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WM-Finale Mandela grüßt die Fans in Soccer City

11.07.2010 ·  Nelson Mandela zeigte sich am Sonntag vor dem WM-Finale den Fans. Das Endspiel verfolgte der 91-Jährige aber nicht im Stadion. Ein Enkel von Südafrikas Nationalheld monierte den Druck der Fifa auf seinen Großvater.

Von Christian Eichler, Johannesburg
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Es war 19.15 Uhr in Johannesburg, mehr als eine Stunde vor dem WM-Finale zwischen Spanien und den Niederlanden, da erbebte das Soccer-City-Stadion unter einem Jubel, wie ihn auch kein späterer Torschrei übertreffen konnte. Denn er war da, Nelson Mandela, und 85.000 Menschen reagierten gerührt, emotional, begeistert. Der Mann, der wie kein anderer für das neue Südafrika, für das Ende der Apartheid steht, drehte nach der WM-Schlussfeier auf der Rückbank eines Golfwagens an der Seite seiner Frau Graca Machel eine Runde über den Rasen. Die Menschen erhoben sich, um ihn zu feiern. Wegen seiner fragilen Gesundheit war der Besuch des Friedensnobelpreisträgers, der am nächsten Sonntag 92 Jahre alt wird, lange unsicher.

Doch dann kam er, winkte den Menschen zu, zeigte sein gütiges, strahlendes Lächeln. Gegen die winterliche Abendkühle trug er einen dicken Mantel und eine Pelzmütze. Nach der Runde schüttelte er Joseph Blatter, dem Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), kurz die Hand.

Für Blatter und seine WM-Veranstaltung war dieser Händedruck mit dem weltweit meistverehrten lebenden Staatsmann vor einem TV-Publikum von einer halben Milliarde ein besonderer Triumph. Auf diese politische Krönung ihrer sportlichen und kommerziellen Großveranstaltung hatte die Fifa allerdings mit harten Bandagen hingearbeitet. Auf Nelson Mandela sei von Seiten der Fifa „extremer Druck“ ausgeübt worden, um ihn zu einem Erscheinen beim Finale zu bewegen, hatte dessen Enkel Mandla Mandela gegenüber dem BBC-Radio erklärt. Bereits für das Eröffnungsspiel sei er von der Fifa und Blatter zu einem Besuch gedrängt worden, obwohl Mandela seine einen Tag zuvor tödlich verunglückte Urenkelin Zenani betrauerte. Er verzichtete auf ein Erscheinen (siehe: Urenkelin tödlich verunglückt: WM-Eröffnungsfeier ohne Nelson Mandela).

Endspiel vor dem heimischen Fernsehapparat

Nach seinem kurzen Auftritt ließ sich Mandela, der sich seit mehreren Jahren fast völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, nach Hause fahren, um dort das Spiel im Fernsehen zu verfolgen. 1990 hatte er nach seiner Freilassung aus 27-jähriger Haft seine erste große Rede vor über 100.000 Menschen am selben Ort gehalten, dem alten FNB-Stadion, auf dessen Fundament für die WM das heutige Soccer-City-Stadion errichtet worden ist.

Und 1995 hatte der gerade zum südafrikanischen Präsidenten gewählte Mandela im Ellis-Park-Stadion von Johannesburg die Siegtrophäe der Rugby-WM dem Kapitän Francois Pienaar überreicht. Dieser Schulterschluss zwischen dem ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas und dem Team, das für viele Schwarze bis dahin für den Sport der weißen Unterdrücker gestanden hatte, gilt bis heute als große Geste für den Neubeginn nach der Apartheid. Clint Eastwood hat aus dieser Geschichte 2009 den Film „Invictus“ gemacht. Morgan Freeman erhielt für seine Darstellung Mandelas eine Oscar-Nominierung. Am Sonntag saß Freeman mit 85.000 Menschen im Stadion, um sein Vorbild zu feiern.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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