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WM-Auslosung Deutschland als Gruppenkopf im Topf

02.12.2009 ·  Deutschland ist wie erwartet unter den acht Top-Teams für die Auslosung der Vorrundengruppen zur Fußball-WM in Südafrika. Als Gruppenkopf geht die DFB-Elf zwar Italien oder Brasilien aus dem Weg, Frankreich wäre aber ein möglicher Gegner.

Von Roland Zorn, Kapstadt
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Die Stunde der Charmeure, Plauderer und Künstler schlägt erst am Freitag, wenn aus Losen sportliche Begegnungen werden und jeder der 32 Weltmeisterschaftsteilnehmer weiß, mit wem er es im kommenden Jahr in Südafrika zunächst zu tun bekommen wird. Dann wird das Kapstädter International Convention Centre zur Showbühne mit Weltstars wie der südafrikanischen Oscar-Preisträgerin Charlize Theron, der englischen Fußballpop-Ikone David Beckham oder dem goldig dekorierten äthiopischen Olympioniken und Dauerläufer Haile Gebrselassie.

Sie alle und noch viel mehr Sportler, Sänger und Tänzer bilden aber nur das dekorative Beiwerk zur WM-Endrundenauslosung, die von mehr als 200 Millionen Menschen in mehr als 200 Ländern live an den Fernsehschirmen verfolgt wird. Spätestens nach der neunzigminütigen Galalotterie (18 Uhr bis 19.30 Uhr/live im ZDF) wird auch Bundestrainer Joachim Löw von diesem WM-Vorspiel derart gepackt sein, dass sein vorweg geäußerter Satz: „Dann beginnt für mich das Turnier, dann geht die WM los“ realistisch grundiert sein wird. Seit Mittwochmorgen kann sich Löw immerhin schon ein paar Planspielchen hingeben. Da nämlich hat das Organisationskomitee des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) die vier Töpfe mit jeweils acht Mannschaften bestimmt, aus denen am Freitag die Lose gefischt werden.

Deutschland ist wie fast immer - Ausnahme war die WM 1962 in Chile - bei den im großen Still arrangierten notariellen Akten auf höchster Fußballebene im Topf eins der Weltelite dabei - diesmal neben Rekordweltmeister Brasilien, Weltmeister Italien, Europameister Spanien, den Niederlanden, Argentinien und England. Dazu kommt als sogenannter Kopf der Gruppe A (A1) der Gastgeber des neben Olympischen Spielen größten Sportereignisses der Welt: Südafrika. Die Regenbogennation, die als Erste ihres Kontinents die Ehre hat, ein solches Megafest (11. Juni bis 11. Juli) auszurichten, gehört als 86. der Weltrangliste rein sportlich gesehen nicht zur Creme de la creme, genießt aber als Ausrichterland einen Extrabonus.

Weil dem so ist, bestreitet das Team des brasilianischen Weltmeistertrainers von 1994, Carlos Alberto Parreira, am 11. Juni im brandneuen, 91.000 Zuschauern Platz bietenden Soccer City Stadium zu Johannesburg auch das WM-Eröffnungsspiel.

Frankreich Opfer einer Sanktion?

Grundlage für die Zusammenstellung des Topfes eins war laut Fifa-Generalsekretär Jerôme Valcke allein die Fifa-Weltrangliste mit dem Stand vom Oktober 2009. Eine Neuheit bei der Definition dieses Forums der Auserwählten, wurden doch bisher auch vergangene Meriten bei Weltturnieren mitberücksichtigt. Valcke sprach von der „fairsten Lösung, weil bis dahin alle Mannschaften die gleiche Anzahl von Spielen bestritten hatten“. Deutschland war im Oktober Fünfter und ist derzeit Sechster in dieser Rangfolge. Hätte man das November-Ranking zugrundegelegt, wäre Frankreich als Ranglistensiebter eines der gesetzten Teams aus Topf eins gewesen; im Oktober aber vor den Relegationsspielen gegen Irland lagen die Franzosen noch auf Platz neun.

Mit der „Hand von Henry“, der spektakulären Unsportlichkeit eines Fußballweltstars, trickste sich Frankreich zur Weltmeisterschaftsendrunde. Da traf es sich gut, dass das WM-Organisationskomitee der Fifa den Oktober zur Referenzgröße ihres Handelns festlegte. Hübscher Nebeneffekt: Frankreich, der Sünder wider den Sportsgeist, findet sich nun wieder in Topf vier mit den übrigen europäischen WM-Teilnehmern Dänemark, Griechenland, Portugal, Serbien, Slowakei, Slowenien und Schweiz. Mag auch das Rezept, nach dem die Töpfe angerührt werden, noch so stimmig anmuten, so wirkt die französische Versetzung doch wie eine kleine Fifa-Sanktion, von der der Franzose Valcke natürlich nichts wissen wollte.

Bekommt Deutschland eine schwere oder eine leichte Gruppe?

Nach der Aufteilung der Mannschaften, dem jenseits des ersten Topfes das Regionalprinzip zugrundelag - in Topf zwei sind die Teams aus Asien, der Nord- und Mittelamerika-Zone sowie Ozeaniens, in Topf drei fünf der sechs afrikanischen Teilnehmer sowie die restlichen südamerikanischen Starter versammelt -, darf munter drauflosspekuliert werden. Wird es eine „leichte“ oder doch erstmals bei einer WM-Endrundenauslosung eine „schwere“ Gruppe für die notorischen Glücksritter vom Deutschen Fußball-Bund?

Als sehr leicht würde wohl ein von Deutschland dominiertes Gruppenerlebnis mit Mitstreitern wie Slowenien, Algerien und Neuseeland empfunden; als ziemlich schwer ein frühzeitiges Rencontre mit Frankreich (oder Portugal), der Elfenbeinküste (oder Ghana) und den Vereinigten Staaten (oder Mexiko). Außer den Europäern aus 13 Ländern, die sich teils schon in der Gruppenphase begegnen werden, treffen sich alte Bekannte aus den anderen Fifa-Konföderationen zumindest bei den Punktspielen der acht Gruppen nicht.

Oliver Bierhoff, der deutsche Nationalmannschaftsmanager, sieht dem gigantischen Fußball-Lottoabend am Freitag entspannt und erwartungsfroh entgegen. „Für uns ist alles möglich“, kommentierte er das Eintopfen der Fifa, „wir können durchaus auf drei schwere Brocken in der Vorrunde treffen.“ Und wenn schon! Dann müssten sie eben von einer Mannschaft, die der Ehrgeiz nach der Titeleroberung treibt, aus dem Wege geräumt werden.

Topf 1
Südafrika, Brasilien, Spanien, Italien, Deutschland, Argentinien, England, Niederlande

Topf 2
Japan, Südkorea, Nordkorea, Australien, Neuseeland, Vereinigte Staaten, Mexiko, Honduras

Topf 3
Nigeria, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Algerien, Paraguay, Chile, Uruguay

Topf 4
Frankreich, Portugal, Dänemark, Slowakei, Slowenien, Schweiz, Griechenland, Serbien

Quelle: FAZ.NET
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