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WM 2014 Lula macht die nächste WM zur Chefsache

 ·  Die WM in Südafrika ist vorbei, 2014 geht es nach Brasilien. Trotz des Ärgers um das Stadion in São Paulo verspricht Präsident Lula die „beste WM aller Zeiten“ - und lehnt sich damit vier Jahre vor der nächsten Weltmeisterschaft aus dem Fenster.

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Auch wenn er ein ausgewiesener Fußballnarr ist – Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva blieb nicht bis zum WM-Endspiel in Südafrika. In seinen kühnsten Träumen hatte er sich vorgestellt, Ehrengast beim WM-Sieg der brasilianischen Mannschaft im Spiel gegen Südafrika zu sein. Und deshalb hatte er auch seine Tournee durch verschiedene afrikanische Länder so organisiert, dass er dem Finale am Sonntag hätte beiwohnen können. Aber daraus ist nichts geworden, weil Brasilien und Südafrika früh ausgeschieden sind. Nun war Lula früher als vorgesehen nach Brasilien zurückgekehrt. Nicht einmal zum Spiel um den dritten Platz blieb er, obwohl er sich für Uruguay als dem letzten verbliebenen lateinamerikanischen Land einsetzen wollte. Allerdings hatte er auch einen ehrenwerten Grund für die vorzeitige Heimkehr: Sein Stellvertreter José Alencar ist schwer erkrankt.

Immerhin hatte der brasilianische Präsident in Johannesburg noch schnell an der Vorstellung des Logos für die WM 2014 teilgenommen, die Brasilien ausrichten wird. Die drei Hände in Grün und Gelb repräsentierten die Farben des Landes, die Talente der Brasilianer und ihre Lust an der Arbeit, erklärte Lula. Doch gerade mit der Lust an der Arbeit sieht es nicht so gut aus. Es gab sogar schon einen schweren Rückschlag bei den Vorbereitungen für 2014. Der Internationale Fußball-Verband (Fifa) hat die Pläne für die Umgestaltung des Morumbí-Stadions in São Paulo zur WM-Spielstätte nicht akzeptiert. Damit würde São Paulo, die größte Stadt Brasiliens, aus der WM völlig herausfallen, und das ist unvorstellbar. Dort soll nach dem Willen der Stadtoberen sogar das Eröffnungsspiel stattfinden.

Lula lehnt sich weit aus dem Fenster

Guter Rat ist in diesem Fall jedoch besonders teuer. Das Morumbí-Stadion gehört dem FC São Paulo, deswegen sollen keine öffentlichen Mittel hineingesteckt werden. Eine Frist, welche die Fifa für eine Nachbesserung gesetzt hatte, ist verstrichen, weil kein Geldgeber aufzutreiben war. Der Oberbürgermeister des Stadtmolochs, Gilberto Kassab, glaubt daran, dass die Fifa-Führung doch noch einlenkt. Zuletzt hat er zu erkennen gegeben, dass er nichts gegen den Bau eines gänzlich neuen Stadions im Stadtviertel Pirituba im Nordwesten von São Paulo einzuwenden hätte. Aber er will aus der Stadtkasse dazu keinen Real beisteuern und auch das Terrain nicht bereitstellen.

Das Projekt müsse gänzlich von privater Hand finanziert werden. Doch Banken und Firmen zu finden, die umgerechnet eine halbe Milliarde Euro zu investieren bereit sind, ist noch schwieriger als die Nachfinanzierung der Umbauarbeiten im Morumbí-Stadion. Ähnlich verworren ist die Lage in der südbrasilianischen Stadt Curitiba. Das Stadion dort gehört ebenfalls einem privaten Club.

Wahrscheinlich ist allein Lula in der Lage, hier wie da den gordischen Knoten zu durchhauen, denn er hat sich bei seinen Auftritten in Südafrika weit aus dem Fenster gelehnt: „Wir werden die beste WM aller Zeiten auf dem Planeten organisieren“, versprach er. Er ist zwar nur noch bis Ende des Jahres im Amt, kann aber mit seinem großen politischen Einfluss noch entscheidende Weichen stellen.

Erinnerungen an das unselige Jahr 1950

Das Parlament hat auf Betreiben der Regierung schon ein wenig Vorarbeit geleistet und ein Gesetzesprojekt verabschiedet, das für 2011 die Bestimmungen zur Ausführung von Bauprojekten lockert, die mit der WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro in Verbindung stehen. Durch das Verfahren wird zwar der Ablauf einfacher gestaltet, was im überbürokratisierten Staatsapparat Brasiliens einiges bedeutet. Zugleich wird damit aber die Schleuse für mögliche Korruptionsmanöver geöffnet. Doch warum sollte es bei der WM und bei den Olympischen Spielen anders laufen als bei anderen früheren sportlichen Großereignissen in Brasilien? Die meisten Anlagen werden sicher erst auf den letzten Drücker fertig, und viel Geld wird versanden, ohne dass es dort investiert worden ist, wo es gebraucht wird.

Um für die WM 2014 im eigenen Land fit zu sein, müsse vor allem die Nationalmannschaft neu aufgebaut werden, meinte der Präsident des brasilianischen Fußballverbandes (CBF), Ricardo Teixeira. Lula setzte noch eins drauf und sagte, dass auch der Fußballverband selbst dringend der Erneuerung bedürfe. Er unterbreitete auch gleich einen praktikablen Vorschlag: Die Führung solle spätestens alle acht Jahre neu gewählt werden. Eine solche Regelung habe er auch bei den Gewerkschaften eingeführt, als er an deren Spitze stand. Teixeira ist seit 1989, also seit 21 Jahren im Amt.

Das Ausscheiden Brasiliens aus der WM habe ihm großen Kummer bereitet, bekennt Lula derzeit immer wieder. Er fühlt sich an das unselige Jahr 1950 erinnert, als Brasilien schon einmal Gastgeber einer WM war und von Uruguay im entscheidenden Spiel besiegt wurde. „Aber 2014 ist nicht 1950“, sagt er tapfer und prophezeit, dass Brasilien beim nächsten Mal Weltmeister werde.

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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.

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