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Zweite Liga Am Ende des Weges: Freiburg beendet die Ära Finke

14.12.2006 ·  Das „Denkmal“ Volker Finke ist beim SC Freiburg nicht gestürzt, wird aber zum Saisonende abgebaut. Die Ära des Trainers beim südbadischen Fußball-Zweitligaklub geht am 30. Juni 2007 nach 16 Jahren zu Ende.

Von Oliver Trust, Freiburg
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Wenn ein Trainer geht, gehört das im Profifußball zum Alltag. Wenn aber ein Mann wie Volker Finke den Sportclub Freiburg nach über 15 Jahren verläßt, was ihn zum dienstältesten Trainer der Branche macht, ist das im Meer der täglichen Meldungen eine besondere Nachricht. Sie kam am Nachmittag in Form einer dürftigen Erklärung des Präsidiums des abstiegsgefährdeten Zweitligaklubs an die Öffentlichkeit.

Zunächst will der SC Freiburg versuchen die Saison trotz der aktuellen sportlichen Krise mit dem 58 Jahre alten Oberstudienrat zu Ende zu bringen, spätestens im Sommer soll die Trennung erfolgen. Wie bei einer sanften Geburt soll bei der sanften Trennung der bisherige Coach in die Nachfolgesuche eingebunden werden. Ein heikles Projekt, an das sich der badische Klub wagt.

Zeitenwende im Abstiegskampf

Als am Nachmittag mit einiger Verzögerung das Training begann, wußten die Spieler noch nichts von der nächtlichen Entscheidung. Finke sagte, er könne mit der Situation bestens leben. Verbitterung war ihm nicht anzumerken. Der Klub versuchte, trotz der Zeitenwende, den Eindruck von Normalität zu vermitteln. Sie wirkten dabei sehr bemüht. Trotz der prekären Situation glaubt sich der SC Freiburg gerüstet für den Abstiegskampf. Finke sei dazu „mehr als jeder andere geeignet“, hieß es. Auch hier klingt durch, daß sie dem Trainer ihm viel zu verdanken haben, und allein deshalb kommt es wohl nicht zur sofortigen Trennung.

Freiburger Sorgfalt

Als es um die neue Zeitrechnung ging, die mit dem Abschied Finkes einhergeht, klang das beim SC Freiburg so, als teilte der Pfadfinderbezirk Breisgau so behutsam wie möglich nur eine beiläufige Neuigkeit kurz vor Weihnachten mit. „Gleichzeitig verständigte sich das Präsidium mit Volker Finke darauf, gemeinsam die Nachfolge in der sportlichen Leitung für die kommende Saison zu planen und sie mit der dem SC Freiburg gemäßen Sorgfalt in die Tat umzusetzen“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Klub sei „überzeugt davon, daß es uns mit diesen Entscheidungen gelungen ist, in einer schwierigen Situation einen ganz wichtigen Schritt in die richtige Richtung zu machen“, sagte der Freiburger Präsident Achim Stocker.

Der Präsident zögerte

Vor allem Stocker zögerte, Finkes sofortigen Rauswurf zu unterstützen. Aus gutem Grund: Finke arbeitet in Baden seit dem 1. Juli 1991 und er machte aus dem Verein einen hochrespektierten Profiklub. Ein Verein ohne Schulden, mit eigenem Stadion und jahrelang in der Bundesliga dabei. Freiburg schaffte es sogar 1995 und 2001 zweimal in den Uefa-Cup. Das erste Mal schied man in Runde eins aus, beim zweiten Gastspiel erst in Runde drei gegen Feyenoord Rotterdam.

Aber 2005 folgte der dritte Abstieg aus der Bundesliga. Dann aber klappte es nicht mehr mit dem regelmäßigen Auf und Ab, es fehlte etwas, um den Verein so regelmäßig wie Ebbe und Flut wieder nach oben zu bringen. Im Sommer 2006 waren es zwei Punkte zu wenig, Finke wurde Vierter mit seinem Team. Fortan schien dem Trainer mit einem Mal das Händchen der letzten Jahre, was Personalauswahl und taktische Strategie angeht, zu fehlen.

„Finke raus“

In den vergangenen Tagen spitzte sich die Situation zu. Die Sitzung werde diesmal „unter anderen Voraussetzungen“ stattfinden, hatte Manager Andreas Bornemann gesagt. Keiner wolle in die Regionalliga. Vor dem letzten Vorrundenspiel in Koblenz am Sonntag trennt den SC nur noch die bessere Torbilanz von einem Abstiegsplatz. Immer öfter hallten „Finke-raus“-Rufe durch die Arena an der Dreisam.

Die Stadt schien tief gespalten. Die zwei Lager gingen sich sogar an den Kragen. Die Rufe der Anti-Finke-Fraktion wurden von der Pro-Finke-Fraktion sofort mit wütenden Pfiffen quittiert. Stockers Tochter Sabine sprach von Zuständen im beschaulichen Südbaden die an einen „Bürgerkrieg“ erinnerten. Jetzt hofft der Klub, die Aggression besser steuern zu können. Nach der 0:4-Niederlage im badischen Derby gegen den Karlsruher SC am vergangenen Montag, die einer Heimpleite gegen Offenbach folgte, hatte Vizepräsident Fritz Keller angedeutet, diesmal könne die Krise weiter reichen als je zuvor. „Wir stehen am Tiefpunkt der letzten 20 Jahre“, sagte Keller.

Geld für Verstärkungen

Der Trainer sollte einen Ausweg aufzeigen. Keller hatte die Lawine ins Rollen gebracht. Präsident Achim Stocker, der seit Wochen angesichts der schwachen Ergebnisse und der Zustände in der Freiburger Anhängerschaft, eine tiefe innere Zerrissenheit offenbarte, gab schließlich seinen Widerstand auf. „Irgendwann geht alles zu Ende. Aber, wenn sich jemand solche Verdienste erworben hat, muß man eigentlich sagen: Man trennt sich am Ende der Saison“, sagte der Oberfinanzdirektor im Ruhestand. Finke und der SC Freiburg sind am Ende ihres gemeinsamen Weges angekommen. In der Winterpause will der Klub möglicherweise Geld für Verstärkungen ausgeben, die vor allem, so seltsam das klingt, Trainer Finke bisher ablehnte. Er hält die Mannschaft für stark genug.

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