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WM-Kommentar Die Mission geht weiter

08.07.2010 ·  Das 0:1 gegen Spanien ist verdient, aber kein Scheitern - zumal die Mannschaft von Joachim Löw mit ihrem Fußball die Welt überrascht hat. Löw kann als großer Bundestrainer in die Geschichte eingehen. Deshalb sollte er weitermachen.

Von Roland Zorn, Durban
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Schade. Für die deutsche Fußball-NationaImannschaft ist die Traumreise durch die Weltmeisterschaft in Südafrika doch kurz vor dem Ziel zu Ende gegangen. Die verdiente 0:1-Niederlage gegen Europameister Spanien im Halbfinale von Durban als Scheitern zu bewerten, wäre indes unangemessen. Dafür hat das Team von Bundestrainer Joachim Löw im Laufe des Turniers viel zu oft die Massen daheim und am Kap begeistert.

Mit ihrem jugendfrischen, phantasievollen Erobererfußball hat diesmal die erste Fußballelf des Landes die Welt überrascht – vier Jahre, nachdem das gastfreundliche Land bei der WM 2006 die Entdeckung schlechthin war. Es hieß in der Republik am Kap Abschied zu nehmen von der zum Klischee geronnenen Vorstellung, die Deutschen könnten auf dem Fußballplatz ihre Aufgaben nur mit dem Ethos harter, disziplinierter, dafür leider auch unattraktiver, uninspirierter Arbeit lösen. In Südafrika setzte sich der Spieltrieb einer multikulturell grundierten Mannschaft durch, die ihre notwendigen Pflichten mit einer Kür für Genießer verband, die zuweilen atemraubend aufregend anmutete.

Dass es auch diesem Team mit den vielen Spielideen schwerfallen würde, seinen unbeschwerten Lauf gegen die Spanier fortzusetzen, war nicht so überraschend, da der Europameister sein eigenes Stilprinzip der steten Ballzirkulation zu einer Meisterschaft entwickelt hat, die in der Welt ihresgleichen sucht. Den Iberern beizukommen, ist eine der besonders schweren Übungen, da häufiger Ballbesitz und damit zumindest zeitweise Dominanz über das Spiel zu den Markenzeichen der Mannschaft von Cheftrainer Vicente del Bosque gehört.

Reiches Reservoir an jungen Kräften

Die Spanier, die zuletzt so etwas die spielkulturelle Hoheit in Europa erobert haben, werden am Sonntag im Endspiel von den zweckdienlichen, an frühere deutsche Nationalteams erinnernden Niederländer im Kampf um die Krone herausgefordert; die Deutschen können tags zuvor noch den Trostpreis bei einem Erfolg im Spiel um Platz drei gegen Uruguay gewinnen.

Sie haben so oder so diese oft zähe, manchmal gar langweilige WM mit ihrem mutigen, intelligenten Angriffsfußball erobert. Ein Profi wie Bastian Schweinsteiger blühte, vielleicht auch, weil der herrscherliche Platzhirsch und Kapitän Michael Ballack wegen einer Verletzung fehlte, zu einem Profi von neuer Weltklasse auf; aufstrebende WM-Debütanten wie Mesut Özil, Thomas Müller und Manuel Neuer wiesen auf das reiche Reservoir der Deutschen an jungen Kräften mit großer Perspektive hin; dazu legte Bundestrainer Joachim Löw in Südafrika seine Meisterprüfung ab.

Ihm ein glänzendes Abschlusszeugnis auszustellen, ist längst eine Selbstverständlichkeit, die von der bisweilen neiddurchsetzten deutschen Fußball-Gesellschaft gemeinschaftlich getragen wird. Daraus sollte Löw die Konsequenz ziehen – und weitermachen. Er hat das Zeug dazu, als einer der großen Bundestrainer in die Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes einzugehen.

Da er aber noch lange nicht am Ziel seiner Mission angekommen ist und ein erster Titelgewinn bisher nur in Greifweite war, müsste auch Löws persönlicher Ehrgeiz, weiter die Linie, den Stil und das Auftreten der beliebtesten deutschen Fußballmannschaft zu steuern, ungebrochen sein. Es gibt noch viel zu tun, Löw braucht es nur anzupacken. Als Unvollendeter sollte er nicht vor der Zeit abzutreten.

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