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WM-Kommentar Reicht den Iren die Hand!

01.12.2009 ·  Was macht das schon, wenn 2010 einer mehr mitspielt? Man müsste nur Spielplan und Modus überdenken, Anstoßzeiten modifizieren, Übertragungszeiten verschieben. Man könnte den Iren auch grenzenlose Naivität unterstellen. Aber ist das nicht wunderbar?

Von Anno Hecker
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Neulich hat Joseph S. Blatter einen Brief bekommen. Aus Irland. Im Couvert für den Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) steckte eine Art Bittgesuch mit einem zentralen Satz: „Können wir nicht als 33. Mannschaft an der Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Südafrika teilnehmen?“

Das ist eine äußerst höfliche Variante der kämpferischen Iren auf der Suche nach Gerechtigkeit in ihrer (h)eiligen Angelegenheit. Eigentlich hätten sie das Recht, fortgesetzt Zeter und Mordio zu schreien. So übel ist ihnen im entscheidenden Spiel um die Qualifikation mitgespielt worden. Nur weil Frankreichs Stürmer Thierry Henry im Strafraum der Iren Hand anlegte beim Stoppen und Weiterleiten des Balles, zog die Grande Nation in die Endrunde ein. Eine Schande, die sich - das bedauerte Joseph S. zutiefst - nur leider nicht korrigieren lässt. Jedenfalls nicht mit einem Wiederholungsspiel oder gar dem Ausschluss des Handlangers inklusive seiner Profiteure. Auf dem Platz ist schließlich der Schiedsrichter die höchste Instanz. Und der sah nicht, was Millionen sofort erkannten.

Wenn nicht die Hand Gottes die Finger im Spiel hat

Da kann man nur die Faust in der Tasche ballen. Oder an das Herz der Fußball-Familie appellieren. Was macht das schon, wenn im nächsten Sommer einer mehr mitspielt? Sicher, man müsste den Spielplan und gleich dazu den Spielmodus überdenken, die Kartenverteilung ändern, Anstoßzeiten modifizieren, die Übertragungszeiten verschieben, im Grunde das Weltturnier, das größte Geschäft der Fifa, die Leistungsmesse des Fußballs alle vier Jahre mal eben auf den Kopf stellen. Ja, man könnte den Iren an dieser Stelle eine grenzenlose Naivität unterstellen. Aber ist das nicht wunderbar?

Inmitten des von Verschiebungen und Betrügereien gegeißelten Sports treibt sie ein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn zum Äußersten. Nach dem Krawall sind die Iren nämlich „demütig“ geworden, sagt Blatter und hebt die Hände. Der Fifa-Boss wird das Gesuch nun seinen Präsidiumskollegen vorlegen, weiß aber nicht, „was passiert“. Man kann es sich denken. Wenn nicht die Hand Gottes die Finger im Spiel hat, dann wird das nichts mit der Nummer 33 in Südafrika. Es sei denn, Joseph S. greift ein.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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