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WM-Gespräch mit Franz Beckenbauer „Nur der Fußball weckt hier noch Hoffnung“

26.11.2007 ·  Franz Beckenbauer hat der Mord an dem Österreicher Peter Burgstaller erschüttert. Bei allen ernst zu nehmenden Sicherheitsbedenken traut er Südafrika aber sportlich wie organisatorisch eine gelungene WM 2010 zu. Mit dem deutschen Fußball-Botschafter sprach Roland Zorn.

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Franz Beckenbauer hat der Mord an dem Österreicher Peter Burgstaller erschüttert. Bei allen ernst zu nehmenden Sicherheitsbedenken traut er Südafrika aber sportlich wie organisatorisch eine gelungene WM 2010 zu. Beckenbauer im Gespräch.

Sie haben Peter Burgstaller, den am Freitag auf einem Golfplatz nahe Durban ermordeten Österreicher, gekannt und ihm sogar zwei Karten für die Auslosung der WM-Qualifikation hinterlegen lassen. Wie ist es Ihnen ergangen, als Sie von Burgstallers Tod erfuhren.

So etwas stimmt einen sehr traurig. Wir haben uns in Johannesburg am Flughafen noch zugewinkt, ehe er eine andere Maschine nach Durban nahm und die Dinge ihren Lauf nahmen. Dass er auf dem Golfplatz ermordet wurde, ist geradezu unglaublich. Er war allein auf seiner Runde – etwas, worüber du als Golfer sonst nicht einmal nachdenkst.

Hier aber scheint ein solcher Gedanke lebensnotwendig. Halten Sie die Sicherheit der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika für überaus bedroht?

Zumindest sollte jeder, der hierherkommt, ganz genau aufpassen in allem, was er tut und vor allem lässt.

Sie waren vor eineinhalb Jahren als Chef des deutschen Weltmeisterschafts-Organisationskomitees wieder einmal ein gefeierter Mann, weil die WM in Deutschland Träume wahr werden ließ und märchenhafte Züge trug. Wie ist Ihr Eindruck von den südafrikanischen Nachfolgern, die sich mit der reibungslos verlaufenen Auslosung der Qualifikationsgruppen für die WM-Endrunde 2010 in Durban erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert haben?

Ich bin in Südafrika ja schon vor über zwanzig Jahren gewesen. Damals bin ich aber nicht des Fußballs wegen hier runtergekommen, sondern um Golf zu spielen. In der unglaublich schönen Kap-Region kenne ich so gut wie alle Golfplätze. Durch meine Reisen hierher bin ich auch zum Fan des Landes geworden und freue mich deshalb bei allen ernst zu nehmenden Sicherheitsbedenken auf die Weltmeisterschaft in rund zweieinhalb Jahren. Ich bin sicher, sie wird hervorragend organisiert und ist in guten Händen.

Die südafrikanische Nationalmannschaft aber hinkt dem Organisationstalent der Mannschaft um den OK-Präsidenten Irvin Khoza und den OK-Geschäftsführer Danny Jordaan hinterher. Was trauen Sie der zuletzt eher erfolglosen Bafana Bafana bei der WM im eigenen Land zu?

Die Qualität ist da, das Potential auch. Sie haben dazu in Carlos Parreira einen Weltklassecoach, der sich international auskennt. Ich bin überzeugt, dass die Südafrikaner auch fußballerisch 2010 einiges zu bieten haben werden.

Die Tage von Durban scheinen bei den Ausrichtern den Optimismus verstärkt zu haben, das Großprojekt WM 2010 organisatorisch und mit viel Herzlichkeit stemmen zu können. Teilen Sie als Mitglied der Exekutive des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) diese Zuversicht?

Zweifellos, auch weil die Südafrikaner offensiv mit ihren aktuellen Defiziten umgehen. So sagen sie ganz offen, dass sie mit dem Stadion in Kapstadt etwas in Verzug sind oder auch gewisse Umweltprobleme bewältigen müssen. Der glaubwürdige Tenor des Organisationskomitees aber lautet immer: Wir holen, was jetzt noch nicht wunschgemäß läuft, auf. Die Südafrikaner sind nach meinem Eindruck auf einem sehr guten Weg.

Doch immer wieder steht allem Optimismus die vielleicht kaum zu lösende Frage der Sicherheit in einem Land mit einer sehr hohen Kriminalitätsrate entgegen. Glauben Sie, dass die Südafrikaner das bis zur WM so in den Griff bekommen, dass Gäste des Landes sich hier auch wohl fühlen können?

Das ist zweifellos das wichtigste Thema. Uns ist in der WM-Organisationskommission glaubwürdig erklärt worden, was getan worden ist und zusätzlich noch zu tun sein wird, um die Sicherheit bei der WM zu garantieren.

Was für eine WM erwarten Sie denn nach der unbeschwerten, fröhlichen, ständig besonnten Weltmeisterschaft in Deutschland?

Ich glaube, es wird eine bunte WM. Das verkehrteste, was die Südafrikaner machen könnten, wäre, uns zu kopieren. Sie müssen einerseits den Charakter ihres Landes und ihrer Menschen mit der WM zu spiegeln versuchen. Das werden sie auch schaffen. Andererseits ist das auch eine gesamtafrikanische Weltmeisterschaft.

Sie sind als Freund der Afrikaner spätestens seit der deutschen Welcome-Tour vor der WM im eigenen Land bekannt. Was bedeutet diese Weltmeisterschaft für die Menschen dieses Erdteils?

Es ist ja bekannt, dass Afrika unter vielen Dingen leidet, unter der Armut, unter Kriegen, unter der Kriminalität und unter Krankheiten. Der Fußball ist für mich hier das einzige Element, das völkerverbindend ist, das noch Hoffnungen und Wünsche weckt. Deswegen muss und wird die WM in Südafrika auch ein großer Erfolg werden.

Was kann Deutschland als Ausrichter des vergangenen WM-Turniers zum Gelingen der Weltmeisterschaft 2010 beitragen?

Wo immer wir gefragt werden, helfen wir gern. Die beste deutsche Hilfe für die WM in Südafrika heißt Horst R. Schmidt. Einen besseren Berater und Freund als diesen erfahrensten aller WM-Organisatoren hätten sie nicht finden können.

Was erwarten Sie von der deutschen Mannschaft, die zuerst bei der Europameisterschafts-Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz und danach in der WM-Qualifikation gefordert sein wird?

Die jüngste Delle in den Leistungen kam ja erst, als die Spannung weg war und die Spieler wussten, dass sie für die EM qualifiziert waren. Das war schon zu meiner Zeit als Teamchef so. Wir waren bereits für die WM 1986 qualifiziert und verloren dann erstmals ein WM-Qualifikationsspiel daheim, 0:1 in Stuttgart gegen Portugal. Da lässt die Spannung nach, du gibst mal dem, mal jenem Spieler eine Chance. Bei der Euro wird die Mannschaft natürlich ein ganz anderes Gesicht haben. Ich hoffe, dass die derzeit verletzten Spieler wie Frings und Schneider in bester Form zurück sind, dass Ballack wieder da und in starker Verfassung ist. Ich sehe der EM wie der WM-Qualifikation, die meines Erachtens machbar ist, mit viel Optimismus entgegen.

Hatten die leichten Rückschläge zuletzt auch ihr Gutes?

Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, dass hier und da allerhöchste Erwartungen ein wenig gedämpft werden. Für viele Deutsche schien es eine Zeitlang ja keine Frage, dass die Mannschaft von Bundestrainer Jogi Löw Europameister werde. Jetzt denkt man wieder darüber nach, dass es Gegner gibt, die auch gut Fußball spielen können.

Die Nationalmannschaft wird noch einmal am kommenden Wochenende im Blickpunkt stehen, wenn in Luzern die EM-Endrunde ausgelost wird. Dann folgt eine längere Winterpause. Zeit für alle Beteiligten, sich zu regenerieren und alte Konfliktstoffe beiseitezuräumen. Wie kam Ihnen der jüngste Streit um Konzepte zwischen der Bundesliga und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff vor?

In manchen Äußerungen klingt er ein wenig besserwisserisch, auch wenn er in Wirklichkeit nicht so ist. Zurückhaltung ist aber immer besser. Die Liga leidet ein wenig darunter, dass sie international keine Erfolge hat. Wenn dann auch noch ein Verantwortlicher der Nationalmannschaft seinen Senf dazu beiträgt, regt sich natürlich der Widerstand.

Die Fragen stellte Roland Zorn

Quelle: F.A.Z.
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