19.11.2009 · Griechenland feiert sich und seinen alten Trainer, Sloweniens Regierungschef putzt Schuhe, Bosnien trauert vergebenen Chancen nach. Frankreich gewinnt dank der Hand Henrys. Und Uruguay schnappt sich letzte Ticket. Die WM-Relegation.
„Neue Saga“, „Historischer Triumph“, „Fußball-Geschichte“ - die griechischen Zeitungen feiern den 71 Jahre alten Otto Rehhagel wieder wie einen jungen Gott. Nach dem 1:0-Sieg in der Ukraine, durch den sich der Europameister von 2004 überraschend doch noch für die WM in Südafrika qualifizierte, warfen die Spieler ihren Trainer mehrmals in die Höhe. „Das war eine großartige Leistung und ein mentaler Gewaltakt“, sagte „König Otto“. Dimitrios Salpingidis sicherte in Donezk mit seinem Tor in der 32. Minute die WM-Teilnahme der Hellenen. Nach dem Spiel rechnete er mit allen ab, die Rehhagel und dem Nationalteam ihren Betonfußball zum Vorwurf gemacht hatten. „Ich will gar nix über die Taktik sagen, ich will nur sagen: Das ist unsere Antwort auf alle diese miserablen Kommentare in der Presse“, erklärte der Profi.
Ausgerechnet in seinem 100. Länderspiel als Coach der Griechen gelang Rehhagel eine sportliche Wiederauferstehung. „Egal wie groß der Niedergang war, nachdem er sich auf den Thron der EM 2004 gesetzt hat: Er ist weiter der Super-Held unseres Fußballs im 21. Jahrhundert“, schrieb die Zeitung „Eleftherotypia“. „Er hat uns abermals an der Hand genommen und zu neuen Siegen geführt.“
Vergessen sind die oft lausigen Vorstellungen der Griechen unter ihrem deutschen Coach in den Gruppenspielen der WM-Qualifikation. „Dankeschön und auf Wiedersehen“, hatte „Ta Nea“ noch Anfang der Woche geschrieben und das Ende der achtjährigen Ära Rehhagels gefordert. Nun leistete die Tageszeitung Abbitte: „Wenn es ein Traum ist, dann weckt uns nicht. Herr Rehhagel: Danke!“
Algeriens Rückhalt
Für Algeriens Fußball-Helden gab es nach der geglückten WM-Qualifikation kein Halten mehr. Das 1:0 über Ägypten löste im Stadion von Khartoum (Sudan) und in der Heimat einen Riesenjubel aus. Abwehrspieler Yahia vom VfL Bochum führte die „Grünen“ mit einem Gewaltschuss (40.) zur dritten WM-Teilnahme nach 1982 und 1986. Den Rest erledigte Keeper Chaouchi, der mit seinen Paraden die gegnerischen Stürmer zur Verzweiflung brachte. „Ich bin glücklich, denn jetzt weiß ich, dass es eine Gerechtigkeit in der Welt gibt“, sagte Algeriens Abwehrspieler Madjid Bougherra.
Sein Team hatten sich nach den skandalösen Vorfällen beim letzten Gruppenspiel beider Teams (0:2) in Kairo am vergangenen Samstag betrogen gefühlt. Die Scheiben des algerischen Mannschaftsbusses wurden bei der Anfahrt mit Steinen eingeworfen, in Algerien überfielen Jugendliche als Racheakt von Ägyptern bewohnte Häuser. „Der Weltverband Fifa muss Ägypten für ein oder zwei Jahre sperren“, sagte Djamal Ould Abbes, Algeriens Minister für Nationale Solidarität, in Khartoum. Das Entscheidungsspiel war nötig geworden, weil beide Teams in der Tabelle der Qualifikationsgruppe dieselbe Punktzahl und Tordifferenz aufgewiesen hatten.
Portugal weckt Bosnien
In Zenica träumte ganz Bosnien-Hercegovina von der ersten WM-Teilnahme des Landes. Aber nach einer Halbzeit der verpassten Chancen bereitete Raul Meireles mit seinem Treffer in der 56. Minute diesen Träumen ein jähes Ende. Nun hätte Bosnien drei Tore erzielen müssen, um das Ticket für die Weltmeisterschaft doch noch zu lösen. Aber Bosnien war an diesem Abend nicht die Mannschaft, die ein Spiel auf den Kopf stellen kann, und die äußerst abgeklärten Portugiesen waren auch nicht das Team, das sich überrennen lässt.
Wäre, hätte, könnte - die stets gleiche Verlierertrilogie nach knappen oder unglücklichen Niederlagen bestimmte am Donnerstag auch die Berichterstattung in den bosnischen Medien. „Wir haben es nicht geschafft, dabei waren wir so nahe dran. Es bleibt uns nur, den vergebenen Momenten von Lissabon nachzutrauern“, schrieb das Blatt. „Es ist vorbei. Die Weltmeisterschaft wird wieder einmal ohne Bosnien-Hercegovina ausgetragen“, schrieb die Zeitung „Dnevni Avaz“. Am nächsten Morgen munterte das Blatt Spieler und Fans bereits wieder auf: Es bleibe nur, der eigenen Auswahl zu danken „für all die schönen Momente, die sie uns bei dieser Qualifikation geschenkt hat, auch wenn sie nicht so geendet hat, wie wir uns das gewünscht hätten“.
Ministerpräsident als Zeugwart
In Maribor machte der slowenische Ministerpräsident Pahor sein Versprechen wahr und putzte den Spielern nach dem 1:0-Sieg gegen Russland durch das goldene Tor des Bochumers Zlatko Dedic (44.) die Schuhe. „Ich habe es getan, aber ich muss zugeben, nicht gründlich“, sagte Pahor. Verlierer des Abends war Russlands Coach Guus Hiddink, der einen der schwärzesten Augenblicke seiner Trainerlaufbahn erlebte. „Der Schlüssel zum Scheitern lag im Gegentor zum 2:1 im Hinspiel“, analysierte Hiddink nüchtern. 1998 hatte der Niederländer sein Heimatland zur WM geführt, 2002 Südkorea und 2006 Australien, diesmal bleibt Hiddink die Tür verschlossen.
Uruguay zittert sich zur WM
In Uruguay herrscht derweil große Erleichterung. Durch das 1:1 im Play-off-Rückspiel gegen Costa Rica hat sich der Fußball-Weltmeister von 1930 und 1950 die WM-Teilnahme gesichert. Allerdings mussten die „Urus“ lange zittern, ehe das Unentschieden feststand. Nach Zwistigkeiten zwischen Ersatzspielern Costa Ricas und einige Fernsehreportern wurde sieben Minuten nachgespielt. Sebastian Abreu hatte Uruguay in der 70. Minute in Führung gebracht, Costa Ricas Kapitän Walter Centeno konnte für die „Ticos“ nur noch ausgleichen (74.).
Henry...
Uwe Wagner (view)
- 19.11.2009, 13:31 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |