16.09.2008 · Zwei zyprische Klubs prüfen am Dienstagabend Werder Bremen und Schalke 04 im Europapokal. Anorthosis Famagusta will dabei als erster zyprischer Champions-League-Teilnehmer nicht nur den Aufschwung des Fußballs auf der Mittelmeerinsel belegen. Der Verein hat auch eine politische Mission.
Von Daniel MeurenVor ziemlich genau vierzig Jahren reiste die deutsche Fußball-Nationalmannschaft einmal zu einem WM-Qualifikationsspiel nach Zypern. Mit Ach und Krach entging das von Helmut Schön betreute Team damals einer Blamage.
1:0 gewann die deutsche Elf am 23. November 1968 dank eines Treffers von Gerd Müller in der Nachspielzeit. Der Bundestrainer wetterte anschließend über einen mit Steinchen übersäten Hartplatz, der ein „Kasernenhofboden, aber kein Fußballplatz ist“.
Erste Qualifikation für die Champions League
Mittlerweile ärgern die zyprischen Fußballspieler, die an diesem Dienstag sowohl in der Champions League beim Gastspiel von Meister Anorthosis Famagusta in Bremen als auch im Uefa-Pokal-Wettbewerb im Duell zwischen Apoel Nikosia und Schalke 04 ihre Kräfe mit deutschen Teams messen, ihre Gegner nicht mehr nur mit der zweifelhaften Wahl des Untergrundes. (siehe auch: FAZ.NET-Übersteiger: Kasernenhofboden statt Schalker Arena )Vor gut zwei Jahren durfte die Nationalmannschaft unter Joachim Löw diese Erfahrung beim schmeichelhaften 1:1-Unentschieden auf saftig grünem Rasen machen.
Der erste Einzug eines zyprischen Klubs in die Königsklasse des Vereinsfußballs sowie die Uefa-Pokal-Qualifikation der beiden anderen Großklubs Apoel und Omonia belegen nun aufs neue die Fortschritte des Spiels auf der Mittelmeerinsel. Famagusta setzte sich in der Qualifikation gegen Rapid Wien und den griechischen Meister Olympiakos Piräus durch, immerhin Stammgast in der Champions League und im Vorjahr noch Bezwinger von Werder Bremen.
Famagusta musste seine Heimat aufgeben
Der Klub, der seinen Sitz nach der Spaltung des Landes in den siebziger Jahren aus dem im türkischen Teil der Insel gelegenen Famagusta nach Larnaka verlegen musste, habe sich in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich entwickelt, sagt der ehemalige Bundesligaspieler Rainer Rauffmann. Der 41 Jahre alte Rheinländer avancierte 1998 mit 42 Toren im ersten Vertragsjahr zum Volkshelden bei Omonia und wurde später gar zyprischer Staatsbürger und Nationalspieler.
Heute lebt er immer noch auf Zypern und arbeitet als Chefscout. „Die Entwicklung im zyprischen Fußball ist grandios“, sagt Rauffmann. „Als ich vor zehn Jahren herkam, konnte ein Blinder wie ich noch 40 Tore schießen. Das wäre heute nicht mehr möglich.“ (siehe auch FAZ.NET-Gespräch: Zypern-Kenner Rauffmann über die Geheimnisse des Erfolgs)
Geschäftsleute bringen Geld ins Spiel
Der sportliche Motor des zyprischen Fußballs ist Temuri Ketsbaia, der Trainer von Anorthosis. Seit er 2004 Spielertrainer wurde, geht es mit dem Klub aufwärts. „Die Qualifikation für die Champions League hat eine riesige Euphorie ausgelöst“, sagt Ketsbaia und benennt mit Andreas Panteli den Hauptverantwortlichen für den Aufschwung.
Der Geschäftsmann hat mit seinem Geld den Wandel vom Halb- zum Vollprofitum ermöglicht. Seinem Vorbild folgten zwei weitere Millionäre, die sich mit Ketsbaia einen prestigeträchtigen Wettstreit liefern. Sie halfen den beiden anderen Großklubs auf die Beine, weswegen auch Schalke vor dem Ausflug zu Apoel gewarnt sein sollte. Vor dieser Saison wechselte beispielsweise gleich ein halbes Dutzend Profis aus Deutschland nach Zypern, wo wegen der Steuerfreiheit Gehälter wie in der deutschen zweiten Liga fließen.
Der größte Coup gelang indes Famagustas Präsident Panteli mit der Verpflichtung des griechischen Europameisters Traianos Dellas. „Ich will mit meinem Engagement verhindern, dass das durch die Spaltung unseres Landes abgetrennte Famagusta in Vergessenheit gerät“, erklärt Panteli seine Motivation mit einer politischen Mission im Geiste seiner Vorfahren. „Fußball ist die einzige Chance, um die Erinnerung zu wahren.“ Das Gastspiel in Bremen bietet nun die große europäische Bühne für die fußballerische Erinnerungsarbeit.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |