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Wolfsburgs Diego Flucht nach vorne

 ·  Diego ist nach langem Hin und Her zurück beim Bundesligaklub VfL Wolfsburg - und spielt in den Planungen von Trainer Magath auf einmal wieder die Rolle als Regisseur. Es ist ein teures und riskantes Experiment.

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© dpa Aus dem Abseits: Diego will sich die Gunst der Wolfsburger Fans zurück verdienen

Seine Vorsicht hat gute Gründe. Bei nahezu jedem öffentlichen Auftritt, nach fast allen Testspielen bekam es Diego zuletzt mit der Frage zu tun, wie er denn nun seine neue Rolle sehe. Rückkehrer oder Neuzugang? Sorgenkind oder Spielmacher? Der Brasilianer im Team des VfL Wolfsburg muss kurz vor dem Start seiner fünften Saison in der Fußball-Bundesliga viele kritische Situationen meistern. Damit keine Missverständnisse aufkommen, hat Diego deshalb beschlossen, sich ausschließlich auf Englisch zu äußern.

„Sorry, aber mein Deutsch ist immer noch nicht perfekt“, sagt der Mann, der zu seiner erfolgreichen Zeit bei Werder Bremen (2006 bis 2009) mit deutschen Worten schon deutlich mutiger jongliert hat. Es muss seitdem etwas verlorengegangen sein. Vom Vokabular. Vom Zauber auf dem Platz. Und von seiner Leichtigkeit insgesamt.

Der nächste Anlauf eines begnadeten Profis, der beim VfL Wolfsburg erst wochenlang unerwünscht war und dann begnadigt worden ist, gehört zu den spannendsten Personalien der neuen Spielzeit. Eine Saison lang war Diego an Atlético Madrid ausgeliehen und sollte bis zuletzt unbedingt verkauft werden. Weil das nicht gelungen ist, vollzieht VfL-Boss Felix Magath eine ungewöhnliche Rolle rückwärts. „Auch Trainer machen etwas falsch und bekommen eine neue Chance“, sagt der Chefcoach.

Seine milden Töne dienen als Begleitmusik zu einer Rückkehr der besonderen Art. Im Mai 2011, als der VfL Wolfsburg am Abgrund zur zweiten Liga stand und Magath ihn im letzten Spiel zunächst nur auf die Ersatzbank beordern wollte, verweigerte Diego den Dienst und ließ die Mannschaft im Stich. „Ich habe einen Fehler gemacht und daraus gelernt“, versichert der Siebenundzwanzigjährige, der laut Arbeitsvertrag noch bis 2014 an seinen alten und neuen Verein gebunden ist.

Rolle des Regisseurs

Bisher sieht es so aus, als ob aus der Rückkehr von Diego eine Flucht nach vorne wird. Magath gesteht ihm die Rolle des Regisseurs zu. Die Mitspieler haben ihn in den Mannschaftsrat gewählt, was für mehr Integration sorgt, aber auch erforderlich macht, dass Diego Ribas da Cunha mehr Verantwortung übernimmt. Seine Bekenntnisse (“Ich will die beste Saison meines Lebens spielen“) klingen immer noch nach dem ersten Kapitel des Lehrbuches für mediengeschulte Berufsfußballer.

Aber vielleicht hat Diego trotzdem verinnerlicht, dass ihm nicht mehr viele Chancen bleiben, um sich in der Bundesliga zu rehabilitieren. An seinem Elan während des Trainings und bei den Einsätzen in den jüngsten Testspielen gibt es nichts zu bemängeln. Und die öffentliche Entschuldigung für sein Fehlverhalten, als vieldiskutierte Videobotschaft über die Facebook-Seite des VfL Wolfsburg verbreitet, war mit einem Dank an Trainer und Fans für deren Vertrauensvorschuss verbunden.

Ein teures und riskantes Experiment

Ob Diego für andere Vereine zu teuer oder zu problembehaftet ist, spielt in Wolfsburg keine Rolle mehr. Die Entscheider beim VfL, zu denen neben Magath vor allem Volkswagen-Vorstand Francisco Javier García Sanz zählt, wagen das ebenso teure wie riskante Experiment. In der Saison 2010/11, als Diego für rund 16 Millionen Euro von Juventus Turin gekauft wurde, hatten der Star und die Wolfsburger Mannschaft nicht zusammengepasst. Dieses Mal will Magath die individuelle Klasse des Dribbelkünstlers nutzen, ohne dass das Spielsystem des VfL von ihm voll und ganz in Abhängigkeit gerät: „Er muss sich mehr in die Mannschaft einbringen und andere zu ihrer Stärke führen“, fordert Magath von seinem manchmal genialen und manchmal eigenwilligen Spielmacher.

Weil mit dem ebenfalls begnadeten Patrick Helmes und dem Tschechen Václav Pilar zwei offensive Kollegen mit schweren Knieverletzungen ausfallen, rückt Diego immer mehr in den Mittelpunkt. Ein Spieler, der mit Atlético Madrid im Mai den Titel in der Europa League geholt hat, soll die Niedersachsen zurück in den europäischen Fußball führen. Sie gestehen ihm dafür das Trikot mit der Rückennummer 10 zu. Der Affront aus dem Juli, als beim VfL Wolfsburg das offizielle Mannschaftsfoto entstand und Diego demonstrativ nur mit einem Blankotrikot ohne Namen und Nummer ausgestattet wurde, ist angeblich abgehakt.

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