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Zweite Liga Auf Distanz feiern auch die FC-Fans ihren ungeliebten Huub

03.05.2005 ·  Köln steigt zum dritten Mal binnen sechs Spielzeiten in die höchste Klasse auf. Den Fans ist es stets aufs neue ein Vergnügen, überschwenglich zu feiern. Doch das Team ist ergänzungsbedürftig und ein neuer Trainer muß ebenfalls gefunden werden.

Von Richard Leipold
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Kurz bevor er geht, ist Huub Stevens doch noch beim 1. FC Köln angekommen. Der Fußball-Lehrer hat den rheinischen Traditionsklub in die Erste Bundesliga zurückgeführt. Nach dem 2:1 bei Erzgebirge Aue stehen die Kölner als erster Aufsteiger fest. Drei Runden vor dem Saisonende hat Stevens seinen Auftrag erfüllt. Nach dem Schlußpfiff ließen die FC-Spieler ihren Lehrer auf dem Rasen hochleben. Auch die Fans überwanden ihre Distanz zum Trainer und feierten ihn mit Huub-Rufen. In der Nacht zum Dienstag erlebte Stevens noch einmal, welche Freude, welchen Übermut so ein Erfolg freisetzen kann: Feuerwerk, Huub-Konzerte, Verkehrschaos.

Köln steigt zum dritten Mal binnen sechs Spielzeiten in die höchste Klasse auf. Den Fans ist es stets aufs neue ein Vergnügen, die Rückkehr überschwenglich zu feiern. Obwohl es "nur ein Aufstieg" war, eine bestandene Prüfung aus dem Kölner Pflichtenheft, fühlte Stevens sich an den Triumph erinnert, den er vor acht Jahren feiern durfte. "So etwas habe ich zuletzt erlebt, als ich mit Schalke 04 den Uefa-Cup gewonnen habe", sagte er. "Das schöne Jahr in Köln werde ich nie vergessen." Der FC sei ihm "ans Herz gewachsen" wie einst Schalke. Aber die Wege trennen sich. Der Trainer wird den Klub auf eigenen Wunsch nach einem Jahr wieder verlassen, um seiner kranken Frau beizustehen. Das ist die romantisch-menschliche Seite dieser Aufstiegsgeschichte mit all ihren Partys.

Das Kollektiv als Mittelpunkt der Fußball-Philosophie

Als Nachfolger werden Christoph Daum und Uwe Rapolder gehandelt. Der eine gilt als zu teuer, der andere steht bei Arminia Bielefeld unter Vertrag. Stevens erleidet den Fußball mit jeder Faser seines Herzens und seines Körpers. Sein früh erworbenes Verantwortungsbewußtsein ist bei aller Gier nach Erfolg nicht auf der Strecke geblieben. Er mußte den Geschwistern früh den Vater ersetzen, das hat ihn hart und charakterfest gemacht.

Egal wo er gearbeitet hat, ob in Köln, Berlin oder Schalke: Der prinzipientreue Mann aus Limburg hat immer das große, mitunter klein wirkende Ganze in den Vordergrund gestellt, nie einzelne Personen, schon gar nicht sich selbst. "Es geht nicht um Huub Stevens, es geht um den Verein", pflegt er zu sagen. Das Kollektiv ist der Mittelpunkt seiner Fußball-Philosophie. So haben die Kölner auch ihren Aufstieg erreicht: mit Geschlossenheit, ohne Glanz. Die Summe vieler knapper Einzelsiege führte schließlich zum gewünschten Ergebnis. Ausnahmen wie das 8:1 gegen Wacker Burghausen bestätigen diese Regel. "Es ist Huubs Verdienst. Er hat die Mannschaft zu einer Einheit geformt", sagt Andreas Rettig, der Manager des 1. FC Köln.

Impulsiver Trainer, sachliches Spiel

Am Tag der Entscheidung spiegelte der Auftritt in Aue diese unauffällige, aber wirksame Art, zum Erfolg zu kommen. Schon in der ersten Minute in Rückstand geraten, noch dazu durch ein "Tor", das gar keines war, erfüllten die Kölner ungerührt ihr Pensum und kamen dank der Treffer von Christian Springer (44.) und Marius Ebbers (66.) zum Sieg. Daß Springer unter den Torschützen war, wird Stevens vielleicht mit besonderem Wohlgefallen bemerkt haben. An diesem Profi hatte sich mancher Streit zwischen dem Trainer und seinen Kritikern entzündet.

Beim Auswärtssieg in Aachen (3:2) etwa hatte Stevens Christian Springer ausgewechselt und Markus Feulner, einen Teil des Erfolges dieses Abends, eingewechselt. Ein Boulevardreporter fragte den Fußball-Lehrer hinterher, ob er mit diesem Personalwechsel einen Fehler korrigiert habe. Stevens antwortete mit allerlei Tiraden und beschimpfte den Fragesteller als "Arschloch". So impulsiv der Trainer zuweilen den Medien entgegentritt, so sachlich ist die Spielweise seiner Mannschaft.

Podolski steuerte 20 Tore zum Aufstieg bei

Deren Auftreten steht im Kontrast zur Begeisterung ihrer Fans, ist aber - im Ergebnis - auch die Ursache für die aktuelle Partylaune. "Jeder redet darüber, wie unattraktiv wir spielen", sagt Mannschaftskapitän Sebastian Schindzielorz, "aber wir sind da oben nicht wegzukriegen." Stevens glaubt, eine homogene, auf einigen Positionen ergänzungsbedürftige Mannschaft als ausreichendes Startkapital für die nähere Zukunft zu hinterlassen. "Diese Truppe hat vielleicht nicht die Qualität wie andere in der ersten Liga, aber die Spieler kämpfen, sie ackern und haben Freude zusammen. Wenn die Mannschaft in der nächsten Saison genauso geschlossen spielt, kann man mit diesem Team in der ersten Liga viel erreichen", sagt der 51 Jahre alte Trainer.

Auch wenn das Kollektiv in seinen Augen Vorrang besitzt, hat Stevens sich den Blick für Einzelschicksale bewahrt. Besonders Lukas Podolski, der jugendliche Held im Kölner Ensemble, liegt ihm am Herzen. Mit bisher zwanzig Toren in dieser Saison hat der Nationalspieler, der in Aue wegen einer Fußverletzung fehlte, viel zum Aufstieg beigetragen. Als Stevens nach dem Abpfiff über Podolski sprach, klangen die Worte des scheidenden Trainers fast wie ein sportliches Vermächtnis. Stevens mahnte, den hochveranlagten jungen Mann nicht zu überfordern, ihm Zeit und Geduld zu gewähren, damit er sich entwickeln könne.

Am Ende mischten sich Freude und Wehmut. "So einen Aufstieg muß man mitnehmen und genießen. Da werden andere Dinge für kurze Zeit beiseite geschoben", sagte Stevens. In Gedanken war er vermutlich schon wieder bei seiner Frau.

Erzgebirge Aue - 1. FC Köln 1:2 (1:1)
Aue: Bobel - Kos, Emmerich, Trehkopf - Kurth (80. Schubitids), Heidrich, Tschipew, Rehm (74. Günther) - Curri, Juskowiak (74. Demir), Helbig
Köln: Bade - Sinkala, Sinkiewicz, Bilica, Voigt - Schindzielorz, Feulner (60. Lell) - Streit (90. Konstantinidis), Guie-Mien (80. Bröker), Springer - Ebbers
Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
Tore: 1:0 Juskowiak (1.), 1:1 Springer (44.), 1:2 Ebbers (66.)
Zuschauer: 15.000
Gelbe Karten: Helbig (10) - Streit (5/2)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Mai 2005
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