deutsche Galopprennsport hängt am Hungerhaken. Eine seit Jahren vom Dachverband vorbereitete und in ihrer Form immer wieder neu aufbereitete Strukturreform zur Zentralisierung des Rennsports ist gescheitert. Das Internet hat die Wetter abgeworben, das Geld versickert bei Gesellschaften in Gibraltar oder auf Malta, wo ein Prozent statt hierzulande 16,6 Prozent Steuern gezahlt werden müssen. Abgesehen davon, dass dem deutschen Fiskus eine stattliche Summe entgeht, bleibt auch für den Rennsport nichts übrig.
Zumindest für die Rennen in Iffezheim scheint ein kleiner Funken Hoffnung zu glimmen, in der Schweiz. Das weltweit tätige Sportrechte-Unternehmen Infront, mehrheitlich im Besitz von Andreas Jacobs, Chairman der Stiftung Gestüt Fährhof, hat sich als möglicher Betreiber (nicht Investor) für die Rennen in Iffezheim ins Gespräch gebracht. Bei etlichen Gläubigern ist Jacobs noch auf Widerstand getroffen, doch er ist der Ansicht, dass es keinen Sinn hat, mit den riesigen Altlasten weiterzumachen. Aus Stuttgart hat Ministerpräsident Günter Oettinger zwar politische, finanzielle und ideelle Hilfe avisiert, doch ohne konkreten Plan.
Bis dahin hält es Bernhard Prinz von Baden mit einem seiner streitbaren Vorfahren, Markgraf Ludwig Wilhelm (1655 bis 1707), genannt „Türkenlouis“, der seinen Nachfahren einen markigen Spruch hinterlassen hat: „Die mutige Kraft schlägt und vertreibt das Schwierige.“ Gut gesagt – aber noch längst nicht gut getan. Anstelle von Schlagen und Vertreiben ist Zittern und Zagen angesagt.
Ein neuer Betreiber der Galopprennbahn könnte das Zittern und Zagen
beenden.