Frank Lowy wird kurz nach der WM in Südafrika seinen 80. Geburtstag feiern. Das schönste Geschenk für ihn wäre eine Galavorstellung der „Socceroos“ bei dem Turnier, das sie in der „deutschen“ Gruppe beginnen. Lowys Lebensgeschichte vom mittellosen Einwanderer zum reichsten Mann Australiens ist der Historie des australischen Fußballs nicht unähnlich. „Soccer“ oder „Football“ wie sich das Spiel mit dem in Australien einst verpönten Rundball mittlerweile stolz nennt, hat den Ruf des ungeliebten Schmuddelkindes auf dem fünften Kontinent abgelegt, und Lowy hat daran eine großen Anteil.
1952 war der Jude ungarischer Herkunft aus Israel nach Australien gekommen und begann seinen Aufstieg vom Lieferanten für Wurstwaren zum Besitzer des bedeutendsten Einkaufszentrenbetreibers der Welt. Sein Vermögen wird umgerechnet auf rund vier Milliarden Euro geschätzt. Lowy war eine treibende Kraft, die den australischen Fußball in den vergangenen Jahren aus seiner ethnischen Ecke befreit und in einen modernen Sport verwandelt hat.
Die Besten kicken weiter in Europa
Während früher Anhänger der Vereine meist einer der zahlreichen Einwanderergruppen wie Italienern, Serben oder Griechen angehörte, rekrutieren sich die Fans der neugeschaffenen A-League aus allen Bevölkerungsgruppen. Zuschauerzahlen von 30.000 und mehr sind keine Seltenheit mehr, in der „alten“ Liga waren die Kassierer schon glücklich, wenn ein paar Tausend Anhänger kamen.
Aber trotz des Erfolges der Profiliga mit nur acht Teams - davon eines aus Neuseeland - werden auch in Zukunft die besten Spieler weiterhin in Europa unter Vertrag stehen, ganz anders als 1974, als die Australier beim Turnier in Deutschland zum ersten Mal bei einer WM dabei waren und mit einer skurrilen Amateurtruppe gar nicht mal so schlecht auftraten - allerdings gegen Deutschland mit 0:3 unterlagen.
Frank Lowy bekommt meist, was Frank Lowy will.
Der große Durchbruch kam, als die „Aussies“ im November 2005 mit einem Sieg im Elfmeterschießen gegen Uruguay zum zweiten Mal die WM-Qualifikation schaffte und erstmals die ganze Nation mitjubelte. Der entscheidende Elfmeter von John Aloisi zählt heute zu den größten Momenten der an Erinnerungen nicht gerade armen australischen Sportgeschichte. Auch während der WM 2006 in Deutschland schlug sich das Team des damaligen Trainers Guus Hiddink hervorragend und schied erst im Achtelfinale gegen den späteren Champion Italien durch einen Foulelfmeter aus, dessen schiere Erwähnung noch heute den Blutdruck jedes australischen Fans steigen lässt.
Seit damals ist viel geschehen, Australien ist mittlerweile Mitglied der asiatischen Fußball-Förderation. Dorthin sind die Australier gewechselt, um mehr ernsthafte Wettbewerbsspiele bestreiten zu können. In Ozeanien hatten die Australier nur Neuseeland als ernsthaften Gegner, nach der Qualifikationsrunde mussten die Männer aus „down under“ dann in einer Odyssee durch Relegationsspiele nahezu unvorbereitet ihrem Traum gegen südamerikanische Gegner vergeblich hinterher jagen.
Die Qualifikation für Südafrika ist nun schön und gut: Frank Lowy hat indes schon längst das nächste Ziel vor Augen. Nicht mehr die WM-Teilnahme ist sein Ziel, sondern die WM selbst. Sein Traum ist es, die Weltmeisterschaft noch zu seinen Lebzeiten nach Australien zu holen, entweder 2018 oder 2022. Und eines ist sicher, Frank Lowy bekommt meist, was Frank Lowy will.